Wirtschaft

Herzog & de Meuron planen Zukunft

Von Christian Mensch. Aktualisiert am 18.03.2009

Jacques Herzog und Pierre de Meuron wagen sich an eine heikle Architektur: Mit einer neuen Firmenstruktur wollen sie den Weiterbestand ihres Büros nach ihrem Ausscheiden vorbereiten.

Preisgekrönt. Pierre de Meuron und Jacques Herzog mit dem Swiss Award in der Sparte Kultur 2009.

Preisgekrönt. Pierre de Meuron und Jacques Herzog mit dem Swiss Award in der Sparte Kultur 2009. (Bild: Keystone)

Drei Jahre stille Vorbereitung hat das Projekt hinter sich. Experten aller Art waren involviert, um für die Basler Architekten Jacques Herzog (58) und Pierre de Meuron (58) eine geeignete Firmenkonstruktion zu finden. Verschiedene Bedingungen sollte sie erfüllen: Einem Generationenhaus ähnlich sollte sie eine allmähliche Übergabe des Architekturbüros an jüngere Partner ermöglichen und dies möglichst steuerschonend. Flexibel soll sie zudem sein, um sich den wandelnden Bedürfnissen der Erbauer und der Mitbewohnern anzupassen.

Ein rascher Ausstieg der Gründer ist nicht geplant. Pierre de Meuron sagt: «Jetzt können wir in Ruhe die Zukunft planen. In zehn, fünfzehn Jahren müsste alles unter Druck geschehen.» Die Aufgabe ist dennoch nicht einfach, wie de Meuron einräumt: Inhabergeführte Architekturbüros verschwinden in der Regel nach dem Ausscheiden ihrer Gründer. Doch Herzog & de Meuron wollen auch in einer zweiten und dritten Generation bestehen.

Langfristiges Bestehen angestrebt

Erstes sichtbares Zeichen: Anfang Jahr hat das Duo vier neue Firmen gegründet. Die Herzog & de Meuron Basel Ltd. tritt neben der bestehenden Herzog & de Meuron Architekten AG als neue operative Gesellschaft auf. Darüber steht die Herzog & de Meuron Rheinschanze AG, die als Zwischenholding fungiert, an der sich neu Partner beteiligen können.

Ein Aktionärsbindungsvertrag sieht vor, dass nur im Büro aktive Architekten eingeladen werden, sich zu verpflichten. Die Gründer, die langfristig die Mehrheit behalten wollen, haben darüber zwei weitere, verschachtelte Holdinggesellschaften gespannt; die Herzog & de Meuron JP AG sowie die Herzog & de Meuron Holding AG. Über die erste, so erklärt de Meuron, werde ausschliesschlich die Bürobeteiligung gehalten, in der Holding darüber könnten weitere Aktivitäten angesiedelt werden. Konkrete Pläne bestünden allerdings noch keine, sagt de Meuron.

Die neue Struktur entsteht nicht nur im Hinblick auf einen Generationenwechsel, sondern auch mit dem Anfang einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise, die bei grossen Architekturbüros bereits zu Massenentlassungen geführt haben. «Ich habe grossen Respekt vor der Zukunft», sagt de Meuron, doch derzeit sei das Büro nicht gezwungen, Personal zu reduzieren.

Krisenresistentes Büro

Zwei Gründe führt de Meuron an, weshalb das Büro nicht betroffen sei. Zum einen sei man moderat gewachsen; der Personalbestand stieg in den vergangenen acht Jahren immerhin von 90 auf rund 330 Mitarbeiter. Das Durchschnittsalter der Belegschaft aus 35 Nationen beträgt dabei 33 Jahre. Zum anderen betreue Herzog & de Meuron relativ wenige Projekte von Finanzinvestoren. Gerade solche seien krisenanfällig.

Privatinvestoren oder die öffentliche Hand, die bei Herzog & de Meuron zu den Grossauftraggebern gehören, würden unabhängiger von der Wirtschaftslage investieren. Als neuere Beispiele für solche Aufträge nennt de Meuron die Erweiterung der Tate Modern in London sowie einen Kulturkomplex im brasilianischen São Paulo.

Herzog & de Meuron, die keine Geschäftszahlen publizieren, bauen zwar zu zwei Dritteln im Ausland, doch die Region Basel bleibt ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Der Roche-Turm, der als höchstes Gebäude der Schweiz konzipiert war, wird zwar nicht gebaut, doch man sei für Roche intensiv an der Planung eines alternativen Projektes. Am Dienstag wurde überdies bekannt, dass sich der Bau des von Herzog & de Meuron konzipierten Messekomplexes voraussichtlich um ein Jahr verzögert. De Meuron ist optimistisch, dass das überarbeitete Projekt realisiert werden könne. (Basler Zeitung)

Erstellt: 18.03.2009, 09:48 Uhr

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