Wirtschaft

«Ich bleibe dabei, es sind etwa 127'000 Konten»

Der Generalstaatsanwalt von Nizza, Eric de Montgolfier, über seine Zahlen, die von denen der HSBC stark abweichen.

Der Staatsanwalt von Nizza: Eric de Montgolfier ermittelt im Fall der
entwendeten HSBC-Daten.

Der Staatsanwalt von Nizza: Eric de Montgolfier ermittelt im Fall der entwendeten HSBC-Daten. (Bild: Reuters)

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Die HSBC (HSBA 69.2 -0.14%) spricht nun von 15'000 Konten, die vom Datendiebstahl betroffen sind. Was halten Sie von dieser Zahl?
Ich stelle fest, dass HSBC, nachdem sie im letzten Herbst noch von nur 7 betroffenen Konten gesprochen hatte, nun plötzlich von 15'000 Konten spricht. Voilà – das sind Zahlen, die den unsrigen schon einiges näher kommen.

Wie hoch ist Ihre Zahl?
Man müsste natürlich zuerst definieren, worüber wir genau reden. In der Masse von Daten, die in unserem Besitz sind, gibt es auch welche, die nicht mehr aktuell sind. Konten zum Beispiel, die geschlossen wurden in der Zwischenzeit. Ich glaube nicht, dass wir immer von derselben Sache reden.

HSBC spricht von Konten.
Ja, ich bin auch dafür, dass wir von Konten sprechen.

Und über wie viele Konten besitzen Sie Informationen aus dem Datendiebstahl von Hervé Falciani?
Das sind mehr als 15'000 jedenfalls.

Und genauer?
Ich bleibe dabei, es sind etwa 127'000.

Sie haben diese Daten seit etwas mehr als einem Jahr. Wie laufen Ihre Ermittlungen?
Mit der Untersuchung über Steuerflucht habe ich nichts zu tun. Ich bin einzig zuständig für die Ermittlung wegen möglicher Geldwäscherei. Und ich äussere mich in diesem Zusammenhang sehr vorsichtig. HSBC sagt, es gebe keinen einzigen Fall von Geldwäscherei. Ich für meinen Teil habe nie behauptet, dass Geld gewaschen wurde (über Konten der HSBC, Red.). Ich habe nur gesagt, dass wir im Datenmaterial Anhaltspunkte gefunden haben, die uns vermuten lassen, dass Geld gewaschen wurde.

Woher stammen die Kontoinhaber?
Wir haben Material über Kontoinhaber aus 180 Ländern. Wir haben diese Länder klassiert nach der Anzahl der von dort stammenden Kontoinhaber und der Anzahl Verdachtsmomente. Begonnen haben wir mit den Daten über das Département Alpes-Maritimes, das unter unsere direkte Kompetenz fällt. Dann haben wir das Gebiet auf ganz Frankreich ausgeweitet. Und dann aufs Ausland. Nun sind wir dabei, Fakten aus dem Datenmaterial den jeweiligen Personen zuzuteilen, um so den Verdacht auf Geldwäscherei zu prüfen. Wir haben ein Klassement erstellt mit den Kategorien «sehr suspekt», «mittelmässig suspekt» und «weniger suspekt».

Einen Teil ihrer Daten haben Sie dem französischen Budgetminister Eric Woerth weitergeleitet, der sie für seinen Kampf gegen die Steuerhinterziehung gebraucht hat. Wie schätzen Sie den Erfolg der Kampagne ein?
Dazu habe ich keine Meinung. Ich habe diese Daten, wie es mir das nationale Recht vorschreibt, weitergeleitet an die Steuerbehörden. Und damit war die Sache für mich erledigt.

Hat die Schweiz beantragt, dass Frankreich Falciani ausliefere?
Wenn dem so wäre, habe ich nichts davon gehört. Einen solchen Antrag würde man auch nicht beim Staatsanwalt von Nizza stellen. Ich kann nur so viel sagen: Monsieur Falciani ist französischer Staatsbürger, und Frankreich liefert prinzipiell keine eigenen Bürger aus.

Wie schätzen Sie heute die Beziehungen zwischen der Schweiz und Frankreich ein?
Ich glaube, es ist wieder etwas Frieden zurückgekehrt. Die Ermittlungsarbeit wird durch dieses Klima nur begünstigt. Es sollte auch allen klar sein, dass jedes Land, auch Frankreich, immer seine eigenen Interessen zu verteidigen sucht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2010, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Peter Gutknecht

12.03.2010, 10:38 Uhr
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"Es sollte auch allen klar sein, dass jedes Land, auch Frankreich, immer seine eigenen Interessen zu verteidigen sucht.", meint Eric de Montgolfier. Ob das unserem Bundesrat auch klar ist ? Der Bundesrat versucht doch nur, sich im Ausland beliebt zu machen. Antworten



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