Wirtschaft

Klage gegen Madoffs Swiss Connection

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 08.12.2010 2 Kommentare

Der Konkursverwalter will von HSBC und deren Schweizer Zulieferer 9 Milliarden Dollar. Nun klagen Schweizer gegen die Bank.

Man nennt sie auch «Königskobra»: Starverkäuferin Sonja Kohn.

Man nennt sie auch «Königskobra»: Starverkäuferin Sonja Kohn.
Bild: Keystone

Kohns Haus im Zürcher Enge-Quartier. (Bild: Doris Fanconi)

20 Milliarden Dollar auf der Spur

Der Sachwalter der Madoff-Opfer hat einen ersten grossen Vergleich erzielt. Der lässt auf einen Ausgleich ihrer Verluste hoffen. Entschädigung der Madoff-Opfer

Der Vergleich mit der Union Bancaire Privée (UBP) ist der bisher grösste in einer langen Reihe von Entschädigungsklagen. Irving Picard, der Sachwalter der Opfer, zwang die Genfer Bank zur Auszahlung von 470 bis 500 Millionen Dollar, kurz bevor er eine Klage von einer Milliarde Dollar einreichte. Der Umfang des Vergleichs deutet darauf hin, dass Picard von den Madoff-Zuträgern gegen 20 Milliarden Dollar einzutreiben hofft.

Die Genfer Privatbank hatte 1,08 Milliarden Dollar bei Bernard Madoff angelegt, obwohl sie gemäss Nachlassverwalter gewusst haben musste, dass die Mittel in ein «Ponzi-Scheme» flossen, in einen Pyramidenbetrug, bei dem lediglich Geld umverteilt wurde. Picard geht davon aus, dass die UBP kurz vor dem Madoff-Bankrott 225 Millionen Dollar zurückzog, weil sie um den Schwindel wusste und versuchte, ihre Mittel ins Trockene zu bringen. Die UBP bestreitet dies und bezeichnet sich selber als Opfer eines massiven Betrugs. Dennoch willigte sie nun in den Vergleich ein, «um die Kunden zu schützen und dieses Kapitel definitiv zu schliessen».

Trotz des ersten Erfolgs ist Picard noch weit von seinem Ziel entfernt, von den bei Madoff involvierten Financiers rund 20 Milliarden Dollar zurückzuerlangen. Diese Summe entspricht gemäss seiner Rechnung den tatsächlichen Verlusten der über 14 000 Madoff-Kunden. Mit dem UBP-Vergleich, früheren Einigungen sowie der Liquidation eines Teils des Madoff-Vermögens hat Picard rund 2 Milliarden Dollar beigebracht.

2 Milliarden von der UBS

Die fehlenden 18 Milliarden sollen einerseits bei den Grossbanken UBS, JP Morgan und HSBC beschafft werden, die spezielle Zuträgerfonds gegründet hatten, um vermögenden Kunden den Zutritt zum Madoff-Betrugsring zu ermöglichen. Bei der HSBC geht es um eine Klagesumme von 9 Milliarden, bei JP Morgan um 6,4 Milliarden, bei der UBS um 2 Milliarden. Dient der Vergleich mit der Union Bancaire Privée als Massstab, ist absehbar, dass die Banken kaum um Entschädigungen von mehreren Milliarden herumkommen. Die UBS will sich gegen Picards Vorgehen mit allen Mitteln wehren, wie sie letzte Woche erklärte, und bestreitet jede Mitschuld.

Die zweite Quelle ist der Madoff-Clan selber. Dazu hat Picard Klagen von über 14 Milliarden Dollar deponiert. Belangt werden unter anderem die angesehene New Yorker Pillower-Stiftung (mit 5 Mrd.), die Fairfield Greenwich Group (3,2 Mrd.) und die Sterling Equities (0,5 Mrd.). Ihnen wirft Picard vor, das Betrugssystem gekannt zu haben und zudem ihre guten Beziehungen zum Madoff-Clan ausgenutzt zu haben, um weitere Kunden anzuwerben. Der Rückgriff auf alte Madoff-Kunden, die früh genug absprangen, ist höchst umstritten. Sie machen geltend, zu Unrecht an den Pranger gestellt zu werden und zudem in finanziellen Nöten gewesen zu sein. Ein Konkursrichter in New York unterstützt jedoch das direkte Vorgehen gegen die ersten Madoff-Investoren, da sie fiktive Gewinne erzielt hätten und deshalb genauso entschädigungspflichtig seien wie die Banken.

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Madoffs Konkursverwalter bleibt nicht mehr viel Zeit. Bis zum 11. Dezember muss Irving Picard Klage einreichen gegen all die Akteure des Finanzsystems, die es Bernard Madoff ermöglicht haben, für sein Schneeballsystem weltweit rund 70 Milliarden Franken aufzutreiben. Vor zehn Tagen reichte er eine 2-Milliarden-Klage gegen die UBS ein, nun wurde eine 9-Milliarden-Klage gegen HSBC (HSBA 62.7 0.89%) deponiert. Mitbetroffen sind auch Schweizer Akteure, namentlich die Vermögensverwaltung Genevalor der Genfer Familie Benbassat und Sonja Kohn, eine jüdische Geschäftsfrau, die in Zürich einen Wohnsitz hat.

Dass Kohn Jüdin ist, ist insofern von Bedeutung, als dass Bernard Madoff, ebenfalls Jude, insbesondere seine Glaubensgenossen überredete, in seine Fonds zu investieren.

Kohn vermittelte Kontakte

Hauptaussage von Picards Klage: HSBC wusste früher als die meisten, dass Madoff ein Betrüger war. Sieverfügteüber zwei Gutachten der Revisionsgesellschaft KPMG, die eine detaillierte Warnung abgaben. Trotzdem habe die Bank Anlagen in Madoff-Fonds ermöglicht, und in einzelnen Fällen habe HSBC Schweiz dies gar empfohlen. Ein Sprecher der Bank dementierte dies gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Weiter wirft Picard HSBC vor, sie habe als Depotbank für sogenannte Feeder-Fonds gearbeitet.

Die Österreicherin Sonja Kohn führte Madoff in den Achtzigerjahren in New York in den Kreis von reichen jüdischen Investoren ein. Als sie Anfang der Neunzigerjahre nach Europa zurückkehrte, stellte sie die Verbindung zur Genfer Familie Benbassat her, welche die piekfeine Vermögensverwaltung Genevalor betrieb. Firmengründer Mario Benbassat setzte 1992 den ersten Feeder-Fonds auf. Diese waren Anlagevehikel, die in Madoffs Fonds investieren durften. Bald war es so, dass die Investoren Schlange standen. Alleine die Benbassat-Fonds sammelten 2 Milliarden Franken ein. Sonja Kohn arbeitet von Österreich und der Schweiz aus. Sie gründete die Kingate-Fonds, die 1,7 Milliarden einsammelten, und kontrolliere darüber hinaus in der Schweiz den Fonds Primeo.

Gebühren in Millionenhöhe

Während 15 Jahren war es für alle ein goldenes Geschäft. Madoff und seine Fonds wiesen stabile Renditen von durchschnittlich fast 10 Prozent aus. Jeder, der aussteigen wollte, bekam sein Geld sofort zurück. Picard sagt allerdings, dass das ausbezahlte Geld gestohlen sei und deshalb HSBC, Kohn, Benbassat und weitere Mitangeklagte 9 Milliarden in die Konkursmasse zurückzahlen müssen.

Den Vermögensverwaltern flossen laut Picard überdies Gebühren zu, und dies nicht zu knapp. Bei den Familien Kohn und Benbassat sei es um eine Grössenordnung von je 200 Millionen Franken gegangen. Dass ihnen derart viel zufloss, hatte laut Klageschrift damit zu tun, dass Madoff selber ausserordentlich niedrige Gebühren verlangte – und damit zugunsten der Feeder auf Hunderte von Millionen verzichtete.

Benbassats klagen HSBC ein

Als der Madoff-Betrug aufflog, hiess es, Sonja Kohn sei verschwunden und müsse sich vor aufgebrachten russischen Madoff-Opfern verstecken. Doch es ging nicht lange, bis Madoffs beste Verkäuferin – sie wurde «Königskobra» genannt – mit ihrem Gatten Erwin Kohn, der ebenfalls in den Madoff-Skandal verstrickt ist, in Zürich auftauchte und sich hier niederliess. Und offenbar über genügend Geld verfügte, um sich ein Haus zu kaufen. Sie selbst sieht sich als Opfer, war jedoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Erreichbar waren hingegen die Söhne Benbassats. Alberto Benbassat sagte: «Für mich ist das immer noch ein Schock, denn ich habe Madoff mehr als dreissigmal gesehen.» Verdacht geschöpft habe er nie. «Er war sehr respektvoll und schien hohen ethischen Werten verpflichtet. Wenn ich nun lese, was in der Klage zu HSBC steht, dann bestärkt mich das in der Absicht, von der Bank Geld zurückzuverlangen. Wir haben HSBC in Irland für 1,1 Milliarden Franken eingeklagt, auf den Bermudas sind zwei Klagen in der Höhe von 700 Millionen und von 179 Millionen eingereicht. Wenn wir aufgrund von Picards Klage verurteilt werden, werden wir auch dieses Geld von HSBC zurückfordern.» Dass HSBC Mitschuld am Debakel hat, steht für Benbassat ausser Frage: «Die hatten den Bericht der KPMG, wir nicht. Daher wussten sie viel. Wer alles hätte wissen müssen, war die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Doch die ist aus politischen Gründen unantastbar.» Mit dem Konkursverwalter habe man sich noch am Sonntag zu einigen versucht, aber eine Lösung wie bei der Union Bancaire Privée (UBP) (siehe Text unten) sei nicht mehr möglich gewesen, weil die Klage schon eingereicht gewesen sei. «Aber wir hoffen noch immer auf eine Einigung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2010, 23:38 Uhr

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2 Kommentare

Rolf Schumacher

08.12.2010, 07:31 Uhr
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Weshalb setzen wir täglich unsere Arbeitskraft für solch abgebrühte Finanzverbrecher ein? Von unseren Steuern werden die Löcher gestopft die Finanzbetrüger wie Ospel, Ebner, Rich, Kohn, Madoff, Rothschild, Rockefellser etc in Staaten schlagen. Die Frage weshalb man der US Regierung weniger vertraut als Wikileaks, schaut euch doch an wer den US Präsidenten zahlt. Die Finanzbetrüger natürlich. Antworten


hans zumstein

08.12.2010, 17:00 Uhr
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Eine Krähe hackt keiner anderen ein Auge aus! Die Manhattan mafia clans sind derart mit einander verfilzt (Finanzhaie, Anwälte, Kanzleien, Investoren etc.), dass kaum Schuldige unter ihresgleichen gefunden, geschweige denn vor den Kadi gezerrt werden. Sie lassen sich ihre erlittenen finanziellen Schäden mit absurden Klagen vor amerikanischen Richtern bevorzugt durch Auslandbanken begleichen. Antworten



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