Wirtschaft

Heute tritt Fritz «the Blitz» vor die aufgebrachten Opel-Mitarbeiter

Aktualisiert am 09.11.2009 10 Kommentare

General-Motors-Chef Fritz Henderson ist in der Opel-Zentrale im deutschen Rüsselsheim eingetroffen. Er hat die Marke bereits einmal saniert. Mit gravierenden Einschnitten und in horrendem Tempo. Was hat er dieses Mal vor?

«Mach einfach deinen Job»: Fritz Henderson.

«Mach einfach deinen Job»: Fritz Henderson.
Bild: Keystone

Knapp eine Woche nach dem Scheitern des Magna-Deals hat General-Motors-Chef Fritz Henderson in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale Gespräche über die Zukunft des Autobauers geführt. Henderson beriet am Montag zunächst mit dem Management, wie ein Opel-Sprecher mitteilte. Auch ein Treffen mit dem Betriebsrat war geplant. Zu den Inhalten wurde zunächst nichts bekannt. Mit der Vorlage des GM-Zukunftskonzepts wird für die nächsten Tage gerechnet.

Henderson wolle sich in Rüsselsheim ein aktuelles Bild verschaffen, sagte der Sprecher. Begleitet wurde der GM-Boss von Nick Reilly, dem Leiter der internationalen General-Motors-Aktivitäten. Nach dem Beschluss des US-Konzerns, Opel doch nicht an Magna zu verkaufen, warten Beschäftigte und Politik auf den GM-Sanierungsplan, dem europaweit 10'000 Stellen zum Opfer fallen dürften. Henderson soll auch am Dienstag noch in Rüsselsheim sein. Wann er mit dem Betriebsrat spricht, wollte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Morgen zunächst nicht sagen.

Der 50-jährige Henderson ist einer aus jener Heerschar von GM-Managern, die ihre ganze Karriere im Autokonzern gemacht haben und an eine schwerfällige, mehrstufige Bürokratie gewöhnt sind. Die Managementstrukturen des Konzerns gehen zurück auf den legendären Alfred P. Sloan. Der hatte das Unternehmen in den 20er-Jahren aus einer tiefen Krise herausgeführt und unter anderem auch Opel zugekauft. Hendersons Motto ist das Motto von Sloan: «Just do your job» - «mach einfach deinen Job».

«Fix it, Fritz»

Henderson, der laut Süddeutsche.de in der GM-Zentrale in Detroit von allen «Fix it, Fritz» genannt wird, gelte als knallharter Sanierer. Von Juni 2004 bis Dezember 2005 habe er bereits GM in Europa brutal umgekrempelt und 12'000 Stellen gestrichen, vor allem bei Opel. Es sei alles sehr schnell gegangen damals und so habe Henderson schon bald den Übernamen Fritz «the Blitz» erhalten. Er habe die bis dahin nur lose nebeneinander zusammen arbeitenden Marken Opel, Vauxhall und Saab zu einem Verbund geformt.

Medienberichten zufolge suchen Henderson und seine GM extern nach einem Nachfolger für den scheidenden GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster. Laut «Frankfurter Rundschau» hat der Magna-Manager Herbert Demel gute Chancen auf den Schlüsselposten bei der Sanierung des Autobauers. Forsters Nachfolger solle möglichst aus dem deutschsprachigen Raum kommen, berichteten «FR» und «Handelsblatt» übereinstimmend. Demel hätte Berichten zufolge auch im Fall einer Übernahme durch Magna Opel-Chef werden sollen. GM würde damit einer Forderung von Betriebsratschef Franz nachkommen, der sich für einen externen Nachfolger Forster stark macht. Der Opel-Sprecher wollte sich am Montag nicht zu Personalspekulationen äussern.

Opel kann Kredit zurückzahlen

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hält es für ungewiss, ob GM rasch ein tragfähiges Konzept für Opel vorlegen kann. «Ich bin auch sehr skeptisch, ob das Unternehmen, das so fehlgehandelt hat, jetzt über Nacht neue Ideen hat», sagte der FDP-Politiker am Sonntagabend im ZDF. Zu einem möglichen Antrag auf neue Staatshilfen erklärte er: «Der muss pflichtgemäss geprüft werden, Ausgang völlig offen. Es gibt keinen Anspruch auf Zusage.»

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach sich gegen eine staatliche Unterstützung für General Motors aus. Staatliche Kredite seien nun «um ein vielfaches riskanter als bei Opel-Magna», betonte er mit Blick auf den geplatzten Deal mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer. «Richtig wäre, die ausstehenden 900 Millionen Euro des Brückenkredits so schnell wie möglich samt Zinsen zurückzuholen und die Opel-Treuhand unmittelbar aufzulösen», empfahl Dudenhöffer.

«Keine grundlegenden Unterschiede»

Die «Financial Times Deutschland» berichtete, dank gestiegener Umsätze durch die Abwrackprämie habe Opel seine Bargeldreserven deutlich aufstocken können. Aktuell verfüge der Autobauer über einen Cash-Bestand von 1,75 Milliarden Euro, meldete das Blatt unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Damit sei das Unternehmen in der Lage, den Brückenkredit zunächst ohne fremde Hilfe zurückzuzahlen. Laut «FTD» handelt es sich um noch 800 Millionen Euro.

Der designierte Opel-Aufsichtsratschef Bob Lutz hatte bereits am Wochenende versichert: «Wenn gefordert, wird GM die Überbrückungskredite zurückzahlen.» Den Schweizer Zeitungen «Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» sagte er: «Obwohl GM sich voll auf die Verhandlungen mit Magna konzentriert hat, wussten wir schon seit geraumer Zeit, was es bedeuten würde, Opel zu behalten und selbst zu restrukturieren.»

Der zum Ende des vergangenen Jahres entwickelte Sanierungsplan sei weiter die Basis für ein profitables Geschäftsmodell, sagte Lutz. «Der Plan sieht eine 30-prozentige Reduzierung der strukturellen Kosten vor. Im Übrigen haben alle potenziellen Investoren diesen Plan als Basis für ihre Angebote genommen. Wir werden nun die aktuelle Situation genauestens analysieren und entsprechende Massnahmen vorschlagen. Wir erwarten keine grundlegenden Unterschiede zu den bislang diskutierten Modellen.» (sam)

Erstellt: 09.11.2009, 14:01 Uhr

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10 Kommentare

Viktor Knab

09.11.2009, 12:27 Uhr
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«Just do your job» Jeder der mal in eine Form mit GM-EU zu tun hat, oder hatte weiss, das GM mit dem Management und internen Fachpersonal absolut am Markt vorbei arbeitet. Da fragt man sich wie das «Just do your job» verstanden wird? Ausbildung heisst noch lange nicht Erfahrung und Know how, wie hoffentlich einige Firmen in der CH bald einsehen werden. «Just do your job» keine eigene Meinung haben Antworten


bruno v. nünlist

09.11.2009, 12:48 Uhr
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Die Politik muss sich selbst an der Nase nehmen: sie hat mit der staatlichen Abwrackprämie GM geholfen, seine leeren Kriegs-Kassen wieder zu füllen! Ich selbst hatte mit meinen Freunden schon im Frühjahr 2009 gewettet, dass GM am Ende Opel gar nicht verkaufen wird! - Wieso sind jetzt alle so bestürzt? - In diesem Fall hat die amerikanische Kavallerie wohl die deutschen Indianer nervös gemacht. Antworten



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