Wirtschaft
In den USA ist der Kampf um Kuba-Zigarren entbrannt
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 01.07.2009
Kein Vorrecht der Männer – der Genuss kubanischer Zigarren wird durchaus auch von Frauen geschätzt. (Bild: Keystone)
Schweizer Preise kaum tangiert
Zigarren-Liebhaber können aufatmen: Die Preise für kubanische «Edelstumpen» (ab 10 Franken) dürften nach dem Fall der US-Handelsschranken kaum steigen. Schweizer Importeure rechnen mit einem Aufschlag von maximal fünf Prozent.
«Fällt das Embargo, erhöhen die Produzenten in Kuba einfach die Produktion», so Urs Tanner, Geschäftsführer von Intertabak. Mit einem Nachfrageboom rechnet der Importeur ohnehin nicht, denn «die Amerikaner bevorzugen leichte Zigarren». Sollte das Angebot trotzdem knapp werden, rechnet Tanner damit, dass der europäische Markt bevorzugt behandelt wird. Schliesslich hätten die hiesigen Kunden den Kubanern lange die Stange gehalten. (ahi)
Das 1962 verfügte Handelsembargo der USA gegen Kuba wird nach dem Willen der Regierung Obama schrittweise gelockert. Der Import von Zigarren dürfte in den kommenden 12 bis 18 Monaten wieder erlaubt werden. Und diese Aussicht hat auch bereits ein heftiges Gerangel im US-Kongress um einflussreiche Stimmen ausgelöst. Auf der einen Seite steht die kubanische Regierung, die bereits Tabaklager angelegt und zusätzliche Anbauflächen reserviert hat, um dem erwarteten Nachfrageschub in den USA gerecht zu werden. Auf der anderen Seite haben sich zwei europäische Tabakkonzerne positioniert, die vom Embargo profitiert und dessen Vorteile retten möchten. Schliesslich mischen auch amerikanische Gerichte mit: Sie müssen entscheiden, wem die Markenrechte nach Ablauf des Exportverbots gehören.
Kuba sorgt vor
Kuba stellt derzeit zwischen 130 und 150 Millionen Zigarren im Jahr her, wovon der grösste Teil nach Europa geht. Wenn der Handel freigegeben wird, so werden allerdings die Amerikaner nach Ansicht von Branchenkennern massenhaft auf kubanische Ware umstellen und die Preise und die Produktion nach oben treiben. Manuel Garcia, Handelsdirektor der staatlichen Habanos SA in Havana, sieht in den USA ein «immenses Potenzial». Seine Regierung habe bereits Lager von erstklassigem Tabak angelegt und ausserdem grosse Anbauflächen ausgeschieden, um die erwartete Nachfrage zu bedienen. Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Amerikaner umstellen, so könne Kuba zwischen 15 und 20 Millionen Zigarren mehr produzieren. «Die Zigarre ist die Botschafterin Kubas in der Welt», zitierte Garcia eine Aussage von Fidel Castro.
Die Marktöffnung hat in Washington bereits Lobbyisten, Gerichte und Parlamentarier auf den Plan gerufen. Es stehen sich gegenüber: die britische Imperial Tobacco Group und die schwedische Match AB, und beide versuchen die Behörden davon zu überzeugen, dass sie die Markenrechte behalten oder neu zugeteilt bekommen sollten. Wenn nicht alles täuscht, so sind die Briten derzeit im Vorteil. Sie kontrollieren 50 Prozent des Kapitals des Staatsmonopols Habanos SA, die andere Hälfte besitzt die kubanische Regierung. Die Markenrechte in den USA allerdings gehören der schwedischen Match AB, die sie kubanischen Besitzerfamilien abgenommen hat, die ihre Heimat verlassen haben. Die Konfusion des zweigeteilten Marktes (siehe Box) wird noch erhöht, dadurch, dass beide Konzerne den US-Markt für Luxuszigarren mit einem Umsatz von nahezu 900 Millionen Dollar dominieren.
Auch Kennedy sorgte vor
Der Kampf um die Rechte an den kubanischen Marken wogt schon zwölf Jahre hin und her. Gestritten wird stellvertretend um die Cohibas, die seit 1997 in den USA verkauft werden, aber nicht aus kubanischem Tabak sind. In mehreren Umgängen gaben US-Gerichte einerseits der kubanischen Regierung recht, wonach sie Anspruch auf einen Teil der Gewinne habe, nur um diese Entscheide wieder umzukehren und den europäischen Konzernen die Rechtmässigkeit ihrer Ware zu bestätigen. Auf dem Spiel steht nach Angaben der Match AB faktisch ein Monopol. Bis zu 80 Prozent der amerikanischen Raucher würden die kubanische Ware vorziehen, wenn sie legal erhältlich ist. Sollten die Gerichte und der Kongress den Begehren der Imperial-Gruppe nachgeben, hätte sie zusammen mit der kubanischen Regierung die Raucher in den USA im Würgegriff. Dies würde die Preise, die bereits heute pro Jahr um drei bis sieben Prozent steigen, noch steiler nach oben treiben. Präsident John F. Kennedy hatte seinerzeit vorgesorgt. Kurz bevor er das Embargo im Februar 1962 in Kraft setzte, liess er einen Mitarbeiter 1000 Stück seiner «Petit Upmans» beiseite schaffen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.07.2009, 23:08 Uhr
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