Goldman Sachs, der schlimmste Vampir?

Die erfolgreichste Investmentbank der Welt wird immer mehr zum Symbol von Gier und Uneinsichtigkeit. Nicht nur bei linken Fanatikern, sondern auch bei Neokonservativen.

Unbeliebt, ja gar verhasst:  Proteste gegen die Bonizahlungen vor dem Goldman-Sachs-Gebäude in New York.

Unbeliebt, ja gar verhasst: Proteste gegen die Bonizahlungen vor dem Goldman-Sachs-Gebäude in New York.
Bild: Reuters

Eine der bekanntesten Karikaturen dieses Herbstes stellt Goldman Sachs als riesige Vampirkrake dar, die aus dem Gesicht der Weltkugel Blut saugt. Diese Karikatur ist im linksliberalen Magazin «Rolling Stone» erschienen. Doch am anderen Ende des politischen Spektrums geht man mit der erfolgreichsten Investmentbank der Gegenwart genauso hart ins Gericht. Kommentator Matthew Continetti fordert im «Weekly Standard», dem Kampfblatt der Neokonservativen, dass sich «die Menschheit nicht ans Kreuz von Goldman Sachs schlagen» lassen dürfe. Wenn es um das Geldhaus geht, dann sind sich nicht nur links und rechts einig, auch der Mainstream reagiert immer stärker mit Zorn und Verbitterung. Die Investmentbank ist in den USA so etwas wie die Verkörperung des Bösen geworden.

Nach dem Kollaps von Lehman Brothers schien es auch für Goldman Sachs eng zu werden. Die Bank brauchte kurzfristig frisches Kapital. Investor Warren Buffett stieg mit fünf Milliarden Dollar ein, der Staat mit einem Darlehen in gleicher Höhe. Ein paar Wochen später erhielt die Bank nochmals zehn Milliarden aus dem Rettungsprogramm der Regierung zugesprochen. Sie hätte dieses Geld allerdings gar nicht mehr gebraucht, sondern es wurde ihr gewissermassen zwangsgefüttert. Inzwischen hat Goldman die Staatsdarlehen zurückbezahlt und darauf 1,1 Milliarden Dollar Zins entrichtet. Hochgerechnet auf das Jahr hat der amerikanische Steuerzahler somit eine Rendite auf dem investierten Kapital von immerhin 23 Prozent erzielt. Wo liegt also das Problem?

Mit Leistung wenig zu tun

Goldman Sachs ist inzwischen wieder profitabel, gar noch mehr als zu den besten Zeiten. In diesem Jahr wird mit einem Rekordgewinn gerechnet. Für die Boni der Investmentbanker sind bereits über 16 Milliarden Dollar reserviert worden. Dieser Betrag allein ist schon obszön. Und die Sache wird nicht besser, wenn man sieht, wie diese Gewinne erzielt werden. Mit Leistung hat dies wenig zu tun. «Dank der Null-Prozent-Leitzins-Politik der Notenbank können die Banken einen ordentlichen Gewinn mit sicheren Staatsanleihen erzielen», schreibt das «Wall Street Journal» und fügt hinzu: «Jeder Bürolehrling könnte diese Geschäfte abwickeln.» Mit anderen Worten: Ausgerechnet die Investmentbanken, die die Finanzkrise mitverursacht haben, verdienen sich jetzt beim Beheben dieser Schäden erneut eine goldene Nase.

Das gilt auch für die Banken, die nur wenig Ramschpapiere in ihren Büchern hatten und deshalb keine oder kaum staatliche Hilfe gebraucht haben. Goldman Sachs gehört dazu, wie etwa auch JP Morgan und andere Grossbanken. Diese Banken haben aber trotzdem massiv von der Staatshilfe und damit vom Geld der Steuerzahler profitiert. Hätte nämlich der Staat AIG nicht mit 85 Milliarden Dollar gerettet, dann wären auch diese Banken kollabiert. Sie hatten ihre riskanten Geschäfte beim Versicherer abgesichert und der Staat hat die Verpflichtungen von AIG voll und ganz übernommen. George Soros spricht deshalb von «versteckten Geschenken» des Staates an die Adresse der Banken.

«Versteckte Geschenke»

Auch Goldman Sachs hat massiv von diesen «versteckten Geschenken» profitiert. Das wird nicht als Zufall betrachtet, schliesslich war der damalige Finanzminister Henry Paulson einst Chef der Investmentbank. Hat Paulson also AIG oder Goldman Sachs gerettet?, fragen sich immer mehr Menschen. Kommt hinzu, dass gerade diese Bank verfilzt ist mit der Politik wie keine andere. Auch Robert Rubin, Finanzminister in der Clinton-Regierung, war zuvor Chef bei Goldman Sachs gewesen. Zwei von Rubins Schützlingen sind heute wieder in Schlüsselpositionen: Tim Geithner ist der aktuelle Finanzminister und Lawrence Summers ist der ökonomische Berater von Präsident Obama.

Gegen diesen finanziell-industriellen Komplex richtet sich die Volkswut. Sie wird durch ungeschickte Äusserungen des aktuellen Chefs von Goldman Sachs verstärkt. Lloyd Blankfein erklärte in einem Interview, er würde «Gottes Arbeit erledigen». Auch plumpe PR-Aktionen gingen daneben. Goldman Sachs will die Gemüter jetzt mit einer 500 Millionen-Dollar-Stiftung für Kleinunternehmen beruhigen.

Selbst Steuer auf Boni

Doch selbst besonnene Leute wollen diese Zustände nicht mehr tolerieren. So fordert der Chefökonom der «Financial Times» dazu auf, die unverhofften Gewinne (windfall profits) der Banken mit einer Strafsteuer zu belegen. «Die Zeit ist gekommen für eine sorgfältig dosierte Prise Populismus», schreibt Martin Wolf. «Eine einmalige Steuer für die Boni auf Windfall-Profiten würde den kommenden Schmerz für die Gesellschaft viel erträglicher machen, so der wohl einflussreichste Wirtschaftsjournalist der Gegenwart. «Es ist ein Versuch wert: Millionen würden diese Steuer lieben.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.11.2009, 09:32 Uhr

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18 Kommentare

Heinrich Harrer

26.11.2009, 10:44 Uhr
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Wäre das Geld gerecht verteilt, müsste niemand auf dieser Welt hungern oder wegen schlechter Hygiene oder unbezahlbaren Medikamenten sterben. Sonst noch Fragen? @ Bojan Antonovic: Unternehmen sind künstliche Gebilde, die aus Menschen bestehen. Wie wäre es, wenn diese Menschen auch menschlich handeln würden? Antworten


Tom Arn

26.11.2009, 09:22 Uhr
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Es ist schon erstaunlich mitzuverfolgen, wie romantisch man auf die Banken schaut und glaubt, dass sich etwas verändert hat. In dieser Branche befinden sich die klügsten Köpfe der Welt, die nichts anderes tun, als "Werte" zu vermehren. Dieser Trend hat sich in der Krise ganz extrem akzentuiert. Politik und Volk werden immer einen Schritt zu spät kommen. So ist das Hochfinanzleben! Antworten


Pascal Meister

26.11.2009, 09:18 Uhr
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Goldman Sachs ist als Gesamtfirma extrem intelligent in Sachen Geld-Verdienen und hat von der Krise die wenigsten Kratzer abbekommen. Davon könnten sich ganz viele Banken eine Scheibe abschneiden. Allerdings hat die Bank wohl nicht mitbekommen, dass es für die Sympathie besser gewesen wäre, die Profitabilität für einige Jahre zu verheimlichen oder so ähnlich. Antworten


Tommy Rasmussen

26.11.2009, 08:46 Uhr
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Die Hochfinanz hat die Internationale Wechselvereinbarung 25.April 2006 (BGBl. I S. 862, 886, Art. 157 des Gesetzes) - still und klammheimlich außer Kraft gesetzt. Es war das Wechsel-System in dem Jedermann Wechsel ausstellen konnte und damit Geld kreierte. Eine solche Geldkreierung ist wohl das letzte was sich die Hochfinanz als Konkurrenz zum heutigen beliebigen Gelddrucken wünschen würde. Antworten


Bernhard Kobel

26.11.2009, 08:29 Uhr
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„Medienberichten zufolge schüttete sich die beteiligten Private-Equity-Firmen von 2004 bis 2006 dreimal schuldenfinanzierte Dividenden von insgesamt einer Milliarde Euro aus. Dabei habe sich die Schuldenlast von Springer Science + Business Media auf 2,1 Milliarden Euro erhöht.“ Es sind solche Deals, mit denen sich die Investment-Banken eine goldene Nase verdienen und Unternehmen zugrunde richten. Antworten


Res Zaugg

26.11.2009, 08:26 Uhr
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Jahrelang haben unsere Grossbanken unseren Staat mit Milliarden den Steuertopf gefüllt. Nun haben sie uns ein paar Milliarden gekostet. Etwas schräg, jetzt mit Moralinsäure auf unser Bankensystem zu schiessen. Unsere Banken sind besser und sicherer als andere. Das ist nun mal Fakt. Allerdings, verbessern kann man immer, aber das sollten Spezialisten tun, nicht Laien. Antworten


burger harald

26.11.2009, 07:36 Uhr
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Irgendwann wird des Volkes Zorn den Stecker aus dem Computer ziehen und dann löst sich all das virtuelle Geld in nichts auf. Antworten


Walter Krauer

26.11.2009, 03:46 Uhr
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Dass die USA wirtschaftlich technologisch anderen Länder voraus oder gar überlegen ist stimmt nur im Kriegssektor. Ist aber das Land mit der grössten Auslandverschuldung und der Wurm steckt in Amerika immer noch in den Finanzplätzen. Die Namen der obersten Bosse der amerikanischen Finanzwelt die immer wieder auftauchen verraten nichts Gutes. Das soziale Netz ist grossmaschig und ungenügend. Antworten


Peter E. M. Schudel

26.11.2009, 00:24 Uhr
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Die ganzen Boni gehören schlichtweg abgeschafft und zwar auf gesetzlichem Weg. Volksinitiative und ab an die Urne und schon sind die Boni weg. Jeder soll und muss via Stundenlohn/Monatslohn bezahlt werden und basta. Und hier gleich noch eine Zusatzfrage: Wieso haben eigentlich Ärzte/Zahnärzte nicht auch einen Stundenlohn wie alle anderen Akademiker??? Antworten


Peter Meier

25.11.2009, 23:02 Uhr
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Danke für den Artikel. Ich kann nur jedem empfehlen, Goldman Sachs und FED zu googlen. Und by the way: die Federal Reserve Bank, man könnte meinen sie sei eine staatliche Notenbank, ist eine Privatbank. Ich habe mich ein wenig herumgehört: die wenigsten Banker oder Ökonomen scheinen das zu wissen. Antworten


Martin Fischer

25.11.2009, 22:24 Uhr
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Die Gewinne der Banken von heute, sind die Staatsschulden von morgen. Mehr gib'ts dazu nicht zu sagen. Antworten


eugen bissegger

25.11.2009, 21:51 Uhr
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Wohin führen denn diese aufgeblasenen Finanz - Jonglier - Verschiebereien? Gewinne, welche auf keinerlei begründbaren Mehrwerte / Leistungen über real hergestellte und nachgefragten Produkte im Sinne von: Angebot und Nachfrage beruhen, dazu zu benutzen, um weitere, insgesamt Milliardenboni auszuschütten, ist ja wirklich kaum meh nachvollziehbar. Spielcasino total! Wer stoppt diese Verrückten? Antworten


Peter Meyer

25.11.2009, 21:22 Uhr
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Es ist endlich Zeit, dass Boni über 0,5 Mio. weltweit mit 50% besteuert werden. PS: Bin FDP-Wähler... Antworten


Gerhard Oldmann

25.11.2009, 21:18 Uhr
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Bravo Herr Löpfe, einer der besten Artikel den ich von Ihnen gelesen habe! Betreffend Filz noch auszuleuchten wäre JPM (-> FED). GS und JPM domienieren die Derivatewelt. Und Diese ist das grosse Übel, die blutsaugende Krake! Spekulation auf Kredit müsste verboten, die bestehenden Kontrakte als ungültig erklärt werden. Bei Obama mit seinen Finanz-Illuminaten-Ministern und -Beratern wohl Illusion. Antworten


Boris Scavezzon

25.11.2009, 20:54 Uhr
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Dieser Bericht ist schon fast Gotteslästerung. Wie kann man GOTTman Sachs in Frage stellen? Wo das Problem liegt? Ganz einfach, dass "nicht systemrelevante" kein Nullzinsgeld vom Staat kassieren um es dann mit Zins wieder zu investieren - halt nicht in die Realwirtschaft, dies ist zu unsicher! Jeder KV-Stift? Nein, jeder Analphabet würde damit Gewinn erzielen! Antworten


Bojan Antonovic

25.11.2009, 20:04 Uhr
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Ist es die Schuld von Goldman Sachs, dass es Geld verdienen will? Nein. Es gibt gar die Aufgabe jedes Unternehmens. Man muss dies als Naturgesetzt sehen, und damit umgehen lernen. Offenbar ist man lernunwillig, denn sonst hätte man billige Zinsen nicht angeboten, und vielleicht diese Leute in der Regierung nicht angestellt. Oder falls doch, dann kontrolliert. Gelegenheit macht Diebe, auch hier. Antworten


jakob peier

25.11.2009, 20:01 Uhr
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eine hand wäscht die andere, auch wenn sie noch so stinkt . . . , man merke sich die namen dieser schächter des volksvermögens und zeichne die pyramiede in gedanken nach . . . Antworten


Yves Latour

25.11.2009, 19:57 Uhr
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Eine solche Steuer wäre unbedeutend, das Bankenrettungsgeschäft ist grundsätzlich falsch: Bank ist überschuldet -> Staat springt ein, indem Staatsanleihen ausgegeben werden, womit Schulden übernommen werden -> Bank finanziert diese Schulden und erhält zB 2.5% Zins -> Bank refinanziert sich bei FED für 0.25% -> Zinsdifferenz ist Gewinn der Bank ==> Fazit: je mehr Bankschulden, desto mehr Gewinne! Antworten



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