Wirtschaft
Kleinanleger greifen vereint Credit Suisse an
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 07.10.2008 74 Kommentare
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Täglich treffen beim «Tages-Anzeiger» neue E-Mails und Briefe von Credit- Suisse-Kunden ein, die sich von ihrer Bank im Stich gelassen fühlen. Da heisst es etwa: «Bisher habe ich ausser netten Worten von der CS keinerlei Infos oder Zugeständnisse oder Lösungsvorschläge erhalten.» Ein anderer Kunde schreibt: «Ich habe das Gefühl, dass mich die Bank nicht ernst nimmt und auf Zeit spielt.»
Den empörten und teils verzweifelten Credit-Suisse-Kunden ist gemeinsam, dass sie auf Empfehlung ihres Bankberaters fünf- und sechsstellige Beträge in vermeintlich 100 Prozent kapitalgeschützte Anlageprodukte der Bank Lehman Brothers investiert hatten. Nach dem Kollaps von Lehman droht den Anlegern im schlimmsten Fall ein Totalverlust. Die Credit Suisse lehnt jede Haftung ab, will sich aber in gewissen Fällen teilweise kulant zeigen.
Damit stösst sie bei Betroffenen auf geharnischte Kritik. Die CS schaffe so zwei Klassen von Opfern. Das wollen nicht alle Geschädigten schlucken. Übers Wochenende haben sich zwei Gruppierungen zum Widerstand gegen die Grossbank formiert:
Die anonyme Opferselbsthilfe-Gruppe ist ein Sammelbecken für Lehman-geschädigte Credit-Suisse-Kunden. Man kann sich ihr «unverbindlich, ohne jegliche Verpflichtung und ohne jede Kosten» anschliessen. Ziel der Gruppe ist es, durch den Zusammenschluss und den Informationsaustausch sicherzustellen, von der Credit Suisse und ihren Beratern «nicht ein zweites Mal in der gleichen undurchsichtigen Art wie in den bereits bekannten Verkaufsgesprächen abgefertigt» zu werden. Weitere Informationen: www.anleger-selbsthilfe.ch.
Die Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer ist daran, sich als Verein zu organisieren. Mitglieder zahlen einen Beitrag von 100 Franken. Sie sollen Unterstützung erhalten bei der Abklärung, ob ein juristisches Vorgehen gegen die Credit Suisse Chancen hat oder nicht. Um die Anwaltskosten für den Einzelnen zu senken, sollen ähnlich gelagerte Fälle gebündelt und gemeinsam bearbeitet werden. Weitere Informationen: www.anlage-opfer.ch.
René Zeyer, Sprecher des Vereins, bestätigt die Zusammenarbeit mit einem angesehenen Anwaltsbüro. Dem Werbeverbot für Anwälte wegen will er den Namen nicht publik machen. Nachforschungen bestätigen aber, dass es sich um eine bekannte Zürcher Kanzlei handelt.
Der Anwalt, der sich der Fälle annehmen will, meint: «Die Bank hat einige Böcke geschossen.» In vielen Fällen stelle er eine grosse Übereinstimmung fest. Da entstehe der Eindruck, dass die Kunden zum Kauf der Produkte überredet worden seien. Auch deute vieles darauf hin, dass es einen Leitfaden dafür gegeben habe, wie man «das Zeug den Leuten anhängt». Die Tatsache, dass sich die CS in gewissen Fällen kulant zeigen will, sei ein Hinweis darauf, dass sie «im einen oder andern Fall ein gröberes Problem» habe.
Auch bei der Selbsthilfegruppe heisst es, dass die CS jetzt einfach die brisantesten Fälle mit einer Vereinbarung aus der Welt schaffen will. Im Gegenzug werde sie die Entschädigten wohl mit einer Klausel zum Schweigen verpflichten.
Tut sie das? «Ihre Fragen zu den Modalitäten möchten wir nicht beantworten», teilt CS-Sprecher Jan Vonder Mühll mit. Ihm ist nur zu entlocken, dass seit Donnerstag ersten Kunden Entschädigungsangebote unterbreitet werden. Diese Angebote können sie annehmen oder ablehnen. Verhandlungsspielraum gebe es keinen.
Die CS weigert sich weiterhin, die Zahl der geschädigten Kunden und die Summe der gefährdeten Anlagegelder bekannt zu geben. Für die Selbsthilfegruppe ist klar, dass die Bank die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen ihren Verkaufspraktiken und einer allfälligen Haftung verhindern will. Die vielen Fälle, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegen, lassen darauf schliessen, dass die Credit Suisse Hunderten, wenn nicht Tausenden Kunden Lehman-Produkte verkauft hat.
Dass sich Kunden gegen die eigene Bank formieren, will die CS nicht kommentieren. Laut Angaben der Selbsthilfegruppe hat sich die Bank aber für die neue Homepage interessiert. Es wurden mehrere Besuche von CS-Computern aus registriert.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.10.2008, 12:48 Uhr
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74 Kommentare
Ganz abgesehen von Lehmann scheint das ein übliches Geschäftsgebahren der CS zu sein. Mir ist ein Fall bekannt, in dem einer hoch betagten Dame (die es wirklich nicht mehr verstehen konnte) ein Anlagefonds aufgeschwatzt worden ist, der nicht völlig, aber immerhin auch deutlich getaucht ist. Antworten
Für viele Betroffene ist das sicher schlimm. Aber mal ehrlich, dass Verkäufer heute landläufig als "Berater" betitelt werden, sollte sattsam bekannt sein. Und dass Verkäufer immer mit Leitfäden arbeiten und entsprechend aggressiv geschult werden, um möglichst viel Umsatz zu generieren, ist auch kein Geheimnis. Wer sich mit seinem Geld vertrauensvoll an Banken-"Berater" wendet, ist naiv. Antworten
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