Wirtschaft

Kantonalbanken trotzen Abstufungsdrohung

Von Anita Merkt. Aktualisiert am 04.07.2012 19 Kommentare

Obwohl Standard & Poor's den Ausblick von neun Banken auf «negativ» gesetzt hat, ändern die Institute ihre Vergabepolitik nicht. Doch wenn die Immobilienblase platzt, purzeln die Hauspreise auch im Hinterland.

Standard & Poor's droht der ZKB und acht weiteren Schweizer Banken mit einer Herabstufung. Das Gebäude «Neue Hard» der Zürcher Kantonalbank.

Standard & Poor's droht der ZKB und acht weiteren Schweizer Banken mit einer Herabstufung. Das Gebäude «Neue Hard» der Zürcher Kantonalbank.
Bild: Keystone

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Die Ratingagentur Standard & Poor's bezeichnet den Ausblick für neun Schweizer Kantonalbanken als «negativ». Überraschend gehören dazu auch Kantonalbanken, deren Kunden nicht in den Hotspots des Schweizer Immobilienmarktes zuhause sind. Hätte es nur die ZKB und die Banque Cantonale de Genève getroffen, wäre allen klar, dass diese sich im Falle eines Platzens der Immobilienblase im Auge des Sturms befänden. Doch diesmal setzte Standard & Poor's unter anderem auch den Ausblick für die Aargauer, die Luzerner und die Basellandschaftliche Kantonalbank auf negativ.

Bei der Aargauischen Kantonalbank war man von der Bewertung so überrascht, dass man erst einmal die Chefs zusammentrommeln musste, bevor man sich zu einer Stellungnahme in der Lage sah. Die Luzerner Kantonalbank gibt sich dagegen gelassen. «Die Häuser und Wohnungen im Kanton Luzern sind von der Überhitzung des Immobilienmarktes weit weniger betroffen als in anderen Regionen der Schweiz. Das schreibt auch Standard & Poor's», betont LKB-Sprecher Daniel von Arx.

Vergabepolitik für Hypotheken bereits verschärft

«Wir haben im Hinblick auf die Immobilienfinanzierung eine sehr konservative Vergabepolitik und unser Kundenportfolio ist solide», so von Arx. Ausserdem habe die Luzerner Kantonalbank die Belehnungspolitik bereits verschärft. «Unsere Kunden müssen seit langem zehn Prozent hartes Eigenkapital mitbringen und können den Eigenanteil nicht mehr allein aus der Pensionskasse finanzieren.» Selbst wenn es eine Korrektur der Immobilienpreise gäbe, wäre das Einzugsgebiet der LKB laut von Arx davon «weniger betroffen».

Auch die Basellandschaftliche Kantonalbank sieht sich trotz Negativausblick auf der sicheren Seite. «Wir nehmen das Rating zur Kenntnis, sehen darin aber keinen Grund, unsere Politik zu ändern», so BLKB-Sprecher Christoph Loeb. Standard & Poor's habe schliesslich den Preisanstieg im Kanton Baselland als moderat im Vergleich zu den Hotspots bezeichnet. Die BLKB vergebe wenig Hypotheken für Luxusimmobilien und vor allem Festhypotheken, die von einem Zinsanstieg nicht betroffen wären. «Wir haben eine solide Klientel, eine solide Vergabepolitik und eine solide Basis für die Zukunft», so Loeb.

Domino-Effekt auch im Hinterland

Für den Immobilienexperten Claudio Saputelli von der UBS ist es «nachvollziehbar, dass Standard & Poor's auch Banken abseits der Ballungszentren kritisch beurteilt.» Wenn es in den Hotspots des Immobilienmarktes anfange zu «räbbeln», werde das einen Domino-Effekt auf die umliegenden Regionen haben. «Das hat man in anderen europäischen Ländern gesehen», so Saputelli. In der regionalen UBS-Gefahrenkarte für den Schweizer Immobilienmarkt ist seit Mai auch das Untere Baselbiet rot eingezeichnet.

Die Gefahr, dass es in nächster Zeit wirklich zu einem massiven Absturz der Immobilienpreise kommt, schätzt Saputelli allerdings gering ein. «Wir haben eine Rieseneinwanderung, die Zinsen sind niedrig und die Konjunktur noch immer robust», so Saputelli. «Immobilienzyklen sind mit durchschnittlich 18 Jahren sehr lang.» Das Anziehen der Immobilienpreise könne sich also noch lange fortsetzen. Andererseits sind laut Saputelli «die Korrekturen umso schmerzvoller, je länger eine Boomphase anhält». Das müsse allerdings nicht in einem Crash enden. «Korrekturen können auch in Form eines moderaten Preisrückgangs erfolgen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.07.2012, 16:32 Uhr

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19 Kommentare

Peter Schmid

04.07.2012, 16:55 Uhr
Melden 56 Empfehlung 1

Wie kann man 10% hartes Eigenkapital als konservative Vergabepolitik bezeichnen? Am Schluss kann wieder die Allgemeinheit gerade stehen. Antworten


Armin Bühler

04.07.2012, 17:09 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

Wenn ausnahmsweise ernsthafte Rahmenbedingungen für Effizienzmassnahmen und erneuerbare Energien in der Schweiz geschaffen würden, dann hätten die nationalen Banken eine nachhaltige Investitionsalternative, welche im Gegensatz zur Immobilienmarktblase nicht platzen kann. Antworten



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