Wirtschaft
Deutsche Steuerfahndung jagt CS
Von Constantin Seibt. Aktualisiert am 20.03.2010
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- Daten-CD wechselt dieses Wochenende die Hand
- Die Credit Suisse lobt den Schweizer Markt über den grünen Klee
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Der Morgen für die Credit Suisse (CSGN 23.64 -2.92%) und ihre Kunden begann gestern mit der Lektüre der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Diese meldete, die deutsche Steuerfahndung habe erste Verdächtige in Süddeutschland verhaftet.
Deren Bank war die CS, die Namen stammten von der CD, die der deutsche Staat Ende Februar von Unbekannten für 2,5 Millionen Euro gekauft hatte.
Der Anwalt der Verhafteten gab sich beeindruckt: «Das ging unglaublich schnell», sagte er zur Arbeit der Steuerfahnder. «Und das Beweismaterial hat ziemlich gute Qualität.» Die Ermittler wüssten nicht nur die Nummer des Kontos, sondern auch den exakten Betrag. Neu sei auch: «Sie fragten systematisch nach dem Namen der Bankberater.»
Am Abend dann liess die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft die Bombe platzen: Man habe dank der gekauften Daten-CD 1100 Verfahren eingeleitet - gegen die Kunden, aber auch gegen Anlageberater der Credit Suisse.
Die Taktik der Ermittler
Was die 1100 Verdächtigen nun erwartet, schilderte der ehemalige deutsche Steuerfahnder Markus Baumgartner: Verdächtige mit einem Konto auf einer CD werden erst observiert, dann wird ein Schlachtplan entworfen. Die Verhaftung findet immer am Morgen vor Arbeitsbeginn statt. Entscheidend ist, dabei den Druck so gross wie möglich zu machen. Zwar werden bei der Durchsuchung fast nie Dokumente gefunden. Aber das aber hilft dem Verdächtigen nicht - im Gegenteil. Ihm wird gesagt, dass leider nichts gefunden worden sei, also bestehe Verdunklungsgefahr. Man müsse ihn nun in U-Haft nehmen. Ausser er telefoniere freundlichst seiner Bank, den Kontostand durchzufaxen.
Mit dem Fax haben die Fahnder den Beweis - selbst wenn die CD als Beweismittel abgelehnt würde. Nun machen sie Fluchtgefahr in die Schweiz geltend. Der Verdächtige solle bitte per Blitzüberweisung 20 Prozent seines Vermögens den Behörden schicken, ansonsten man ihn doch in U-Haft nehmen müsse.
Am Abend eines solchen Tages haben die Fahnder Beweis und Geld - fast immer. «99,9 Prozent der Leute knicken ein», sagt der Ex-Fahnder. «Auch Leute mit guten Nerven. Denn hier steht ihre Reputation auf dem Spiel.»
Zur Taktik sagte Baumgartner noch, dass es typisch für die Steuerfahnder sei, an einem Donnerstag zuzuschlagen: «Dann ist die Sache Freitag in den Zeitungen. Und Steuersünder haben das Wochenende, um sich zu fürchten.»
10'000 schweissnasse Deutsche
Die Taktik wirkt. Der Ex-Steuerfahnder Baumgartner ist heute Steueranwalt in Zürich und ist Spezialist für Selbstanzeigen. Sein Geschäft läuft «seit den ersten Gerüchten über eine CD» intensiv.
Auch der deutsche Steueranwalt Rainer Krieg arbeitet momentan «sieben Tage die Woche». Denn eine Selbstanzeige ist nichts Simples, sondern oft ein Albtraum aus Papier: Kontendaten müssen bis zehn Jahre zurück aufgearbeitet werden. Das ist besonders bei aktiv gemanagten Portfolios ein Albtraum. «An einem komplexeren Fall arbeitet ein Mitarbeiter oft drei Wochen.»
Die Kunden, die zur Selbstanzeige kämen, sind laut Krieg oft ältere, ehemalige Unternehmer mit meist 500 000 bis 2 Millionen Euro - mit Ausreissern nach oben. «Sie haben nur noch Angst. Und sind nach der Selbstanzeige einfach erleichtert. Ärger auf die Schweizer Banken ist nicht feststellbar.»
Laut Behörden haben sich bis jetzt über 10 000 Steuersünder gestellt: mit etwa 2 Milliarden Euro Schwarzgeld.
Gerüchte bei der CS
Sprecher der Credit Suisse sagten gestern nichts zum Fall. Aus Kreisen der Bank kam aber die Vermutung, dass die Daten von einem der vielen Ex-Credit-Suisse-Berater stammen könnten, die sich mit ihrem Kundenstamm selbstständig gemacht hatten. Als Grund für diese Vermutung erwähnte man, dass 1500 Kundendaten eher wenig seien - ein Verräter in der CS selbst hätte Zehntausende verkaufen können.
Nicht kommentiert wurde die Ankündigung der Ermittler, auch gegen Mitarbeiter der CS vorzugehen. Dabei ist dies keine Überraschung. Sondern ein Politikum erster Ordnung - etwa bei den Verhandlungen über eine eventuelle Amnestie mit Liechtenstein. Denn rechtlich sind in Deutschland sämtliche Berater deutscher Steuerhinterzieher der Beihilfe schuldig.
Dass die Daten-CD die CS betrifft, kommt auch nicht unerwartet. Laut der «Süddeutschen Zeitung» nennen die Staatsanwälte sie seit Wochen nur noch «die Beihilfebank». Und gaben der «Süddeutschen» ein internes Credit-Suisse-Papier aus dem Jahr 2004 weiter. Damals schrieb die Bank, dass 88 Prozent ihrer deutschen Kunden Steuerbetrüger seien. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2010, 09:50 Uhr



