Wirtschaft

«Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Banker der Welt»

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 14.04.2011 65 Kommentare

Ein ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds geht mit dem Schweizer Leiter der Deutschen Bank hart ins Gericht. Die Bank sei «besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen».

Während Johnson einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 45 Prozent fordert, hält die Deutsche Bank bloss 4 Prozent: Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson (links), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts).

Während Johnson einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 45 Prozent fordert, hält die Deutsche Bank bloss 4 Prozent: Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson (links), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (rechts).
Bild: Reuters/Keystone

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Simon Johnsons Worte haben Gewicht. Nicht nur, weil er einst Chefökonom des Internationalen Währungsfonds war – der für die internationalen Finanzmärkte eine überragende Bedeutung hat. Simon Johnson ist auch einer der renommiertesten Fachleute zum Thema Finanzmarktregulierung. Sein Buch «13 Bankers» ist wahrscheinlich das beste Buch über die Entwicklung der US-Finanzindustrie bis zur Krise. Sein Urteil über die Entwicklungen seither ist dramatisch: Die bisherigen Bemühungen, die Risiken durch die Banken unter Kontrolle zu bringen, seien ungenügend, eine weitere Krise hoch wahrscheinlich.

Bankmanager bleiben für Johnson daher eine Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft. Als einen der gefährlichsten unter ihnen bezeichnete Johnson in einem gestern von der deutschen «TaZ» veröffentlichten Interview den Schweizer Josef Ackermann, Chef der mächtigen Deutschen Bank und Präsident des Institute of International Finance, der weltweiten Lobbyorganisation der Banken. Das harte Urteil über den Schweizer begründet Johnson damit, dass Ackermann weiterhin darauf bestehe, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erreichen. «Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiss, dass die Deutsche Bank (DBN 29.39 1.07%) ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht», sagt Johnson.

Anreize zu besonders hohen Risiken

Was meint er damit? Eine derart hohe Eigenkapitalrendite lässt sich nur durch das Eingehen besonders hoher Risiken erreichen. Entweder reduziert eine Bank ihr Eigenkapital im Verhältnis zu den aufgenommenen Fremdmitteln dramatisch – was wegen schärferen Mindestkapitalregeln an Grenzen stösst –, oder sie geht operativ gefährlichere Wetten ein. Dank der impliziten Staatsgarantie für systemrelevante Banken haben die Banken jeden Anreiz, sich so zu verhalten. Denn gefährden die eingegangenen Risiken das Überleben einer solchen Bank, springen die Steuerzahler ein. Zahlen sie sich durch höhere Gewinne aus, profitieren die Banker mit höheren Zahlungen.

Den deutschen Finanzsektor hält Johnson für «sehr problematisch», und die Deutsche Bank ist seiner Meinung nach «besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen». Die bisher debattierten strengeren Vorschriften für die Banken hält der einstige IWF-Chefökonom für ungenügend: Basel III bringe «überhaupt nichts», da es von den Banken einen geringeren Eigenkapitalanteil verlange, als Lehman Brothers am Tag vor seiner Pleite hatte. Laut Johnson müsse der Anteil bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen, im Fall der Deutschen Bank liege er bei nur 4 Prozent.

Josef Ackermann werden die Worte Johnsons kaum beeindrucken. Er hält schon die bisher vorgeschlagenen Regeln für zu weitgehend und spricht deutlicher als andere Banker bereits von einer kommenden Überregulierung.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.04.2011, 12:58 Uhr

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65 Kommentare

jakob peier

14.04.2011, 13:39 Uhr
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Sparbuch 0.5 % / Banken Eigenkapitalrendite 25 %
Alles klar ? !
Es gibt nur einen Ausweg aus diesem Desaster :
VERSTAATLICHUNG DER BANKEN !
Und ....... MACHT DIE BANKER WIEDER ZU BEAMTEN !
Antworten


Holger Ohnmacht

14.04.2011, 14:03 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Grübel könnte man im gleichen Atemzug erwähnen, und ein paar andere mehr. Das gewöhnliche Fussvolk weiss schon lange, dass sich die Banker auf Kosten der Steuerzahler bereichern. Nur, die Politik unternimmt nichts dagegen. Die Abzockerinitiative wird verschleppt bis zum geht nicht mehr und beim Thema too-big-to-fail geht es auch nicht vorwärts. Welche Interessen vertreten unsere Parlamentarier? Antworten



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