Wirtschaft

«Inakzeptable Risiken»: Neuer Chef lässt ganze UBS durchleuchten

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 26.09.2011 104 Kommentare

Alarmierende erste Erkenntnisse der internen Untersuchung des Milliarden-Betrugs. Die Grossbank sparte offenbar ausgerechnet beim Sicherheitsmanagement. Trotz Warnungen.

«Überprüfung betrifft alle Bereiche»: Sergio Ermotti, Interims-CEO der UBS.

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12 Tage ist es her, dass bekannt wurde, dass Kweku Adoboli der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) einen Verlust von 2 Milliarden Franken bescherte. Nun werden erste Details der internen Untersuchung bekannt. Gemäss einem Insider wurde mittlerweile klar, dass die Vorgesetzten von Adoboli ihren Kontrollpflichten in schwerer Weise nicht nachgekommen sind. So müsste täglich bei jedem Händler geprüft werden, ob Risiken bestehen. Das fand bei Adoboli nicht in angemessener Weise statt.

Weiter wurde klar, dass die Informatik der UBS veraltet ist und die Kontrollmechanismen auch deshalb versagt haben. Gemäss Insidern wurden die nötigen Investitionen in die Infrastruktur aus Spargründen verschoben. Das ist für die Bank besonders peinlich, weil die Finanzmarktaufsicht (Finma) bereits vor zwei Jahren in einem Bericht schrieb, «dass Schwachstellen in der Infrastruktur der UBS bestehen, welche die Transparenz vor allem in komplexen, strukturierten und derivativen Produkten stark beeinträchtigen könnten».

Infrastrukturen hinterfragen

Zudem haben erste Erkenntnisse aus der Untersuchung gezeigt, dass Adoboli nicht nur zu grosse Risiken eingegangen ist, um höhere Gewinne zu erzielen und damit einen höheren Bonus einzufahren, sondern dass er auch Geld gestohlen hat. Bei den Befragungen durch das interne Inspektorat haben mehrere Arbeitskollegen ausgesagt, man habe sich seit längerem über die hohen Gewinne Adobolis gewundert. In diesem Zusammenhang ist das interne Beurteilungssystem PMM in den Fokus geraten. PMM zwingt die Bereichsleiter dazu, ihre Mitarbeiter zu benoten, wobei auch ungenügende Noten verteilt werden müssen. Dies führte zu einem in diesem Umfang fragwürdigen Konkurrenzdenken, das mitverantwortlich gemacht wird für das Debakel in London. Für Carsten Kengeter, Chef der Investmentbank mit Arbeitsort London, ist die Tatsache belastend, dass er nur Tage vor dem Platzen des Skandals persönlich bei der Abteilung vorbeiging und deren hohe Gewinne lobte.

Angesprochen auf den Betrugsfall, wollte Interims-CEO Sergio Ermotti letzten Samstag keine Details bekannt geben. Er sagte aber: «Vor zwei Tagen haben wir entdeckt, dass wir völlig inakzeptabel operationelle Risiken haben. Darum habe ich eine gruppenweite Überprüfung der operationellen Risiken angeordnet. Diese Überprüfung betrifft nicht nur die Investmentbank, sondern alle Bereiche.» Die Bank müsse Sofortmassnahmen ergreifen und sich auch mit der Infrastruktur beschäftigen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2011, 06:27 Uhr

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104 Kommentare

Gaby Müller

26.09.2011, 08:21 Uhr
Melden 83 Empfehlung

"Gemäss Insidern wurden die nötigen Investitionen in die Infrastruktur aus Spargründen verschoben." Interessant. Für Boni und hirnrissige Löhne hat das Geld aber immer gereicht. Antworten


Ruthild Auf der Maur

26.09.2011, 06:55 Uhr
Melden 62 Empfehlung

Man muss sich fragen, wofür teuer eingekaufte Führungskräfte wie C. Kengeter eingestellt werden, wenn diese ihre Führungsrolle nicht wahrnehmen. Desweiteren ist erstaunlich, wie wenig Kengeter in die Schlagzeilen geriet. Ein gelegtes Kuckus-Ei der G+S? Antworten



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