Wirtschaft

Fragwürdige Methoden bei Suche nach Sponsoren für «Gesundheit Sprechstunde»

Die Gesundheitssendung gerät wegen des Mailverkehrs ihres Medizinischen Leiters erneut in Erklärungsnot.

Wie wird bestimmt, wer in der Sendung als Fachperson auftritt? SF-Sendung «Gesundheit Sprechstunde».

Wie wird bestimmt, wer in der Sendung als Fachperson auftritt? SF-Sendung «Gesundheit Sprechstunde».
Bild: Screenshot GES

Das jüngste Aufsichtsverfahren gegen «Gesundheit Sprechstunde» (GES) läuft noch. Anfang Jahr beanstandete das Bundesamt für Kommunikation zehn mutmassliche Verletzungen der Werberichtlinien in sechs Sendungen.

Nun zeigen Recherchen des TA, wie sich der Medizinische Leiter von GES um Sponsoren bemüht: Einem Schmerzspezialisten, der sich nach dem Preis für einen 15 bis 20 Minuten dauernden Auftritt in der Sendung erkundigt, verweigert Markus Meier jede schriftliche Offerte. Auch auf Insistieren des Arztes, der angibt, dem Verwaltungsrat seiner Klinik eine solche vorlegen zu müssen.

Zweideutige E-Mailnachrichten

«Mehr als ich Ihnen am Telefon gesagt habe, kann ich Ihnen in einem Mail nicht schreiben», schreibt Meier im Juli an den Schmerzspezialisten. Er lässt den Arzt aber wissen, dass Sponsoren, mit denen man in einem «Rahmenvertrag» zusammenarbeite, sich jeweils an den «Produktionskosten» in der Höhe von 15?000 bis 40?000 Franken pro Sendung «beteiligen» würden.

In einem weiteren Mail deutet Meier an, dass der Arzt auch in die Sendung eingeladen werden könnte, wenn er einen von GES ausgerichteten Kongress im Paraplegikerzentrum Nottwil «unterstützen» würde (siehe Ausriss). Dieses Angebot ist in zweierlei Hinsicht fragwürdig. Erstens deutet Meier an, dass er dem Arzt einen Auftritt in einer Sendung verschaffen könne, wenn er GES anderswo entgegenkäme.

«Ungeschickt ausgedrückt»

Für die Zuschauer wäre dann nicht transparent, weshalb ausgerechnet dieser Arzt als Experte in einer Sendung von GES auftreten darf, was wiederum gegen die Werbe- und Sponsoringrichtlinien des Radio- und TV-Gesetzes verstiesse. Zweitens heisst der beim Verlagshaus Ringier für GES Verantwortliche Fibo Deutsch. Deutsch ist auch Vizepräsident des Stiftungsrats der Paraplegikerstiftung, die das Paraplegikerzentrum Nottwil unterhält.

Deutsch sieht keine problematische Vermengung. «Wir richten den Schmerzkongress in Nottwil aus, weil wir von einer idealen Infrastruktur profitieren. Umgekehrt profitiert das Paraplegike-Zentrum von den Konsumationen der rund 2500 Besucher. Es fliesst kein Geld zwischen GES und Paraplegiker-Zentrum», sagt Deutsch. Meiers Angebot an den Arzt relativiert er. «Meier hat sich da ungeschickt ausgedrückt. Was er gemeint hat: Wir beobachten am Kongress jeweils die Auftritte der Experten. Wenn wir das Gefühl haben, einer kann reden und versteht sein Fach, dann laden wir den eher in die Sendung ein als andere», sagt Deutsch.

«Erlaubtes Product-Placement»

Bleibt die Frage, warum Meier schriftlich unter keinen Umständen über die «Beteiligung an Produktionskosten» verhandeln will. Handelte es sich um eine Zahlung im Rahmen eines üblichen Sponsoringvertrags, dann würde der Sponsor im Vor- und Abspann der Sendung erwähnt. Die Sponsoringverträge sind zwar Gegenstand eines Bakom-Aufsichtsverfahren, das die Unabhängigkeit von den Sponsoren überprüft. Sie gewähren aber die volle Transparenz für den Zuschauer.

Wollte Meier dem Arzt einen nicht als kommerziell deklarierten und damit glaubwürdigeren Auftritt als Experte verschaffen? «Nein», sagt Deutsch: «Seit Juli gilt ein neues Bakom-Reglement betreffend Sponsoring und Product-Placement. Darin ist Sponsoring als auch Product-Placement in einzelnen Sendungen explizit vorgesehen. Darüber verhandelt Meier. Arztauftritte gelten nach neuem Reglement als erlaubtes Product-Placement, welches wir auch ausweisen.»

Beobachter-Bericht bestätigt

In der heutigen Ausgabe berichtet der «Beobachter», dass Meier einer PR-Agentur ankündigte, eine Sendung über ein bestimmtes Medikament zu machen. Und ob die Herstellerfirma sich nicht mit zwischen 10'000 und 20'000 Franken an den «Produktionskosten beteiligen» und dafür einen Experten stellen wolle.

Deutsch bestätigt den Inhalt des «Beobachter»-Berichts im Wesentlichen, betont indes, es sei nicht um ein Medikament gegangen und dass die Redaktionsleitung die Experten aussuche und nicht Meier. «Es kann einer noch so viel zahlen wollen, wenn er fachlich nicht ausgewiesen oder nicht telegen ist, dann lege ich mein Veto ein», sagt Deutsch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2010, 22:55 Uhr

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20 Kommentare

Annemarie Richard

12.09.2010, 14:56 Uhr
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Dies ist eine einseitige Werbesendung und gehört abgeschafft. Auch viele medizinische Vorträge an öffentlichen Spitälern dienen dem selben Zweck. An alle Patienten, wenn sie krank sind gehen sie zum Hausarzt. Sind sie gesund, gehen sie in die freie Natur, Kino, Theater usw und denken sie nicht über ihre eventuell einmal eintretende Krankheit nach. Allen Lesern gute Gesundheit! Antworten


eugen bissegger

03.09.2010, 18:43 Uhr
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Diese krank machende Sendung gehört abgeschafft, je schneller, desto besser. Dann werden die Menschen auch schneller wieder gesund! Und die, welche tatsächlich krank geworden sind, gibt es ja leider auch, sollen die Behandlung erfahren welche dem Leiden entspricht, also, keine Symptombekämpfung um das Feuer des am Medi-Topf hängen zu bleiben. Wer will das schon, ausser die Patienten selbst? Antworten


Christian Dürig

03.09.2010, 12:40 Uhr
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Falls Meier «Mehr als ich Ihnen am Telefon gesagt habe, kann ich Ihnen in einem Mail nicht schreiben» tatsächlich gesagt hat, ist für mich der Fall klar. Meier muss sofort freigestellt werden. Antworten


Kurt Aegeri

03.09.2010, 12:11 Uhr
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Eine schreckliche Sendung, die nichts anderes tut, als Patienten zu rekrutieren. Alle Wochen eine schreckliche neue Krankheit, die Möglichkeit der Früherkennung und die neuste Therapie gleich dazu geliefert und die Leute rennen wegen jedem "Büggeli" zum Arzt. Manipulation durch Pharmakonzerne und Ärzte auf dem Buckel der PrämienzahlerInnen. Antworten


Hanspeter Niederer

03.09.2010, 11:05 Uhr
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Es braucht ein Engagement des Staates in medizinischer Forschung mit dem Ziel, Krankheiten ursächlich zu heilen. Die Pharmalobby ist eine Gefahr für das Volk, denn das Dümmste, was dieser Lobby passieren kann, ist eine Therapie zu finden, die eine Krankheit wirklich heilt. Möglichst viele Dauer-Kranke sind das Ziel dieser gierigen, unmoralischen Mafia, die pro Jahr noch über 800'000 Tiere foltert. Antworten


Tom Kuhn

03.09.2010, 11:00 Uhr
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Ich finanziere mit meinen Billag Zwangsgebühren solche Dauerwerbesendungen. Ich schaue diese Sendung nicht mehr, hoffentlich wird sie eingestellt. Es geht nicht um Aufklärung sondern um Werbung für Medikament X oder Dr. Y bzw. Privatklinik Z. In Deutschland werden Dauerwerbesendungen klar deklariert. Kein Arzt bezahlt freiwillig 40?000 Fr. für 20 Minuten Auftritt. Der Gewinn muss massiv hoch sein! Antworten


Hans Eberle

03.09.2010, 10:59 Uhr
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Dieser Bericht ist wie viele andere auch im Internet kaum leserlich. Antworten


Rolf Schumacher

03.09.2010, 10:48 Uhr
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Nachtrag: Und der Gipfel der Unverschämtheit ist, dass die KK den Privatspitälern für die Behandlung von ALLGEMEIN versicherten Patienten die vollen Leistungen bezahlen. Die Allgemeinheit bezahlt also die Privatspitäler, soviel zur freien Marktwirtschaft im Gesundheitswesen. Antworten


Klaus Vetter

03.09.2010, 10:38 Uhr
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Who cares? Oder wen juckts? Antworten


Rolf Schumacher

03.09.2010, 10:35 Uhr
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Privatkliniken sind ein Tummelfeld für Showmediziner. Viele lassen sich in öffentlichen Spitälern teuer ausbilden, holen sich da auch einen Werbewirksamen akademischen Titel (PD oder Prof.) und setzen sich dann in eine Privatklinik ab. In der Privatklinik, müssen sie keine Assistenten ausbilden, nicht forschen, keine mühsamen Dienste machen und verdienen viel mehr Geld als in öffentlichen Spitäler Antworten


Rolf Schumacher

03.09.2010, 10:30 Uhr
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@Müller um zu zeigen, dass man Sämi Stutz nur mit vorbehalt glauben kann. Vielleicht müsste man noch anfügen, dass jede ärztliche Fortbildung ebenfalls von grossen Pharmafirmen gesponsert wird. Die Bevölkerung hat ein recht zu wissen, wer die Werbesendungen bezahlt. In ofiziellen Werbesendungen steht der Name des Produktes ja auch immer irgendwo, oder? Hirslanden sells. Antworten


Heinz Wolf

03.09.2010, 10:14 Uhr
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Solche Sendungen haben doch nur den einen Zweck die Zuschauer zu verängstigen und sind eine einzig grosse Werbtrommel um die verunsicherten Menschen der Gesundheitsindustrie zuzuführen. Ich habe mich immer gewundert, wie lange es noch dauert, bis dieses falsche Spiel sichtbar wird. Antworten


Pierre Nussbaumer

03.09.2010, 10:12 Uhr
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Warum immer die Pharmalobby ? Echt faire information wäre 50/50% Schulmedizin / Alternativmedizin. SF ist neutral ??? und warum darf sie nicht über MMS diskutieren, Malaria mit 50 cents heilen ? Da würden man die Pharmalobby echt kennen lernen, es geht um ihren Gewinn und nicht um Heilung. Antworten


maja naef

03.09.2010, 10:11 Uhr
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Ich schaue mir diese Sendungen nie an. Ist mir einfach zu blöd am Wochende über Krankheiten nachzudenken, die mich nicht einmal selber betreffen. Antworten


robert mueller

03.09.2010, 09:55 Uhr
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Was soll dieser Bericht eigentlich. Die Presse nimmt doch auch Geld für Berichte welche über diese oder jene Produkte erscheinen. Wird ein redaktioneller Beitrag über ein Produkt gebracht, wird der Hersteller des Produktes zu einem Inserat genötigt. Was soll denn das, wem schadet es...? Oder soll das TV den Pharma- riesen noch Gage bezahlen, wenn sie über ein Medikament berichten...? Antworten


Stefan Bisig

03.09.2010, 09:54 Uhr
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Komisch, dass das erst jetzt auffällt. Warum sind diese "Experten" zumeist Chefärzte irgendwelcher Privatkliniken (und zwar immer in den gleichen) ? Wie ich das einschätze, müsste links oben eine Mitteilung stehen: Dauerwerbesendung. Antworten


Peter Brunner

03.09.2010, 08:51 Uhr
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Wen wunderds, wenn die Krankenkassenprämien explodieren, solange die Medizin in Unterhaltungssendungen ausarten und allerlei Kranklheiten suggerieren. Antworten


Christian Bolliger

03.09.2010, 08:39 Uhr
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In seiner Funktion in der Sendung ist Markus Meier sowohl Arzt als auch Journalist. Die verdeckte Unterstützung von Sendungen widerspricht den Grundsätzen der journalistischen Ethik. Eine medizinische Beratung in denen die Hintergründe nicht aufgedeckt werden widerspricht der medizinischen Ethik. Für das öffentlich-rechtliche SF kann es nur eine Konsequenz geben, Meier fristlos absetzen. Antworten


Hans Willi

03.09.2010, 08:14 Uhr
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Eine Sendung, welche ich aus Prinzip nicht schaue. So wenig wie Werbesendungen.... Inhalt abgestimmt auf Marketing kann ja kaum glaubwürdig sein. Antworten


Eron Thiersen

03.09.2010, 07:42 Uhr
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Die Gesundheitssendung ist in Anbetracht der Krankenkassenprämien, der miserablen finanziellen Situation und der überaus mächtigen Arzt- und Pharmalobby ein Programm zur Förderung von laienhaften Wissen über Krankheiten und Leiden. Hier wird der Gang zum Arzt , zur Therapie, zum Apotheker, zur Drogerie gefördert und durch SF gesponsort! Aus dem Programm nehmen, sofort! Antworten



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