Wirtschaft

Keine Feier ohne Meyer

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 01.09.2012 44 Kommentare

In teils peinlichen PR-Kampagnen spielt SBB-Chef Andreas Meyer auf allen Kanälen den coolen Boss. Nun sind ihm die drei wichtigsten Kommunikationsberater abgesprungen.

1/4 Von frühmorgens bis spätabends auf Draht: SBB-CEO Andreas Meyer an einer Medienkonferenz in Zürich. (29. März 2012)
Bild: Keystone

   

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Der SBB-Chef in sexy Badehosen am Wasser, im hautengen Dress auf dem vollgefederten Bike oder als Kaffeeboy mit der Minibar bei «Giacobbo/Müller»: «Keine Feier ohne Meyer», heisst es SBB-intern. Doch das ist boshaft – und auch falsch. SBB-Chef Meyer ist keine Festnudel, überhaupt nicht lustig und nicht annähernd so volksnah wie sein Vorgänger Benedikt «Beppo» Weibel.

Andreas Meyer ist vielmehr ungeheuer beflissen, fleissig und ehrgeizig. Er krampfte, schwitzte, pedalte und talkte sich nach einer perfekt abgestimmten Agenda durch den Sommer. Kaum ein Medium kam über die Saure-Gurken-Zeit, ohne nicht mit Meyer in der Aare geschwommen, auf einen Berg geklettert, mit dem Velo durchs Gelände oder der S-Bahn durchs Zürcher Oberland gefahren zu sein. Sogar den Talk mit Schawinski hat er locker und gut gelaunt absolviert. Richtig peinlich war bloss das Joggen und Schwimmen mit dem «Blick»-Reporter und das unsägliche Föteli, wie er seine Frau auf dem Badtüchlein mit Pommes frites füttert.

Ein anspruchsvoller Chef

Einen Chef zu haben, der frühmorgens bis spätabends auf Draht ist, gute Laune versprüht, immer flotte Sprüche draufhat und lieber redet als zuhört, muss ermüdend sein. Dass gleich die drei obersten SBB-Kommunikatoren fast gleichzeitig abspringen, kann kaum Zufall sein – auch wenn alle drei das betonen.

Der 50-jährige Stefan Nünlist, bisher Leiter Kommunikation und Public Affairs bei den SBB, wechselt zur Grossbank UBS. Dort tritt er die Nachfolge von Ex-«Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Peter Hartmeier an, der Anfang 2013 in den Ruhestand tritt. Für Nünlist, der auch schon zwei Bundesräten diente und fast zehn Jahre lang oberster Swisscom-Kommunikator war, ist das ein guter Wechsel ohne Prestigeverlust. Aber nur gerade zwei Jahre in den Diensten der SBB ist doch ziemlich kurz.

Nicht einmal zwei Jahre war Daniel Bach auf einem der begehrtesten Kommunikationsposten der Schweiz: Pressechef der SBB. Zuvor war er immerhin fünf Jahre lang Sprecher und enger Mitarbeiter von Bundesrat Moritz Leuenberger – und der ist auch nicht bekannt als einfacher Chef. Bach übernimmt nun die Leitung der Abteilung Kommunikation und Kampagnen des Bundesamtes für Gesundheit. Sowohl Nünlist als auch Bach bemühen auf Anfrage die Floskel der «neuen beruflichen Herausforderung». Bach betont zudem, dass der gemeinsame Abgang von Nünlist und ihm «nicht ganz ideal» sei, aber keinen Zusammenhang habe.

Als Dritter geht auch Bachs Stellvertreter Reto Kormann. Er ist eines der bekanntesten Gesichter der SBB und bei Pannen und Unfällen immer wieder in den Medien zu sehen. Kormann verlässt die hektische Kommunikation, bleibt aber bei den SBB und übernimmt die Leitung der Zeitschrift Via sowie der internen Zeitschriften und Internetprojekte. Für Andreas Meyer bedeuten diese Abgänge einen gewaltigen Verlust an Know-how. Und er muss sich zwangsläufig die Frage gefallen lassen, ob er seine Mitarbeiter nicht überfordert.

Seine Energie tut den SBB gut

Als Firma und als ihr Chef haben die SBB und Andreas Meyer jedoch einen ausgezeichneten Leistungsausweis. Meyer wirkt viel dynamischer als sein behäbiger Vorgänger. Er sprüht vor neuen Ideen, hat ein enormes Fachwissen, ist wach, schnell und analysiert gut. Und vor allem pusht er den betulichen Staatsbetrieb genau so, wie das ein Manager in der Privatwirtschaft tun müsste.

Wer regelmässig Zug fährt, spürt Meyers Handschrift – zum Beispiel bei den Kondukteuren. Die sind in den letzten Jahren richtig freundlich geworden, machen gute Ansagen, entschuldigen sich bei Verspätungen und helfen, Velos oder Kinderwagen zu verladen.

Aber auch den zackigen Meyer spüren die Bahnfahrer: Bei den Billettkontrollen ist die Toleranz eindeutig kleiner geworden, die Höhe der Bussen und Zuschläge bei ungültigen Tickets dafür umso grösser.

Der «Kraft-Meyer», wie er früher in Deutschland genannt wurde, wäre der ideale Staatschef für eine Krisennation wie Griechenland, hatte der «SonntagsBlick» einst geschrieben: ein klassischer Technokrat ohne Emotionen mit ausserordentlichen Nehmerqualitäten. Meyer fordert nicht nur, er stellt sich als Sündenbock der Nation auch den Medien, wenn es um höhere Ticketpreise, verstopfte Toiletten oder Pannen beim Cisalpino geht. Meyer und all seine Kommunikationsprofis sollten aber endlich zur Einsicht gelangen, dass er mit seinem penetranten Rollenspiel besser aufhören würde und auch als normaler Meyer ein guter SBB-Chef sein kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2012, 21:16 Uhr

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44 Kommentare

Friedel Ammann

01.09.2012, 17:28 Uhr
Melden 89 Empfehlung 0

3 Kommunikationsberater? Dem Andreas Meyer helfen auch ein dutzend Kommunikationsberater nicht. Antworten


Ralph Müller

01.09.2012, 15:37 Uhr
Melden 85 Empfehlung 0

Es ist schön, dass Meier immer gut drauf ist. Allerdings wäre es noch schöner, wenn es nicht so oft heissen würde: Verspätung wegen Fahrleitungsstörung, Deffekten etc. Zusätzlich muss ich nochmals auf die Uhren im Stadelhofen untere Etage hinweisen. Sie laufen seit Jahren nicht richtig aber niemanden kümmerts offenbar. Auch den Meier nicht. Antworten



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