Wirtschaft

Ist Grübel als Chef noch tragbar?

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 23.05.2011 21 Kommentare

Die UBS-Spitze setzt aufs Investmentbanking. Und verpasst es dadurch, sich auf die neuen Regeln für Banken einzustellen.

Oswald Grübels Strategie: Jene Abteilung wird wieder aufgebaut, die für den Grossteil der Milliardenverluste verantwortlich war.

Oswald Grübels Strategie: Jene Abteilung wird wieder aufgebaut, die für den Grossteil der Milliardenverluste verantwortlich war.
Bild: Keystone

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Als im Februar 2009 Oswald Grübel und Kaspar Villiger an die UBS-Spitze berufen wurden, galten sie als Heilsbringer in höchster Not. Und tatsächlich, CEO Grübel gelang es in kürzester Zeit, die schlingernde Bank in die Gewinnzone zurückzuführen. UBS-Präsident Villiger brachte den umstrittenen Staatsvertrag mit den USA im Parlament durch. Damit war die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) gerettet und konnte wieder in die Zukunft schauen. Genau da liegt heute das Problem. Es scheint, als sei die Zukunft der UBS in den Augen ihrer Führung die Vergangenheit.

Grosse Investitionen ins Investmentbanking, ein starker Auftritt in den USA und ein unbehelligtes Wirken im Heimmarkt mit möglichst schwachen Regulatoren und einer gefügigen Politik, die höchstens die Scherben zusammenwischen darf, wenn etwas schiefgeht. Dazu das weiterhin gültige Gewinnziel von 15 Milliarden Franken. Das sind die Maximen, welche die UBS-Verantwortlichen verfolgen. Und wenn politisch nicht so entschieden wird, wie man es möchte, droht man mit der Abwanderung ins Ausland. Doch reicht das, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Zweifel sind angebracht. Was die strategische Ausrichtung anbelangt, hat das Duo Grübel/Villiger (wobei Ersterer das Zugpferd ist) zwei grobe Fehler gemacht.

Hunderte für das grosse Casino der Wallstreet

Erstens verabschiedete es sich mit dem Verkauf der brasilianischen Banco Pactual zur Unzeit aus dem aufstrebenden Brasilien. Dass man jetzt für viel Geld dasselbe Geschäft wieder aufzubauen versucht, ist peinlich. Schlimmer ist der zweite Fehler: Im Glauben daran, dass die guten alten Zeiten wiederkommen würden, wurde mit dem «Fixed Income» just jene Abteilung innerhalb der UBS-Investmentbank wieder aufgebaut, die für den Grossteil der Milliardenverluste in der Finanzkrise verantwortlich war. In dieser Sparte kann eine Schweizer Bank sehr viel Geld verdienen, weil sie billig zu Geld kommt, das sie im Ausland teuer, aber risikoreich ausleihen kann. Darin besteht letztlich das Erfolgsgeheimnis der Sparte – und auch deren Gefahr: Wenn sich die Anlagen nicht als lukrativ, sondern als zu risikoreich erweisen, stellen sich Riesenverluste ein.

So geschehen 2008 bei den US-Hypotheken. Genau darum will man die Banken nun dazu zwingen, in diesem Geschäftsfeld eigenes und nicht geliehenes Geld einzusetzen. Das vermindert die Gefahr einer Pleite, die dann wieder der Staat abwenden muss. Die obersten Strategen der UBS, Grübel und Villiger, haben es verpasst, die Weichen rechtzeitig so zu stellen, dass die UBS unter den neuen Vorzeichen mit höheren Kapitalanforderungen und stärkerer Kontrolle erfolgreich wird. Stattdessen wurden Hunderte von Leuten neu angestellt, um im grossen Casino der Wallstreet voll mit dabei zu sein. Dies wohl in der Annahme, dass die Schweizer Politik nicht fähig sei, griffige Regeln für die Grossbanken durchzusetzen. Nur so ist zu erklären, dass das Eigenkapital der Bank nach wie vor kaum steigt. Im Gegenteil: Im ersten Quartal 2011 ist es trotz Milliardengewinn gesunken, weil man mal wieder mehr Aktien und Optionen für die teuren Investmentbanker brauchte. Dasselbe passierte übrigens auch bei der CS. Deren Eigenkapital ging im Vorjahresvergleich um 2,8 Milliarden Franken zurück.

Neue Zeitrechnung beginnt

Fragt sich, wie es weitergehen soll. Eigentlich müsste die UBS als Erstes ihr Gewinnziel von 15 Milliarden, an das sowieso niemand mehr glaubt, begraben. Dann ist Zeit für einen Schnitt im Investmentbanking. In der Folge gilt es, sich auf die Stärken in der Vermögensverwaltung zu konzentrieren.

Dort gibt es genügend Herausforderungen, denn im Sommer wird wohl eine neue Zeitrechnung beginnen. Wenn es tatsächlich zum Friedensschluss mit den Deutschen und den Briten kommt, ist es vorbei mit leicht verdientem Geld aus Schwarzgeldanlagen. Die Banken werden in Zukunft sicherstellen müssen, dass sich die Kunden nicht aus der Schweiz verabschieden, sondern tatsächlich die Abgeltungssteuern zahlen. Um das zu packen, braucht es rasch neue Weichenstellungen bei der grössten Schweizer Bank. Wenn die nicht kommen, wird die Frage, ob Grübel und Villiger wirklich noch die Richtigen an der UBS-Spitze sind, wohl immer offener gestellt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2011, 21:24 Uhr

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21 Kommentare

Peter Salto

23.05.2011, 07:52 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Grübel verkennt seine Rolle. Er ist CEO, nicht VRP. Da lezterer - wie die übrigen VR - eine schwache Nummer ist, kann der Bock um des Gärtners Nase herumtanzen. Strategische Dinge, wie im Artikel angesprochen- sind Sache des VR. Ein Wegzug der Firma ist Sache der Generalversammlung. Grübel bleib bei denen Leisten. Antworten


Heinz Butz

23.05.2011, 09:26 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Carsten Kengeter, der neue Chef der Investmentbank ist ein "ausgewiesenes Händlertalent" (Handelsblatt), das heisst er ist ein süchtiger Zocker, der mit dem Geld der Kunden Casino spielt und das unter dem wohlwollenden Blick von Grübel, der blind ist. Das FICC-Geschäft (Verlust in der Krise 50 Milliarden) müsste in der Schweiz verboten werden und alles käme gut und die UBS macht wieder Gewinn. Antworten



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