Wirtschaft

Kaufen die Chinesen Saab?

Von Philippe Löpfe. Aktualisiert am 04.12.2009

Die Beijing Automotive Industry Corp (BAIC) zeigt grosses Interesse an der schwedischen Tochter von General Motors (GM).

2,9 Milliarden Dollar liegen bei der Bank of China bereit: Das Interesse der Chinesen an Saab ist gross.

2,9 Milliarden Dollar liegen bei der Bank of China bereit: Das Interesse der Chinesen an Saab ist gross.
Bild: Keystone

Die «Financial Times» meldet, dass die Bank of China der BAIC einen Kredit in der Höhe von 2,9 Milliarden Dollar bereit gestellt hat. Damit sollte der staatliche Autobauer genügend Spielraum haben, um Saab zu kaufen. Seit bekannt wurde, dass ein Konsortium unter der Führung des Luxusautoherstellers Koenigsegg sich wieder zurückgezogen hat, steht Saab wieder zum Verkauf. BAIC wird grosses Interesse nachgesagt.

Der Einfluss der Chinesen auf GM wächst auch andernorts. «Gouvernement Motors», wie die Firma von Zynikern neuerdings genannt wird, erklärt sich bereit, die Mehrheit seiner chinesischen Tochterfirmen an seinen staatlichen Partner SAIC abzutreten. Die beiden wollen ein Joint Venture in der Höhe von 650 Millionen Dollar gründen mit dem Ziel, billige Autos für den asiatischen Markt zu gründen.

Einmal mehr wird deutlich, dass China nicht länger gewillt ist, die Rolle der Billigwerkstatt der Weltwirtschaft zu spielen. Dank ihre riesigen Devisenreserven sind die Chinesen in der Lage, jederzeit zuzuschlagen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Den Anfang hat der Computerhersteller Lenovo gemacht. Vor fünf Jahren hat er in einem aufsehenerregenden Deal das PC-Geschäft von IBM erworben.

Gute Qualität zum günstigen Preis

Die chinesischen Unternehmen starten als sogenannte OEM, anonyme Produzenten im Dienst von bekannten Marken. Auf diese Weise erwerben sie ein zunächst grosses Knowhow. Viele von ihnen beginnen nun, den Spiess umzudrehen: Sie lancieren ihre eigenen Marken. Manchmal kommt es dabei zu Streit, wie das Beispiel von Danone zeigt. Der französische Nahrungsmittelkonzern wurde von seiner chinesischen Tochter ausgebootet.

In der Regel jedoch müssen nicht die Gerichte bemüht werden. Die ehemaligen OEM kommen ganz einfach mit selbstentwickelten Produkten auf den Markt. Adidas und Nike beispielsweise müssen sich mit Rivalen wie Anta, Tebu oder K-Bird herumschlagen. Ähnlich geht es Giorgio Armani und Hugo Boss. Ihre Billighersteller von einst heissen nun Septwolves oder Hongxing und verkaufen ihre Kleider in eigenen Boutiquen. Dabei handelt es sich nicht um billige Nachahmerprodukte wie die Pseudo-Lacoste-Shirts. Die chinesischen Marken sind, was die Qualität betrifft, mit der westlichen Konkurrenz auf Augenhöhe. Preislich hingegen sind sie deutlich günstiger. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.12.2009, 16:11 Uhr

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