Wirtschaft
Gigaboni, na und?
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 01.04.2010 75 Kommentare
«Die Banker sollten selbst den Neid ernst nehmen»: baz.ch/Newsnet-Autor Markus Diem Meier.
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Bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) fand man das unfair. Ende September des letzten Jahres hat baz.ch/Newsnet darüber berichtet, die Grossbank zahle im April aus einem fünfjährigen Bonusprogramm insgesamt 1,9 Milliarden Franken an ihre Führung aus, allein 43 Millionen davon erhalte CEO Brady Dougan. Die Bank reagierte damals auf den Artikel mit der Bemerkung, es sei unseriös, solche spekulativen Zahlen zu veröffentlichen. Tatsächlich, die Schätzung lag weit daneben. Wie seit gestern bekannt ist, bezahlt die Credit Suisse ihrem Topmanagement sehr viel mehr: Es erhält total Aktien im Betrag von 3,1 Milliarden Franken, wenn man den Schlusskurs von gestern zum Massstab nimmt. Brady Dougan allein erhält knapp 71 Millionen.
In verschiedenen öffentlichen und privaten Stellungnahmen betonen Vertreter der Credit Suisse immer wieder, dass man im Bereich der Vergütungspolitik so vorbildlich sei, wie keine andere Bank der Welt, dass man alle Anforderungen an eine «Good Governance» einhalte. Das ist in vielerlei Hinsicht für die neusten gigantischen Bonuszahlungen korrekt.
Alle Regeln eingehalten
Der Bonus wurde nicht sofort, sondern erst nach einer fünfjährigen Wartefrist ausbezahlt, er wird nicht in bar geleistet, sondern in Aktien, an deren Wertentwicklung er zudem gebunden war und seine Höhe hängt auch davon ab, wie gut die Credit Suisse im Vergleich zu anderen Banken weggekommen ist. Kritik am aktuellen Bonusprogramm hält man bei der Credit Suisse auch deshalb für unfair, weil das Bonusprogramm bei seiner Einführung nicht sonderlich beliebt war. Anderswo konnte man damals schneller viel abräumen.
Weniger gut mit Standards einer hohen Transparenz vereinbar ist allerdings, wie die Bank im Detail über die Bonusprogramme informiert. Aus den umfangreichen Angaben ist zwar zu erfahren, welche Kriterien für die Bonuszuteilung und die Hebelwirkungen generell eine Rolle spielen, doch nirgendwo wird klar, wie diese Kriterien sich genau auf die Zahlungen auswirken. Die Hebelwirkungen sind enorm. Für die Erreichung nicht publizierter Leistungsziele konnte das Management Bonuseinheiten (PIP-Einheiten), die ursprünglich einer Aktie entsprachen, maximal verdreifachen. Danach konnte die so erreichte Zahl noch einmal maximal verdreifacht werden, je nach Entwicklung des Aktienkurses, der auch relativ zu anderen Titeln der Branche betrachtet wurde. Insgesamt war damit eine Hebelwirkung des neunfachen der ursprünglich zugeteilten Bonuseinheiten möglich. Der Hebel beläuft sich jetzt auf 4,8 Aktien pro ursprünglich zugeteilte PIP-Einheit.
Die Intransparenz bleibt
Diese Hebelwirkung ist auch das einzige, was die Credit Suisse zu den konkreten Boni gestern Abend veröffentlicht hat. Wer sich mit dem Thema noch nie befasst hat, konnte schwerlich verstehen, was das konkret in Zahlen bedeutet. Die Gesamtsumme der Boni und jene für das Spitzenmanagement insgesamt sind zwar einfach zu berechnen. Dazu braucht man bloss die Daten aus dem Geschäftsbericht und den aktuellen Aktienkurs der Bank zu verwenden. Umso seltsamer mutet es an, dass die Bank die tatsächlich interessierenden Zahlen nicht gleich selbst publiziert hat.
Banker begründen ihre Zurückhaltung zu konkreten Daten zuweilen damit, dass man der Konkurrenz keinen Einblick gewähren wolle. Das steht allerdings zu einem anderen Argument für die Zahlungen im Widerspruch: Dass man sie leisten müsse, um an Topleute heranzukommen und um diese zu halten. Doch dann müssen jene wissen, was sie im Detail wo kassieren können. Wahrscheinlicher ist, dass die Credit Suisse – wie andere Banken auch – mit ihren komplizierten Bonusprogrammen die Fakten zu vernebeln versuchen, weil ihr durchaus bewusst ist, dass die Riesengehälter auf kein Verständnis stossen werden.
Eine komplett unterschiedliche Wahrnehmung
Das bleibt auch so, wenn die Boni verzögert ausbezahlt werden, in einigen Fällen geringer ausfallen als in Vorjahren, an Aktien gebunden sind und einen Malus enthalten. Banker haben auch nach der Finanzkrise eine grundlegend andere Vorstellung von normalen Gehältern als jeder andere. Wenn sie einmal auf mehr verzichten – oder wie die Credit Suisse 20 Millionen Franken vom Bonustopf für Spenden aufwerfen – halten sie das für bescheiden, beziehungsweise besonders grosszügig. Dennoch verbleibt ihnen mehr, als in jedem anderen Business zu verdienen ist.
«Na und?», sagen Banker und ihre Lobbyisten auf solche Einwände. Erstens würden die hohen Zahlungen zu besseren Leistungen anspornen und zweitens sei Neid ohnehin keine gute Argumentationslinie. Sie irren sich gleich in beidem. Ein steigender Aktienkurs und eine hohe Eigenkapitalrendite – wie sie neuen Bonusprogrammen der CS zugrunde liegen – verleiten zu höheren Risiken. Die Leistungen des Managements können dann das gesamte Finanzsystem gefährden, ebenso das langfristige Überleben der Bank. Misslingen gefährliche, aber finanziell attraktive Strategien, bezahlt die Allgemeinheit. Diese Probleme der Bankenboni waren schon vor der Finanzkrise Thema theoretischer Abhandlungen. Seither haben sich die Sorgen bestätigt.
Der Kern der Finanzkrise bleibt ausgeblendet
Bei der Credit Suisse argumentiert man gerne, sie selber habe sich in der Finanzkrise gut gehalten. Damit blendet sie den Kern des ganzes Debakels aus: Nämlich dass sich das gesamte Finanzsystem am Rande des Abgrunds befunden hat. Wäre eine UBS und eine Reihe weiterer internationaler Banken nicht gerettet worden, hätte sich auch die Credit Suisse dem nicht entziehen können. Das Funktionieren des gesamten Finanzsystems ist keine individuelle Leistung eines Bankmanagers, auch wenn er davon profitiert.
Wenn Zahlungen sich nur noch an messbaren Kriterien orientieren, wird ausserdem alles andere vernachlässigt. Das schadet der gesamten Kultur eines Unternehmens. Kein Wunder sind Banker – vor allem Investmentbanker – so wenig loyal zu ihren Instituten. Dass Banken ihre Leute nur noch mit sehr hohen Zahlungen binden können, ist nicht die Ursache des Bonussystems, sondern dessen Folge. Immerhin hat es diese Bonuskultur in den 70er Jahren so noch nicht gegeben. Untersuchungen zeigen, dass sie sich parallel zu Deregulierungen im Finanzsystem ab den 80er Jahren entwickelt hat.
Die Macht des Neids
Selbst den Neid aller anderen sollten die Banker ernst nehmen. Er ist schliesslich auch ein Grund für die Banker, hohe Boni zu fordern. Denn wo Geld über den Status bestimmt, gilt auch: Wer wenig verdient, kann nur ein Verlierer sein. Verschiedene Untersuchungen zeigen ausserdem, was jeder intuitiv weiss: Menschen wollen sich sogar unter Inkaufnahme von Nachteilen dagegen wehren, wenn sie etwas als schreiende Ungerechtigkeit empfinden. Dazu gehört, wenn einige in ihrem Umfeld andauernd und ohne entsprechende Zusatzleistung viel mehr verdienen als sie selbst. In demokratischen Gesellschaften kann das Bankern nicht egal sein. Die Öffentlichkeit ist ihnen ohnehin nicht mehr gewogen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.04.2010, 13:55 Uhr
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Die Speicherkapazität eines PC hat sich in den letzten gut 25 Jahren verhunderttausendfacht, die Leistungsfähigkeit ist um einen Faktor 16000 zugenommen, Hard-Disks hatten 1981 eine Kapazität von 10 MB, jetzt mit 1500000 MB. Fortschritt dank harter Arbeit, ohne Boni. Wehe wenn all diese klugen Köpfe in den Finanzsektor abwandern, wo sie mit weniger Anforderungen viel mehr Geld abzügeln können. Antworten
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