Gigantische Investition: Die SBB kaufen 59 neue Doppelstockzüge
Aktualisiert am 20.04.2009 23 Kommentare
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Der Auftrag für die 59 Zugskompositionen, die im Fernverkehr zum Einsatz kommen sollen, sind heute im Schweizerischen Handelsamtsblatt (Shab) ausgeschrieben worden. Es handelt sich gemäss SBB-Angaben um die grösste Rollmaterial-Ausschreibung ihrer Geschichte.
Die neuen Doppelstockzüge sollen ab 2013 als InterCity- (IC) und InterRegio-Kompositionen (IR) auf dem SBB-Netz zum Einsatz kommen. Sie ersetzen altes, abgeschriebenes Rollmaterial. Die Ausschreibung umfasst auch Optionsrechte für weiteres Rollmaterial. Die Eingabefrist für Offerten läuft am 15. September ab.
Bis zu 200 km/h schnell
An die Züge stellen die SBB hohe Anforderungen. So müssen Türsysteme und Treppen für hohe Passagierwechselkapazitäten ausgelegt sein. Die Züge müssen bis zu 200 km/h schnell und gleichzeitig mit einem hohen Beschleunigungs- und Bremsvermögen ausgerüstet sein. Die einzelnen Züge müssen zu bis zu 400 Meter langen Kompositionen zusammengehängt werden können.
Von den grossen SBB-Aufträgen dürfte die Schweizer Industrie stark profitieren. Mit der Stadler Rail Group von SVP-Nationalrat Peter Spuhler ist einer der führenden Bahnhersteller in der Schweiz domiziliert. Möglich sind auch Konsortien von bzw. mit Bombardier (ehemals Adtranz), Siemens oder Alstom.
Investitionslawine rollt an
Die 2,1 Milliarden bilden nur den Anfang zu einer riesigen Investitionsoffensive. Bis 2030 sollen weitere 18 Milliarden in neues Rollmaterial oder in die Sanierung des bestehenden gesteckt werden. Damit will die SBB die Zahl der Sitzplätze bis ins Jahr 2030 um rund 40 Prozent erhöhen.
Im Fernverkehr sollen künftig in erster Linie Doppelstockzüge zum Einsatz kommen; diese bieten mehr Sitzplätze als konventionelle Züge. Im Regionalverkehr will die SBB nur noch klimatisierte Züge einsetzen. All diese Investitionen in neues Rollmaterial bestreitet die SBB aus Eigenmitteln, die sie selber erwirtschaften muss.
Schon in den vergangenen zwei Jahren hatte die SBB neues Rollmaterial im Wert von 2,5 Milliarden Franken geordert. Der Grossteil davon, nämlich 1,5 Milliarden, flossen in 50 neue Doppelstock-Triebzüge und 121 Niederflur-Doppelstockwagen. 523 Millionen wurden in die Modernisierung der bestehenden Flotte der Nahverkehrspendelzüge (NPZ) mit 140 Zwischenwagen gesteckt und 419 Millionen in weitere 32 FLIRT-Nahverkehrszüge.
Ungebremste Nachfrage
Seit der Inbetriebnahme des Bahn 2000-Fahrplans im Dezember 2004 ist die Zahl der Zugspassagiere um 30 Prozent gestiegen. Prognosen sagen für die kommenden Jahre ein Nachfragewachstum von 50 Prozent voraus. In urbanen Räumen um Zürich oder entlang des Genfersee wird sogar mit einem Zuwachs von über 100 Prozent gerechnet.
Wie die SBB-Verantwortlichen in letzter Zeit schon mehrfach betont hatten, kann der Passagierzuwachs auf Grund der limitierten Netzkapazitäten nicht mehr mit zusätzlichen Zügen aufgefangen werden, sondern nur noch mit leistungsfähigerem Rollmaterial. (bru)
Erstellt: 20.04.2009, 12:08 Uhr
23 KOMMENTARE
Schön dass die SBB investiert. Leider sind aber die führenden Technologieträger der ehemals weltweit führenden Schweizer Eisenbahnhersteller (MFO, SLM, SIG, Schindler Waggon,etc) ins Ausland abverkauft worden. Soll nun all dieses schöne Geld nach Deutschland fliessen? Bei der jetzigen politischen Lage darf kein einziger Staatsauftrag nach Deutschland fliessen! Dies sollte sichergestellt werden!
Einmal mehr Triebzüge statt Lok-Bespannung. Warum auch einfach und flexibel, wenn es kompliziert auch geht? Und elektromagnetische Strahlung scheint weiterhin nicht gross zu kümmern. -- Einmal mehr "mindestens 40 Jahre Einsatzdauer". Ökologie in Ehren, aber der technische Fortschritt wird wohl kaum langsamer. Und mit der Minimal-Unterhaltsdoktrin der heutigen SBB sind 40 Jahre nicht verträglich.
Was nützten mehr Wagen wenn es dem Schienenweg keine Kapazitäten mehr vorhanden sind. Ich konnte mich mit der alten SBB identifizieren. Mit dem heutigen Gauner-Management kann ich nichs anfanngen: Zerstörte historische Bahnhöfe und Linien, abgerissen oder zubetoniert. Gewinnbringend zu Lasten Sicherheit, Pünktlichkeit und Komfort sowie Umweltschutz, damit GEO die Bahn an die Russen verhökert
Auch das leistungsfähigste Rollmaterial wird in zehn bis fünfzehn Jahren das Verkehrsaufkommen auf den Hauptachsen nicht mehr bewältigen können. Die Swissmetro ist eine zukunftsträchtige und nachhaltige Lösung für die Kapazitätsprobleme im konventionellen Schienenverkehr. Zürich - Bern in nur 12 Minuten ohne Lärmemissionen und Beeinträchtigungen des Landschaftsbilds.
Die Preise dürfen indes nicht weiter erhöht werden. Wenn dieser Auftrag an Deutschland oder Frankreich geht, werde ich die SBB boykottieren. Das wäre eine Einladung an diese Länder - insbesondere an Deutschland - die Schweiz zu weiter zu verunglimpfen.
Bezeichnenderweise ist weder im Artikel noch in der Medienmitteilung der SBB vom Sitzkomfort die Rede. Ich hoffe, dass dieser bei der nächsten Generation der Doppelstockwagen wieder verbessert wird, vor allem auch in der 1. Klasse wo bei den aktuellen Wagen ein Tiefpunkt erreicht wurde. Und bitte liebe SBB: Sorgt dafür, dass es in allen Abteilen Steckdosen gibt, auch in der 2. Klasse! Danke.
In den neuen Wagen wünsche ich mir eine zeitgemässe Ausstattung (Stromanschluss an jedem Platz usw.) sowie einen Sitzkomfort (Einzelsitze auch in der 2. Klasse und keine Bänke mehr), der die europaweit höchsten Preise pro Kilometer (Bern-Zürich, 1. Klasse: CHF 1.30, Basel-Köln: 1.Klasse ab CHF 0.30) rechtfertigt.
@ Dominik Ruf: Und wie sieht die Alternative aus? von A nach B beamen? Ich kann mir technisch nicht vorstellen, wie man in einem Zug gegebener Länge und Breite noch mehr Passagiere reinbekommt, es sei denn, man geht in die Höhe.
Die SBB sollen sich mal die Shinkansen Züge in Japan anschauen. Dort lassen sich alle Sitzreihen manuall drehen, damit kann man ein 4er Abteil bilden oder einfach hintereinander Sitzen. Würde ein wenig mehr Privatshpäre schaffen in den vollen Zügen.
Es ist einfach wichtig dass Unternehmen aus Deutschland, Frunkreich und USA nicht offerieren dürfen. Wir zahlen ja die SBB mit Steuergeldern also sollten wir auch die feinlichen Staaten aussen vor lassen und bei Freunden kaufen. Hoffentlich vergiesst dass die SBB nicht.
@Dominik Ruf: Sinnvolle Alternativen verlangen, aber selber keine nennen? Was sind den für Sie die sinnvollen Alternativen zu Doppelstockzügen? Alles Stehplätze auf einem Stock? Aus Auto umsteigen? Verlangt ist schnell etwas, so nach dem Motto: "Einfach mal was plappern, ohne zu wissen, was..."
Doppelstock-Wagen sind sicherlich nicht die allerbequemsten, aber in der gegebenen Situation völlig unvermeidlich. Könnte man denn aber nicht in einem Stock oder zumindest in einem Teil davon die Sitze hintereinander statt vis-a-vis anordnen und Klapptische an den Lehnen anbringen? Für Leute, die im Zug arbeiten wollen, wäre das eine Hilfe.
@Ruf/Meier: Ich kann mir schwer eine sinnvolle Alternative zu Doppelstöckern vorstellen. 50% mehr Platzangebot bei gleicher Zugslänge, dieses Argument ist unschlagbar. Ausserdem ist der Einstieg für ältere Menschen sehr angenehm und die Aussicht vom 2. Stock (nicht nur für jüngere) besser =)
Ich fahre gerne in den DS-Wagen, vor allem weil man aus dem oberen Stock noch über die immer zahlreicheren Lärmschutzwände hinweg die Landschaft sehen kann, sofern man nicht gerade durch eines der auch immer zahlreicheren Tunnels fährt.
Für den Bahnreisenden, eine positive Ankündigung aus dem Hause SBB. Wenn zur Planung und Ausstattung auch Anregungen und Wünsche der Reisenden miteinbezogen werden, kann dem Kunden bei der Inbetriebnahme und zur Benutzung, gutes, zweckmäßiges Rollmaterial angeboten werden. Stammt das Produkt zudem noch aus dem eigenen Land um so erfreulicher.
Richtig - das Bewältigen der aufkommenden Passagierzahlen, fraglich - wer fährt gerne im Doppelstockwagen? Schön sehen diese auch nicht aus. Sinnvolle Alternativen sind gefragt.
Hoffentlich denken die Politiker und verantwortlichen dann auch an die Schliessung der Schindler Waggon Werke in Pratteln.... und Vergeben den Autrag in der Schweiz... Wie war das noch mit Schweizer Qualität und Eisenbahn???
Die SBB würden besser aus Deutschland ICE-Züge importieren anstatt in diese unbequemen S-Bahn-Züge zu investieren.
Das ist auch dringend nötig. Die Strecke Bern - Zürich zum Beispiel könnte das Passagier aufkommen ohne die bereits bestehenden Doppelstöcker schon lange nicht mehr bewältigen!
Doppelstock? Au weia, da heisst's für uns Menschen über 1.80m Körpergrösse künftig vermehrt den Kopf einziehen! ;-) Ist aber nicht die dümmste Idee der SBB, in Rollmaterial zu investieren, jedenfalls besser als jene, ausgerechnet die Pendler, die zu Stosszeiten fahren (müssen), zu schröpfen.
ich hoffe doch fest, dass der gewinner der ausschreibung ein schweizer unternehmen sein wird und die zuege in der schweiz hergestellt werden. ein auslandschweizer :-)
Endlich trifft die SBB Massnahmen gegen die verstopften Züge. Ausserdem betreibt man im Ausbau des öffentlichen Verkehrs den besten Umweltschutz... super!!!
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