Jung, weiblich, risikofreudig

Wirtschaftexperten wollen für die Deutsche Bundesbank herausgefunden haben, dass jüngere Frauen in den Führungsetagen der Banken vorzugsweise aufs Ganze gehen. Empörung macht sich breit.

Forscher für die Deutsche Bundesbank glauben, dass Frauen risikobereiter sind als bisher angenommen: Frau in einem Trading-Room.

Forscher für die Deutsche Bundesbank glauben, dass Frauen risikobereiter sind als bisher angenommen: Frau in einem Trading-Room.

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Die Deutsche Bundesbank hat eine Studie veröffentlicht, welche den Frauen in den Führungsetagen der Finanzindustrie eine erhöhte Risikofreudigkeit attestiert. Eine Sprecherin der Bundesbank betont, dass es sich dabei vielmehr um ein «Diskussionspapier» als um eine Studie handle.

Die Ergebnisse der Untersuchuchungen bauen darauf auf, dass ältere Geschäftsleitungsmitglieder mit jüngeren nachbesetzt werden. Und die Frauenquote einen Mindestanteil weiblicher Mitarbeiter in Führungsetagen vorschreibt. Also erfolgen viele Nachbesetzungen mit jüngeren Frauen. Folgedessen gehen die Autoren davon aus, dass die Riskobereitschaft bei jüngeren Frauen in Führungsetagen von Banken und Sparkassen erhöht sein müsse. Mit den Worten der Autoren «veranlassen jüngere Geschäftsführer, dass Banken höhere Risiken auf sich nehmen». Und: «Ein höherer Frauenanteil in der Geschäftsleitung führt dazu, dass das Geschäftsmodell riskanter wird.»

«Katastrophale Studie»

Die Empörung ist den Autoren jetzt schon sicher. Monika Schulz-Strelow vom Verein Frauenförderung in Aufsichtsräten in Deutschland macht ihrem Ärger Luft: «Diese Studie ist eine Katastrophe und hilft uns in der Sache nicht.» Schulz-Strelow zweifelt die Untersuchungsgrundlagen massiv an. Ein jeder wolle offenbar zu diesem Thema auffallen.

Dabei finden die Autoren des «Diskussionspapiers», dass die sozio-ökonomische Zusammensetzung von Geschäftsleitungen sogar für die Wirtschafts- und Sozialpolitik ein wichtiges Thema sei. «Wir untersuchen dabei, wie sich Alter, Geschlecht und Ausbildung der Führungsmitglieder auf die Volatilität der Gewinne von Banken auswirken», heisst es im Papier.

Frauenquote nicht Ursache, sondern Ergebnis

So wie Schulz-Strelow zweifelt aber auch Forschungsleiterin Gabrielle Wanzenried von der Universität Luzern am Aha-Effekt der Weisheiten: «Wenn, dann betrifft das nicht nur Frauen, sondern alle Entscheidungsträger.» Denn es seien die aufgeschlosseneren Männer, die Frauen in Führungsetagen holten. Und diese Männer müssten daher auch risikofreudiger sein. Sie schliesst daraus, dass die Frauenquote weniger die Ursache als vielmehr das Ergebnis einer von Männern dominierten risikofreudigen Geschäftswelt sei. (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.03.2012, 20:42 Uhr)

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