Wirtschaft
Ganz grosser Zahltag bei der CS
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 20.03.2010
Dossiers
Artikel zum Thema
- Deutsche Steuerfahndung jagt CS
- 24 Millionen Franken für Grübel
- Die Credit Suisse lobt den Schweizer Markt über den grünen Klee
- Goldene Fallschirme für Beamte, aber nicht für Manager
- Das Volk soll über die Bonussteuer abstimmen
- Nationalrat beerdigt Bonussteuer – doch die CVP will sie wiederbeleben
Stichworte
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Die PR-Abteilung der Credit Suisse (CSGN 23.64 -2.92%) wird in den nächsten Wochen gleich zweimal gefordert. Nächsten Donnerstag wird sie erklären müssen, warum die Geschäftsleitung der CS gegen 200 Millionen Franken verdient. Allein CS-Chef Brady Dougan kassiert rund 20 Millionen. Eine Woche später kommt gleich der zweite Schlag: Dann gelangt ein fünf Jahre altes Bonus-System zur Anwendung, das alles bisher in der Schweiz Gesehene in den Schatten stellt.
Gross war der Aufschrei, als im April 2006 bekannt wurde, dass die Credit Suisse zwei ganz grosse Anreizprogramme für ihre Chefs am Laufen hatte. Der schöne Namen dieser Programme lautete «Performance Incentive Pan Unites», in der Folge kurz Pip genannt. 815'894 dieser Pips erhielt 2005 Oswald Grübel zusammen mit der sechsköpfigen Geschäftsleitung, 2006 folgten weitere 769'972 für die Herren Geschäftsleiter. Doch die Pips gabs nicht nur für die Geschäftsleitung, sondern für die ganze obere Führungsschicht.
Ein Vehikel mit Trick
Der Trick daran: Je nachdem wie sich Gewinn und Aktienkurs der Bank in den nächsten fünf Jahren entwickeln, bekommen die Begünstigten bis zu neun Aktien pro Pip. Das läuft so: Wenn der Aktienkurs unter 30 Franken fällt, gibts nichts, bei 90 Franken und darüber gibts 9. Ausgegeben wurden diese Super-Geldmaschinen zweimal. Dann war Schluss, denn der Verwaltungsrat unter Walter Kielholz kreierte ein neues, weniger aggressives Vehikel.
Diese Jahr nun kommt die erste Tranche der Pips zur Auszahlung. Stichtag für die Zuteilung ist der 23. März. Gemessen am Kurs: Massgeblich ist der Schnitt der letzten drei Monate. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau, ist damit zu rechnen, dass pro PIP 1 etwa 2,5 Aktien abgegeben werden. Beim heutigen Kurs von rund 55 Franken bedeutet dies für die Bank, dass Aktien im Wert von 1,7 Milliarden Franken ans CS-Personal gehen. Grübel hat seine Pips letztes Jahr zurückgegeben, als er seinen Job als CEO der UBS annahm. Dafür wurden ihm für 13 Millionen UBS-Optionen offeriert. CS-Chef Brady Dougan besitzt laut Geschäftsbericht mit 271'898 am Meisten dieser Pip 1 mit einem geschätzten Wert von 37 Millionen Franken. Weitere Pip-Grossbesitzer sind Walter Berchtold, Paul Calello (Investmentbank) und Eric Varvel. Die ganze Geschäftsleitung sitzt auf Pip 1 im Wert von 101 Millionen Franken.
Ethos-Chef Dominique Biedermann, der sich vor fünf Jahren stark gegen das Programm gewehrt hat und letztendlich die Aussetzung erreicht hat, nimmt das achselzuckend zur Kenntnis. Die CS will das Pip-Programm erst Ende Monat kommunizieren.
Kräftige Verluste
Pech für Dougan ist, dass dieses Jahr auch noch ein Optionsprogramm ausläuft. 40'000 Credit-Suisse-Optionen hat er vor zehn Jahren bekommen. Die sind am 1. März dieses Jahres verfallen. Ausübungskurs wäre 74 Franken pro Aktie, doch davon ist die CS weit entfernt. Nächstes Jahr sind sogar 368'400 Optionen fällig, bei einem Ausübungspreis von sogar 85 Franken.
Aus Aktionärssicht bedeutet das aber auch nichts Gutes. Zwar spart die Unternehmung das Geld für die Optionen, doch es zeigt eben auch, was bei beiden Grossbanken gilt: Wer sein Geld in diese Aktien investiert, der verliert massiv.
Dies alles, obwohl die hohen Boni damit gerechtfertigt werden, für aussergewöhnliche Leistungen brauche es einen aussergewöhnlichen Lohn. Langfristig scheint das Gegenteil wahr zu sein. Bei der CS betrug der Verlust pro Aktie seit 2000 37 Prozent, bei der UBS gar 57 Prozent. Bei Novartis übrigens, wo Daniel Vasella jeweils 30 Millionen verdient, haben die Aktionäre auch 10 Prozent.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2010, 12:37 Uhr










