Wirtschaft

«Es gehört zum Job, manchmal unangenehm zu sein»

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 28.05.2010 17 Kommentare

SBB-Chef Andreas Meyer über die Rolle des Chefs in einem komplexen Unternehmen.

«Ich fühle mich vom Kader getragen»: SBB-Chef Andreas Meyer.

«Ich fühle mich vom Kader getragen»: SBB-Chef Andreas Meyer.
Bild: Keystone

Herr Meyer, hat Sie der Rücktritt von Jürg Schmid überrascht?
Absolut. Jürg Schmid hat sechs Wochen Einführung gehabt und nicht gearbeitet, sondern die SBB kennen gelernt. Er war in den Werkstätten, mit einem Lokführer unterwegs. Für das Verständnis des komplexen Systems ist das sehr wichtig. Ich traf ihn zweimal zum Lunch und gab den einen oder anderen Hinweis auf Bereiche mit Optimierungspotenzial. Nach Pfingsten sagte er mir, der Bundesrat wähle ihn wohl als Direktor von Schweiz Tourismus. Ich fiel aus allen Wolken und war enttäuscht. Ich hatte grosse Hoffnungen in seine Fähigkeiten gesetzt, die wir als SBB gut gebrauchen könnten.

Wie fühlten Sie sich?
Ich fühlte Bedauern und Enttäuschung. Dann fragt man sich natürlich: Habe ich, haben wir als SBB Fehler gemacht? Ich habe mich auch geärgert – über die Situation, das Vorgehen, über mich selber. Dass das ausgerechnet uns passieren muss. Auch frage ich mich, was ich ein nächstes Mal besser machen kann.

Schmid fehlte der Freiraum.
Wir wussten ja, dass er in ein komplett neues Geschäft mit vielen gegenseitigen Abhängigkeiten hineinkommt. Deshalb haben wir mit ihm wie mit allen Kandidaten in der Endrunde einen Business Case mit enorm vielen Unterlagen durchgespielt. Wir setzten uns mit dem Führungsmodell auseinander, jeder hatte zu überlegen, was das für ihn für Folgen hatte. Aber das ist Theorie. Erfährt man das System real, ist alles anders.

Man hört auch anderswo, dass Sie dem Kader kaum Spielraum lassen.
Wir haben ein Führungsmodell für die SBB entwickelt. Das stimmt. Als ich zur SBB kam, gab es keine einheitlichen Organigramme. Ein Kadermann sagte mir: Weisst du, Andreas, wir sind hier eine grosse Anzahl virtuoser Solisten. Es geht um ein hochkomplexes Geschäft mit grossen Abhängigkeiten untereinander. Da müssen die Leute bei grossen, wichtigen Themen zusammenarbeiten. Nehmen Sie die Vergabe des Doppelstockzugs für den Fernverkehr. Da kann nicht einfach der Personenverkehr den günstigsten Zug bestellen. Dieser muss auf die Schiene passen, die Infrastrukturinvestitionen müssen klar sein, und die Sicherheit muss gewährleistet sein.

War das früher nicht der Fall?
Als wir vor zwei Jahren neue regionale Doppelstockzüge bestellten, wollte man die Vergabe früher durchziehen. Ich stoppte das, weil gewisse Fragen noch offen waren. Es gehört zum Job, manchmal unangenehm zu sein.

Sehen Sie sich vom Kader getragen?
Ja, ich fühle mich getragen. Aber vielleicht müssten Sie meine Kollegen in der Konzernleitung fragen. Unmittelbar nach der Kündigung Schmids hatte ich mit ihnen eine Sitzung. Da haben wir eine Auslegeordnung über unsere Handlungsoptionen gemacht und gemeinsam Lösungen und das weitere Vorgehen beschlossen. Das hat mich beeindruckt. Die Herausforderungen sind für alle riesig, aber wir haben es auch lustig miteinander. Das ist mir wichtig, dass wir auch immer wieder mal lachen.

Und das restliche Kader?
Ich habe Topkaderveranstaltungen eingeführt: dreimal im Jahr mit den Top 100, einmal pro Jahr mit den Top 600 bis 700. Da erfahre ich, ob man meine Auffassungen teilt, was für Anregungen man hat. Das Feedback ist gut. Aber die Divisionalisierung, die grundsätzlich richtig ist, hat bei einigen Kadern vielleicht etwas zu stark Fuss gefasst. Da ist manchmal Klartext nötig. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.05.2010, 23:44 Uhr

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17 Kommentare

Jack Schäss

28.05.2010, 07:04 Uhr
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Schaut Euch doch den Meyer mal an. Ein hurrah-lustiger CEO-Schauspieler (wie viele andere). Extrem unauthentisch. Dem würde man in einer nicht hierarchieforcierten Führungs-Situation nicht folgen. Antworten


Bruno Paganini

28.05.2010, 11:47 Uhr
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Bei Schweiz Tourismus herrscht holidays !! Ist doch logisch, dass ein Manager von dort - und erst noch mit einem unglaublichen Salär - sich nicht an toughes arbeiten gewöhnt ist. Also zurück ins Paradies. Schön, oder ? Antworten



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