Wirtschaft
Kunden mit System geplündert
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 07.09.2010 10 Kommentare
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Jahrelang blieben die «Verschwörer» unentdeckt. Ein Strafverfahren gegen einen von ihnen wegen anderer Vergehen verlief im Sand. Doch dann fiel einem Ermittler bei der Durchsicht von Kontoauszügen der Bank Sal. Oppenheim für Vermögensverwalter C. auf, dass dieser mit einem Aktiendeal von 18 Millionen Franken an einem Tag 880'000 Franken kassiert hatte. Unerklärlich erschienen auch Zahlungen an zwei Dritte.
So kam 2005 aus, dass C. im Herbst 2000 mit einem Portfoliomanager der Allianz-Gruppe und einem Aktienhändler den Plan ausgeheckt hatte, mit verdeckten Aktiendeals die Kunden des Allianz-Mannes auszunehmen. Dieser gab den Spiessgesellen jeweils bekannt, von welchen Schweizer Firmen er grosse Aktienpakete zu kaufen plante, damit sie sich vorher günstig eindecken konnten.
Mit seinen Grosseinkäufen trieb der Allianz-Mann in 13 Deals den Kurs von Firmen wie Ascom, COS, Tecan, Huber & Suhner, Schweiter, Micronas, Mikron und Phonak in die Höhe. Worauf seine Spezis zu den überhöhten Kursen verkauften. Vom Gewinn von knapp 3,5 Millionen Franken reichte C. dem Allianz-Mann 575'000 Franken und 478'000 dem Aktienhändler weiter. Den Schaden hatten die Allianz-Kunden Versicherer und Pensionskassen , die wegen der Machenschaften des Trios zu viel für die in ihre Depots gelegten Aktien zahlten.
Einmalig hohes Strafmass
Das Bezirksgericht Zürich verurteilte C., der jegliche Schuld bestritt, gestern für das im Fachjargon «Frontrunning» genannte Vergehen zu drei Jahren Freiheitsstrafe, der geständige Allianz-Mann erhielt 21 Monate bedingt. Der Aktienhändler hatte sich bei einem Verhör aus dem Fenster in den Tod gestürzt. Das einmalig hohe Strafmass wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ist ein klares Signal, dass der Missbrauch von Insiderwissen zulasten von Kunden nicht mehr als Kavaliersdelikt betrachtet wird.
Der Fall zeigt exemplarisch, was für Verhältnisse im Aktienhandel da und dort herrschen. Das Verfahren lief ursprünglich auch gegen den einstigen Leiter Investmentbanking von Sal. Oppenheim, ein Mitglied der Geschäftsleitung. Ihm wurde vorgeworfen, er habe das Tun des Trios «unterstützt beziehungsweise ermöglicht», wie der Staatsanwalt im Plädoyer ausführte. Der Topmanager der Bank habe «das von ihm bewirkte Unrecht durch eine entsprechende Geldzahlung» ausgeglichen, worauf das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde.
«Sechsstelliger Betrag als Dankeschön»
Der Allianz-Manager und der unabhängige Aktienhändler hatten bereits einschlägige Erfahrung. Ab 1998 hatten sie in einem «externen Mandatsverhältnis» zur Zürcher Bank Maerki Baumann ausserbörsliche Verkäufe von Aktienblöcken zwischen der Allianz und der Bank so manipuliert, dass «ungerechtfertigt hohe Kommissionen anfielen». Der Allianz-Mann kassierte damals «einen sechsstelligen Betrag als Dankeschön». Strafbares war indes nicht nachweisbar.
Einem ehemaligen Geschäftspartner des Aktienhändlers war im Jahr 2000 vorgeworfen worden, er habe mit 38 Frontrunning-Deals über den Allianz-Mann «einen illegalen Gewinn» von 6,2 Millionen Franken erzielt. Die Deals wurden über Offshorefirmen verschleiert. Der Geschäftspartner zog den Kopf aus der Schlinge, indem er der Allianz den Schaden ausglich, das Strafverfahren gegen ihn wurde eingestellt. Vermögensverwalter C. war zudem durch eine illegale Kickback-Zahlung von 135'000 Franken aufgefallen.
Vorwürfe an die Banken
Hart ging der Staatsanwalt mit den Banken ins Gericht, über die die Deals liefen. Sie hätten «kein echtes Interesse» gezeigt, dem «Treiben der Angeklagten Einhalt» zu gebieten, trotz Anzeichen und konkreter Hinweise. «Möglicherweise liess sich mittels Kommissionen oder durch Trittbrettgeschäfte zu viel gutes Geld damit verdienen.» Er warf Sal. Oppenheim zeitweise «unkooperatives und absolut passives Verhalten» vor. Der Staatsanwalt ging noch weiter: Die Transaktionen des Nostrokontos der Bank und die ihres damaligen Leiters Investmentbanking vermittelten «den Eindruck, dass man sich hier als Trittbrettfahrer» der Deals von C. auf seinem Oppenheim-Konto «betätigt» habe. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.09.2010, 23:26 Uhr
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10 Kommentare
Wo Geld zu verdienen ist, ohne das reale Gegenwerte existieren, sind Insidergeschäfte die logische Folge. Die Politik, die solchem Gebaren ein Ende setzen könnte, reagiert nicht - denn schliesslich zählt auch in der Demokratie das Geld, das man benötigt, um Wahlen zu gewinnen...die letzte Finanzkrise hat wohl nicht gereicht, um den 97% Normalverdiener die Augen zu öffnen - das Spiel geht weiter... Antworten
Das ist nicht mal die Spitze des Eisberger. Man kennt sich untereinander sehr gut. Man trifft sich zum Mittagessen, redet darüber welche Käufe / Verkäufe anstehen und wer noch jemanden von der Bank, der Versicherung, dem Rohstoffhändler kennt. Ein guter Weg ist einen Headhunter oder Personalverantwortlichen einzuladen um die richtigen Kontakte in die Wege zu leiten und wir alle verdienen gut daran Antworten
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