Wirtschaft

Genfer Banken im Vorteil

Von Anita Merkt. Aktualisiert am 18.10.2012 8 Kommentare

Genfer Banken freuen sich über neue Geldzuflüsse aus Spanien und Lateinamerika. Die Banken in Basel und Zürich leiden dagegen unter dem Steuerstreit mit Deutschland.

Spanier und Südamerikaner bringen ihr Vermögen vorzugsweise in Genf in Sicherheit: Hauptsitz der Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch und Cie.

Spanier und Südamerikaner bringen ihr Vermögen vorzugsweise in Genf in Sicherheit: Hauptsitz der Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch und Cie.
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Der Genfer Finanzplatz scheint die Bankenkrise besser zu überstehen als viele Institute in der Deutschschweiz. Eine Umfrage der Stiftung Genève Place Financière zeigt, dass die Kundenvermögen bei den meisten Genfer Geldmanagern weiter wachsen. Vor allem bei den grossen und den ganz kleinen Banken stieg das verwaltete Vermögen im ersten Halbjahr 2012 deutlich an. Die Banken mit 50 bis 199 Angestellten waren dagegen weniger erfolgreich: Ein Drittel von ihnen konnte die abgeflossenen Vermögen nicht mit Neuzugängen ausgleichen.

Während UBS und Credit Suisse darüber klagen, dass reiche Europäer Gelder in Milliardenhöhe aus der Schweiz abziehen, konnten viele Genfer Institute von der Eurokrise profitieren. Laut Stiftungspräsident Bernard Droux brachten zum Beispiel krisengeplagte Spanier ihr Geld in Genf in Sicherheit. Auch Neuzuflüsse von Kundengeldern aus Südamerika machten Geldabflüsse aufgrund des bröckelnden Bankgeheimnisses mehr als wett. Eine Reise in den französischsprachigen Teil der Schweiz scheint für Latinos näherzuliegen als nach Zürich oder Basel.

Abtrünnige Deutsche

«Es liegt nahe, dass deutsche Kunden ihr Geld eher in der Deutschschweiz anlegen als in der Westschweiz», sagt der ZKB-Bankenanalyst Andreas Venditti. «Und Deutsche sind für viele Banken in der Deutschschweiz die wichtigste ausländische Kundengruppe», so Venditti. Der Steuerstreit mit Deutschland und die drohende Abgeltungssteuer hätten bereits einen Teil der Deutschen dazu bewogen, ihr Vermögen zu deklarieren. «Es ist anzunehmen, dass aufgrund dieser Thematik die Abflüsse von Deutschschweizer Instituten entsprechend grösser sind als bei Banken in Genf», so Venditti. Gemäss Venditti konnten jedoch auch UBS und CS Geldabflüsse aufgrund der Steuerthematik durch Neugelder aus den Schwellenländern mehr als wettmachen. Mit 5,5 Milliarden Franken «net new money» im zweiten Quartal schnitt die CS nicht schlecht ab, die UBS mit 9,5 Milliarden Franken noch einiges besser. Der Aufwand, diese Gelder zur Zufriedenheit der Kunden zu verwalten, wird jedoch grösser, und die Margen schwinden.

Weniger Boni

Auch viele Genfer Vermögensverwalter sind darum mit ihrer Situation nicht wirklich zufrieden. «Für viele Institute ist die Situation nach wie vor schwierig», sagt der Vorsitzende von Genève Place Financière, Steve Bernard. Bei den Genfer Banken mit mehr als 200 Angestellten sind die Nettogewinne im ersten Quartal gemessen am Durchschnitt des Vorjahres eher gesunken. Bei einem Drittel um bis zu 15 Prozent, bei weiteren 14 Prozent gar um ein Viertel oder mehr. Immerhin sind als Resultat der Krise im Finanzsektor die variablen Lohnkosten – sprich die Boni – bei allen Instituten tendenziell zurückgegangen. Bei der Anzahl der Beschäftigten legten die grösseren Banken sogar zu, die Banken mittlerer Grösse haben dagegen eher Personal abgebaut. Für die Zukunft rechnen nur Institute mit mehr als 200 Angestellten mit höheren Personalausgaben, mittelgrosse Banken geben 2012 eher weniger Geld für Festlöhne aus als im Vorjahr.

Dem kommenden Jahr sehen die Genfer Banken trotz des ungebrochenen Neugeldzuflusses eher skeptisch entgegen. Besonders die unabhängigen Vermögensverwalter sehen ein «schwieriges» bis «sehr schwieriges» Jahr auf sich zukommen. Eine höhere Arbeitslosigkeit unter Bankern erwartet die Genfer Stiftung angesichts der Studie jedoch nicht. «Entlassene Mitarbeiter sind in der Regel schnell bei anderen Banken untergekommen», sagt Bernard Droux. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.10.2012, 18:06 Uhr

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8 Kommentare

Thom Luck

18.10.2012, 22:17 Uhr
Melden 9 Empfehlung 6

Sind wir ehrlich. Wer in der Finanzbranche arbeitet, der weiss: die Hebel der Revisoren und FINMA sind ungleich lang. Genfer Institute werden nicht mit demselben scharfen Auge überprüft und kontrolliert hinsichtlich Cross Border- und Risikoregeln wie die Basler und Zürcher Institute. Evtl hat man in Bern die besseren Freunde...? Antworten


André Gasser

19.10.2012, 23:00 Uhr
Melden 3 Empfehlung 2

100 Mio Drogengeld in Genf gewaschen und KEINER HAT WAS BEMERKT! Wer wird denn da veräppelt? Wenn die schweizer Banker unsere Nachbarländer weiter ungestraft für Dumm verkaufen, so fürchte ich ein ganz böses Erwachen! Antworten



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