Wirtschaft

Feldschlösschen schliesst Cardinal-Brauerei

Die traditionsreiche Brauerei in Freiburg macht zu. Der Grund ist ein Entscheid aus Dänemark.

1/8 Die traditionsreiche Cardinal Brauerei in Freiburg wird geschlossen.
zvg

   

Unia-Stellungnahme

Die Gewerkschaft Unia will sich zusammen mit dem Personal gegen die geplante Schliessung der Brauerei Cardinal in Freiburg wehren. Viele Cardinal-Angestellte seien gewerkschaftlich organisiert, schreibt Unia in einer Mitteilung vom Dienstag.

Die Belegschaft sei am frühen Dienstagmorgen vom Schliessungsentscheid überrumpelt worden, kritisierte Unia- Regionalsekretär Armand Jaquier. An einem Treffen mit der Belegschaft will die Unia das weitere Vorgehen besprechen.

Der Brauereikonzern Carlsberg, zu dem die Feldschlösschen-Gruppe mit «Cardinal» gehört, verzeichne steigende Gewinne, schreibt die Unia weiter. Dennoch müssten 75 Arbeitsplätze verschwinden. Dies bedeute das Ende einer langen Brauerei-Tradition in Freiburg.

Es sei nicht akzeptabel, dass ein Konzern, der im Kanton Freiburg von Steuererleichterungen profitiere, sich nicht an sein Versprechen zur Erhaltung der Brauerei und der Arbeitsplätze halte.

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Die traditionsreiche Brauerei Cardinal in Freiburg wird im Juni 2011 geschlossen. Das Cardinal-Bier wird weiterhin produziert, aber ab diesem Zeitpunkt bei Feldschlösschen in Rheinfelden AG.

57 der Angestellten in Freiburg erhalten von der Feldschlösschen- Gruppe, zu der Cardinal gehört, in den nächsten Tagen ein Angebot für eine neue Stelle. Die restlichen 18 werden vorzeitig pensioniert, wie Feldschlösschen-Chef Thomas Metzger am Dienstag in Freiburg vor den Medien bekanntgab. Nach der Schliessung will Feldschlösschen das Areal in Freiburg verkaufen.

Folge eines dänischen Entscheids

Feldschlösschen begründet den Entscheid mit einem Beschluss der Carlsberg-Gruppe, zu der die Schweizer Nummer 1 im Biergeschäft seit 2000 gehört. Das dänische Mutterhaus habe entschieden, die bisher in Rheinfelden angesiedelte Produktion von alkoholfreiem Exportbier ins Elsass zu Kronenbourg zu verlagern.

Hinter diesem Entscheid stehen laut Metzger die Globalisierung des Handels, der damit steigende Druck auf die Profitabilität, der rückläufige Bier-Konsum in Westeuropa und Überkapazitäten in diesem Gebiet. Kronenbourg könne zudem billiger produzieren als Feldschlösschen, sagte Metzger auch.

Dazu kommt, dass bei Cardinal in den letzten Jahren die Anlagen nur zu 40 Prozent ausgelastet waren. In dieser Situation habe es betriebswirtschaftlich gesehen nichts anderes gegeben, als die Bierproduktion in Rheinfelden zu konzentrieren, so Metzger. Die ins Elsass ausgelagerte Bierproduktion entspricht ungefähr der bisher in Freiburg gebrauten Menge.

Stellen angeboten

An der Marke Cardinal - der Nummer 2 in der Schweiz - will Feldschlösschen nicht rütteln: Cardinal bleibe «ein wichtiger Pfeiler im umfassenden Bierportfolio», schreibt das Aargauer Unternehmen in einer Mitteilung. Die zahlreichen Sponsoringverträge von Cardinal würden weitergeführt.

Um in Freiburg Entlassungen zu vermeiden, werde es auch an anderen Unternehmensstandorten in der Schweiz zu vorzeitigen Pensionierungen kommen. Kündigungen könnten vermieden werden, wenn die Freiburger Angestellten die Jobangebote annähmen. Jobs stünden nicht nur in Rheinfelden bereit, sondern auch an anderen Standorten.

Schon 1996 drohte Cardinal Schliessung

Der Freiburger Stadtammann Pierre-Alain Clément (SP) führte den Entscheid in einer ersten Stellungnahme auf die Globalisierung zurück. Die Freiburger Stadtregierung werde noch am Dienstag den Entscheid besprechen und wolle rasch mit Vertretern von Feldschlösschen zusammensitzen.

Er hoffe, dass es zu keinen Kündigungen komme, sagte Clément der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage weiter. Überrascht und schockiert reagierte der Freiburger Staatsrat. Die Kantonsregierung hat deshalb eine «Taskforce» auf die Beine gestellt, die mit Feldschlösschen das Gespräch sucht.

Neue Verhältnisse

Im Vergleich zu 1996, als Feldschlösschen - damals noch als Feldschlösschen-Hürlimann-Holding - schon einmal Cardinal schliessen wollte, hätten sich die Verhältnisse geändert, so Clément weiter. Dies, da Feldschlösschen nun seinerseits eine Tochtergesellschaft sei.

1996 war bei Cardinal der Abbau von 200 der damals 300 Stellen geplant. Kurze Zeit später protestierten in der Saanestadt 10'000 Menschen auf der Strasse gegen den Entscheid. 80'000 unterzeichneten eine Petition an Feldschlösschen. Danach nahm das Aargauer Unternehmen den Beschluss zurück.

Am Dienstag sagte nun Metzger, Feldschlösschen wisse, dass der Entscheid mit Emotionen verbunden sei. Doch sei es «unumgänglich», dass Feldschlösschen seine Produktivität erhöhe.

(oku/sda/)

Erstellt: 31.08.2010, 08:47 Uhr

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