Wirtschaft
«Europas Banken drohen Anschluss zu verpassen»
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«Während die USA und China die Krise nutzen, um grosse und leistungsfähige Finanzinstitute zu formen, drohen Europas Banken den Anschluss zu verpassen», mahnte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Montag bei einer Preisverleihung in Frankfurt. Die grösste deutsche Bank müsse, um zu wachsen, den Marktanteil auf dem Heimatmarkt steigern. Vor diesem Hintergrund stehe auch der bevorstehende Einstieg bei der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim.
Im Ausland sei Asien die Hauptstossrichtung, sagte Ackermann. «Wir haben im Moment aber keine Ambitionen, ausserhalb von Indien und China im Retailbanking tätig zu sein», schränkte er ein.
Kapitalbeschaffung notwendig
Die Deutsche Bank werde angesichts der zu erwartenden höheren Eigenkapitalanforderungen mehr Kapital beschaffen müssen. Das könne zum einen über eine höhere Rentabilität gelingen. Zum anderen sei es vielen Banken zuletzt sehr gut gelungen, Kapitalerhöhungen durchzuziehen. «Ich glaube nicht, dass der Staat dabei eine Rolle spielen muss bei guten Banken. Es ist unser Bemühen, die höheren Anforderungen ohne Staat zu erfüllen», bekräftigte der Bankchef.
Ackermann forderte die deutsche Politik auf, sich für eine gesamteuropäische Bankenaufsicht einzusetzen. Diese sei überfällig, «und gerade Deutschland kann es sich nicht leisten, sich in diesen Prozess nicht aktiv einzubringen». Eine national orientierte Aufsicht berge die Gefahr einer Refragmentierung der Märkte.
Gesamteuropäische Aufsicht
Bedenken hat Ackermann gegen die Idee einer Obergrenze für die Leverage Ratio - das Verhältnis von Kreditpapieren zum Eigenkapital. Sie weise «gravierende konzeptionelle Schwächen auf». Finanzchef Stefan Krause ergänzte, das Konzept sei zu stark vereinfachend und ergebe möglicherweise ein falsches Bild. Eine solche Obergrenze könnte die Risikoneigung sogar erhöhen.
«Die Lage an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft ist weiterhin fragil», warnte der Bankchef. Bei den Kreditausfällen liege das Schlimmste wohl noch vor den Instituten. Das wieder erstarkte Investmentbanking dürfte nicht zu falschen Schlüssen verleiten. «Diese Zahlen spiegeln eine Sondersituation wider, sicher aber nicht ein neues Gleichgewicht nach der Krise.» (vin/sda)
Erstellt: 12.10.2009, 19:49 Uhr
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