Wirtschaft

Irland zeigt Italien und Spanien, wie's geht

Von Anita Merkt. Aktualisiert am 28.07.2012 46 Kommentare

Die irische Regierung konnte am Donnerstag erstmals seit 2010 wieder Anleihen für 5,2 Milliarden auf dem Kapitalmarkt verkaufen. Auch die ausländischen Investoren sind auf die grüne Insel zurückgekehrt.

Irland ist wieder zu einem attraktiven Land für Investoren geworden. Schaf an der Küste. Bild: Flickr/wordjunky

Irland ist wieder zu einem attraktiven Land für Investoren geworden. Schaf an der Küste. Bild: Flickr/wordjunky

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Irland hat am Donnerstag neue Staatsanleihen im Wert von 4,2 Milliarden am Kapitalmarkt platziert. Für eine weitere Milliarde tauschten Anleger Anleihen, die im nächsten Jahr ausgelaufen wären, gegen länger laufende Papiere. Marktbeobachter sehen in der erfolgreichen Auktion ein Zeichen für das wiedererwachte Vertrauen in die Solidität der irischen Staatsfinanzen.

«4,2 Milliarden frisches Geld ist relativ viel, wenn man bedenkt, dass Irland erst 2014 wieder 8 Milliarden hätte aufnehmen müssen», sagt ZKB-Ökonom Jörn Spillmann. Für fünfjährige Anleihen bezahlt Irland den Anlegern 5,9 Prozent Zins, für achtjährige Anleihen 6,1 Prozent. «Das ist zwar relativ hoch, aber weniger als Italien und Spanien zuletzt für ihre Anleihen hätten berappen müssen», so Spillmann. Für vergleichbare irische Anleihen, die noch in Umlauf seien, lag der Zinssatz gemäss Spillmann Mitte letzten Jahres noch bei über 15 Prozent.

Rigides Sparprogramm des Musterknaben

Das rigide Sparprogramm der Iren und die von IWF, EZB und EU-Kommission geforderte Restrukturierung des Bankensektors hat sich zumindest im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit gelohnt. Das Land im Norden gilt im Vergleich zu den kriselnden Staaten in Südeuropa ohnehin als Musterknabe. Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich die Troika mit den Sparanstrengungen Irlands sehr zufrieden. «Die Vorgaben des Hilfsprogramms sind voll erfüllt», hiess es im Juli 2011 nach einer Prüfmission in Dublin. Das Staatsdefizit sinke sogar schneller als vorgegeben.

Für die irische Bevölkerung sieht es zwar nach wie vor düster aus. Die Arbeitslosenquote liegt noch immer bei 14,5 Prozent, bei jungen Iren zwischen 15 und 24 Jahren lag sie im März bei 30 Prozent. Hätten in den letzten zwei Jahren nicht viele Iren ihr Heil im Ausland gesucht, wäre die Arbeitslosigkeit noch weit höher. Allein in den ersten vier Monaten des Krisenjahres 2010 haben 65'000 Menschen Irland verlassen. Im Jahr davor sicherten sich 23'000 Iren eine Arbeitserlaubnis in Australien. Andere zog es nach Kanada, England und in die USA.

Staatshaushalt vor Bankencrash solide

An der hohen Arbeitslosigkeit wird sich wohl vorerst nichts ändern. Doch die Aussichten der irischen Wirtschaft sind weit besser als die von Griechenland, Spanien oder Italien. «Im ersten Quartal 2011 ist das Bruttoinlandsprodukt zwar noch um 1,1 Prozent gefallen», so Spillmann. «Doch im nächsten Jahr wird es wohl wieder wachsen.» Im Aussenhandel stehe Irland recht gut da, zudem seien die Unternehmenssteuern tief und ausländische Investoren engagierten sich wieder stärker auf der Insel.

Dass die Anleger im Hinblick auf Irland wieder Zuversicht zeigen, hängt auch damit zusammen, dass das Land vor dem Bankenkollaps solide gewirtschaftet hat. Erst die Rettung maroder Banken wie der Anglo Irish Bank und der Allied Irish Banks katapultierten vor zwei Jahren den Anteil der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 32 Prozent. Der Schuldenberg wuchs auf 160 Milliarden Euro, was 100 Prozent des BIP entspricht. Die Restrukturierung der Banken ist in Irland weitgehend abgeschlossen und die Iren erklärten Ende Juni in einer Volksabstimmung ihr Einverständnis mit Fiskalpakt und Sparprogrammen.

Läge es allein an der Sparwilligkeit der Iren und der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft, sollte das Land bald wieder aus der Krise herausfinden. Doch die irische Wirtschaft ist sehr eng mit der Grossbritanniens verflochten. Und auf dem Inselreich hängen trotz Olympia düstere Wolken: Seit drei Quartalen ist das Wachstum dort negativ. «Das verlangsamt die Erholung in Irland deutlich», meint Spillmann. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2012, 19:03 Uhr

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46 Kommentare

Andreas Moser

27.07.2012, 19:56 Uhr
Melden 141 Empfehlung 0

Für mich hat nicht Irland sondern Island gezeigt, wie es gehen kann! Wesshalb kommt Island nicht mehr in den Nachrichten? Das Land liess sich nach dem Bankrott nicht von den internationelen Finanzvertretern erpressen!
Vier Jahre nach Bankenkollaps und Bankrott erwirtschaftet das 320.000-Einwohner-Land Wachstumquoten, von denen die EU-Länder nur träumen können! So auch Schuldenschnitt für Private!
Antworten


René Keller

27.07.2012, 19:14 Uhr
Melden 127 Empfehlung 0

Super - würden wir aber das r gegen ein s austauschen, hätten wir das Beispiel, welches es allen zeigen würde, wie's am besten geht! Scheint aber Tabu zu sein, von Island gibt es konsequent keine Berichterstattung mehr! Antworten



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