Im Kapselkrieg sind erst ein paar Schlachten geschlagen

In der Schweiz haben Denner und Nespresso ihren Streit beigelegt. Doch bei einem anderen Kapselsystem droht für Nestlé wieder alles von vorn zu beginnen.

Im Geschäft mit Kaffeekapseln herrscht ein aggressiver Preiskrieg. Foto: Alamy

Im Geschäft mit Kaffeekapseln herrscht ein aggressiver Preiskrieg. Foto: Alamy

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Discounter Denner ist unter Druck. Aldi und Lidl bieten seit Tagen Kaffeekapseln für den Einsatz in Nespresso-Maschinen an, die deutlich günstiger sind als jene der Migros-Tochter. Der Preisunterschied ist markant: Aktuell sind die Denner-Kapseln mit einem Preis von 28,8 Rappen pro Stück 44 Prozent teurer als die der Konkurrenten.

Aus dem Umfeld von Denner heisst es, nächste Woche werde nachgezogen. Offen ist dem Vernehmen nach, ob mit einer befristeten Aktion, einem dauerhaften Abschlag oder einer Mischung aus beiden Massnahmen. Klar ist bis jetzt, dass die Aufmerksamkeit im aktuellen Preiskampf um die günstigsten Kapseln die beiden Discounter mit deutschen Wurzeln für sich verbuchen. Auf dem Markt für portionierten Kaffee ist gerade einiges in Bewegung geraten.

Bei den Preisen hat die Offensive Lidl eingeleitet. Mit ganzseitigen Inseraten warb das Unternehmen für seine neuen Kapseln, zu 22 Rappen das Stück. Der Werbespruch: «Zugegeben, wir sind nicht die Ersten, dafür aber die Günstigsten.» Davon fühlte sich Aldi als bisheriger Preisführer angestachelt und unterbot den Preis mit knapp 20 Rappen pro Kapsel. Dies konnte wiederum Lidl nicht auf sich sitzen lassen, zog ebenfalls auf dieses Niveau nach und schaltete abermals Inserate. Diesmal mit einer Spitze Richtung Konkurrenz: Es sei «nicht nett, monatelang vom Kunden 7 Rappen pro Kapsel zu viel zu verlangen».

Doch selbst auf diesem tieferen Preisniveau scheint es noch Luft zu haben. Im Einkauf bezahle ein Detailhändler rund 12 Rappen pro Kapsel, sagt ein Brancheninsider. Bei einem Verkaufspreis von 20 Rappen im Laden bedeutet das eine Marge von 40 Prozent.

Noch offene Verfahren

Mit Denner ist nun ausgerechnet der Schweizer Pionier bei den Kapselkopien in der Defensive. Es war die Migros-Tochter, die Ende 2010 als Erste mit ­alternativen Kapseln für Nespresso-Maschinen in der Schweiz auf den Markt kam und damit einen juristischen Schlagabtausch mit Nestlé provozierte.

Nestlé und Nespresso zogen Denner sowohl in Zürich wie auch in St. Gallen vor Gericht. Wegen Verletzung von Markenrechten und Patenten. Beide Verfahren sind nun abgeschlossen: «In Bezug auf die Gerichtsverfahren in der Schweiz können wir bestätigen, dass wir mit Denner zu einem Vergleich gelangt sind, um anhängige Verfahren abzuschliessen», heisst es bei Nespresso auf Anfrage.

Offen ist der Ausgang eines weiteren Verfahrens, das Nespresso in der Schweiz gegen die international tätige Ethical Coffee Company führt, wie Firmengründer Jean-Paul Gaillard bestätigt.

Einen Erfolg konnte Gaillard in Frankreich verbuchen. Er gelangte an die Wettbewerbsbehörde mit dem Vorwurf, Nespresso missbrauche die eigene Marktmacht. Indem das Design und der Aufbau der Maschinen und Kapseln immer wieder leicht änderten, würden Drittanbieter ausgebremst. Mitte April zeigte sich Nespresso in einer sogenannten Verpflichtungserklärung zu Zugeständnissen bereit. Im volumenmässig grössten Absatzmarkt will Nespresso die Konkurrenz künftig drei Monate im Voraus über geplante Änderungen an Maschinen und Kapseln informieren. «Nestlé hat wahrscheinlich die Seriosität und den Willen der französischen Wettbewerbsbehörde unterschätzt, ein faires Wettbewerbsumfeld zu gewähren», sagt Gaillard zu seinem Triumph.

Noch können sich betroffene Firmen zu dieser Verpflichtungserklärung von Nespresso äussern und Ergänzungen oder Verschärfungen anregen. Diese Gelegenheit nützt Erwin Meier, Gründer von Mycoffeestar.com. Seine Firma bietet wieder befüllbare Kapseln für Nes­presso-Maschinen an. Mit seiner Eingabe in Frankreich fordert er unter anderem einen «Konformitätstest». Nes­presso müsse zu einer Bestätigung verpflichtet werden, dass die jeweilige Konkurrenzkapsel mit den Maschinen verwendet werden könne. Selbst wenn Meier nicht durchkommt, verspricht er sich von der Eingabe einen technischen Nutzen: «So ist sichergestellt, dass ich über Weiterentwicklungen bei den Nes­presso-Maschinen informiert bleibe.»

Attacke auf Dolce Gusto

Für Nestlé tut sich bereits eine nächste Front auf. Dabei steht aber ein anderes Kapselsystem, das unter dem Namen Nescafé Dolce Gusto bekannt ist, im Zentrum. Der Angriff soll in Spanien erfolgen. Laut Brancheninsidern plant mit Union Tostadora, eine der grössten Kaffeeröstereien im Land, Kapselkopien für dieses System herzustellen. Union Tostadora beliefert mit Mercadona einen Detailhändler, der ähnlich wie Migros sehr viele Eigenmarken im Angebot hat. Dass es der spanischen Kaffeerösterei, die ihrerseits zur japanischen UCC Ueshima Coffee gehört, ernst ist, beweisen Patente mit Skizzen der Kapseln, die bei den Behörden eingereicht wurden.

Für Nestlé bedeutet dies: Der Krieg um die Kapseln ist noch lange nicht geschlagen. Die Schlachten um Nespresso waren nur der Anfang.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2014, 08:34 Uhr

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