Wirtschaft
Kurzer Prozess mit US-Kunden
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 27.01.2012 29 Kommentare
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Die Marke Wegelin bleibt erhalten. Jene Geschäftseinheiten der Privatbank, die US-Kunden betreut haben, verbleiben am Sitz der Wegelin & Co. in St. Gallen. Das restliche Geschäft geht in die neu gegründete und von Raiffeisen übernommene Notenstein Privatbank über. Das Kundenvermögen: rund 21 Milliarden Franken.
Jetzt geht es darum, was mit den verbleibenden US-Kunden der Bank Wegelin geschehen soll. Derzeit befindet sich das US-Geschäft in Abwicklung. Dieses sogenannte Rumpfgeschäft verbleibt bei Wegelin & Co., das offenbar noch nicht vollständig abgearbeitet werden konnte. Frau Widmer-Schlumpf sprach darüber am WEF in Davos mit US-Finanzminister Timothy Geithner. Sie wolle diese Angelegenheit schnell über die Bühne bringen, «um nicht jedes Jahr wieder neu verhandeln zu müssen».
Die bisherigen unbeschränkt haftenden Teilhaber der Bank Wegelin bleiben mit der Bank einstweilen verbunden, bis alle weiteren juristischen Fragen restlos geklärt sind. Erst dann wird sich herausstellen, was genau mit der Marke Wegelin geschehen wird und welche juristischen Geplänkel noch folgen werden.
Weitere Skandale möglich
Die Auflösung der Konten und die Liquidierung des US-Geschäfts der Privatbank werden aber nicht auf einen Schlag passieren, sagt ein mit der Bank Wegelin Vertrauter zu baz.ch/Newsnet. Erst wenn alle verbleibenden Kunden abgewickelt wurden, seien die institutionellen Angelegenheiten vorbei. Kenner der Bankenszene gehen davon aus, dass im Zuge der Kontenauflösungen noch der eine oder andere prominente Fall an die Oberfläche gespült werden könnte, der im Steuerstreit mit den USA bisher unbemerkt blieb.
Im Detail geht es darum, die Bankkunden auf die eine oder andere Art zu verabschieden. So haben dies andere Banken bisher gehandhabt, die in brisante US-Steuergeschäfte verwickelt waren: In einem Anschreiben wird formuliert, dass der betreffende Bankkunde 60 Tage Zeit hat, sein Geld abzuziehen und das Konto zu schliessen. Tut er dies nicht, erledigt das für ihn kurzerhand die Bank. In dem Fall verschickt Wegelin einen Scheck über das verbleibende Guthaben und schliesst das Konto. «Mit den Kunden wird üblicherweise kurzer Prozess gemacht», weiss Bankenanalyst Andreas Venditti von der ZKB.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2012, 16:28 Uhr
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29 Kommentare
Das Verstecken der amerikanischen Fluchtgelder war falsch. Die selbstherrliche amerikanische Neokolonalisierungspolitk aber noch verwerflicher. Der Schachzug mit dem Verkauf der intakten Bankgeschäfte war eine Glanzleistung. Jetzt ist Wegelin weniger erpressbar. Für das Restgeschäftes gilt wieder vermehrt Schweizer Recht. Den USA bleiben nur internationale Haftbefehle. Antworten
Beihilfe zu Steuerhinterziehung zu rechtfertigen mit der Unstatthaftigkeit der Ermittlungsmethoden mag ein schwach entwickeltes Gewissen beruhigen, aber
schützt vor Strafe nicht. Das sollten eigentlich die Spezialisten inzwischen wissen
Offenbar ist es verwerflich, dazu beizutragen, dass der US-Unrechtsstaat, der seine wirtschaftlichen Interessen überall in der Welt mit Kriegen durchsetzt, Vietnam, Korea, Irak, Afghanistan, uws., so dass sich alles dem US Imperialismus unterzuordnen hat. Dagegen sind US-Offshorestaaten wie Delware selbstverständlich legal. Legal = alles,was die USA dafür erklären. Der Rest ist Unrecht.
@ dieter hummer die us versucht nicht vom eigenen chaos abzulenken, die regierung von obama versucht ihre probleme zu lösen. die bush admin hat das land in den bankrott geführt. obama holt nun geld wo es möglich und richtig ist, bei den super reichen. dies hat nichts mit der schweiz zu tun. yes we can! Antworten
Und wie es hat! Obama hat in seinem Wahlkampf angekündigt er wolle alle angeblichen Steuersümpfe austrocken. Selbstverständlich nur ausserhalb der USA. Dass es in Delaware möglich ist Companys praktisch anonym zu gründen und in Miami dafür ein Konto zu eröffnen wobei die Bank den wirtschaftlich Begünstigten nicht kennt ist bewiesen und mehr als bedenklich. Aber hauptsache die Schweiz an die Wand
Die FINMA hat hierzu sowieso keine Abklärungen gemacht, denn das ist die Aufgabe von Raiffeisen selber. Ich bezweifle aber, dass sie das wirklich sauber gemacht hat, denn das braucht i.d.R. viel mehr Zeit. Dieser Deal könnte sich noch als Wundertüte/ Bumerang entpuppen.
Geschickter Schachzug, um dem Druck der US-Administration zu weichen.
UBS und CS wurden erpresst, Hummler reagiert anders, nämlich so wie in der TBTF Diskussion gefordert:
Im Notfall muss man kritische Bereiche abtrennen.
Sollen sich die US Amerikaner mit der Wegelin Hülle in den USA beschäftigen.
Hr. Hummler wird selbstverständlich seine Hand über Umwege in der Notenstein drinhaben..
Antworten
Das Geld ist nirgens mehr geschuezt, bekomme praktische jede Woche eine email Anfrage Geld zu vereinnahmen uebliche Gewinnbeteiligung 50 % es kracht in den Steuer Oasen auch in der Schweiz, die Angestellten die diese Machenschaften an das IRS verpfeifen bekommen 25 % Erfolgspramie, UK ist das naechste Opfer und dann alle anderen, die Wissen es nur noch nicht, der Normalo ist schwer sauer auf alle! Antworten
Es gibt über 50 Länder, die auch in Zukunft das anbieten, was wir hier aufgeben. Also erzählen Sie hier keine Märchen. Wenn man mit Steuerberatern aus dem arabischen Raum redet oder aus Südostasien, lachen die sich fast kaputt. Die scheren sich einen Dreck darum, was USA oder EU wollen, die haben da nämlich keine Druckmittel wie bei der kleinen Schweiz.
Erstaunlich wie die Amerikaner es hierzulande fertig bringen, die Banken als Steuersünder zu beschuldigen.
Und die meisten hier abgefassten Kommentare gehen in die gleiche Richtung. Seit wann ist die Bank für meine Steuerangelegenheiten zuständig ?? Das ist doch mein Business - oder nicht ? Übrigens, es heisst Bank-Kundengeheimnis und nich Bankgeheimnis! Die Banken sind nicht geheim.
Antworten
Steuerbetrug gleich Steuerhinterziehung. Kundengeheimnis gleich Bankgeheimnis gleich Bank-Kundengeheimnis. Pure Wortklauberei über eine unsaubere Angelegenheit, einigen wir uns also auf Betrugsgeheimnis.
In allen anderen Bereichen verwendet man den Begriff "persönlicher Datenschutz". Es ist ein datenschutzrechtliches problem, kein Geheimnis.
@Montana Wieso soll man keine Offshore Firmen als Service anbieten? Ist weder in der CH noch in den USA verboten. Viele Amerikaner haben offshore Gesellschaften, nicht nur Geld in Delaware. Strafbar macht sich der Amerikaner (aber sicher nicht CH Banker) wenn er seine Gelder in der offshore Firma nicht dem Fiskus angibt. Und ob jemand seine Gelder angibt war bisher nie Aufgabe der Banken.
Bitte nicht so Unsinn. (1) "Bankkundengeheimnis" und "Bankgeheimnis" haben wenig Relevanz. Das Bankengesetz verwendet den Begriff "Berufsgeheimnis". Gesetz und Praxis liefern Definitionen dazu (2) Wie in vielen Rechtsgebieten macht sich bei Gesetzesverstössen im Steuerrecht (Steuerbetrug/-hinterziehung - je nach Jurisdiktion) der Helfer mitschuldig.
Mindestens sobald die Bank aktiv Offshore Konstrukte für den Kunden anlegt steht sie in der Pflicht.
Im Gegensatz zu den angestellten Bossen der Grossbanken, wie z. B. Ospel, die nach ihrem Versagen noch einen goldenen Fallschirm erhielten, haften die Teilhaber der Bank Wegelin mit ihrem gesamten Privatvermögen für alle Verbindlichkeiten. Also werden die Steuerzahler (im Gegensatz zur UBS-Rettung) nicht zur Kasse gebeten. Ein wenig mehr Respekt wäre also angebracht. Antworten
Konrad Hummler, Wegelin Teilhaber in Manager-Magazin 05/08: "Steuern zahlen hat in der Schweiz einen Aspekt der Freiwilligkeit (...) Obrigkeiten kann man nur betrügen, Freiwilligkeit macht da keinen Sinn". Da haben die amerikanischen "Obrigkeiten" offensichtlich genau hingschaut! Hummler hat es also fertiggebracht die älteste Privatbank der Schweiz an die Wand krachen zu lassen! Antworten
Rechtlich natürlich falsch seine Aussage, aber moralisch nicht ganz. Wenn einer sein Sparkonto nicht angibt, bezahlt er zwar weniger Steuern, dafür werden ihm 35% Verrechnungssteuern abezogen, also mehr als Steuern fällig wären. Der Bürger kann wählen zwischen Diskretion oder weniger Steuern. Die Frage ist doch, in welchem System mehr hinterzogen und betrogen wird, hier oder z.B. D/USA ?
Das Bankgeheimnis hat nun - wenn auch indirekt - dazu geführt, dass der Finanzplatz schaden genommen hat und einzelne Banken sogar auf der Strecke bleiben. Wäre es nicht für alle Beteiligten sinnvoller gewesen, die Kritik aus dem Ausland ernst zu nehmen, das Steuersünder nicht geschützt werden dürfen? Datenklau und Kavallerie-Attacken wären nie passiert. Antworten
Wenn Obama sein Delaware, Miami + co., Sarkozy sein Monaco und Cameron seine Kanalinseln schliesst etc. , dann könnte man darüber ja reden. Aber selber Wein trinken und Wasser predigen, ist einfach nur ein Hohn !
Das verstehen unsere Banken als Kundendienst. Wenn das zerbröckelnde Bankkudnengeheimnis nicht der Grund für die Niedergang der Schweizer Banken ist, ist es deren Verhalten gegenüber den einst umworbenen, gehegten und gepflegten US-Kunden. Nach dem Kundenabschluss kommen dann noch die Schadenersatzklagen. Swiss Banking, ade. Antworten
Grundsätzlich bin ich nicht schadenfreudig. Aber bei der allgemeinen Überheblichkeit der meisten Banken, muss ich sagen: Mögen sich die unbeschränkt haftenden Teilhaber im Angstschweiss schwimmen und möge jeder auf die Strasse gestellte Bänker, nochmal darüber nachdenken, was er/sie mit den Begriffen "Sicherheiten" und "Seriosität", was er/sie von den Kunden verlangte, genau meinte. Antworten
@Bühler: ich gebe ihnen soweit Recht, als dass nur noch möglich wäre, dass der Bundesrat einknickt und eine Busse für die Amerikaner eintreibt...vielleicht gibt es auch wieder einmal einen "Fonds"..
Die Gesellschafter brauchen sich keine Sorgen zu machen. Das normale Geschäft wurde verkauft und geht normal weiter. In der US Sache hat die USA kaum mehr Druckmittel, da in der CH (und auch in USA) nichts illegales gemacht wurde, es war nur eine Erpressung, die läuft nun ins Leere. Auch einer US Busse kann Wegelin gelassen entgegensehen, da in der CH nicht beizutreiben, wir sind ein Rechtstaat.
Die Machenschaften der amerikanischen Justiz - die übrigens selber Steuerparadiese hegen und pflegen - geht einem auf die Nerven. Verabschiedet euch von US$-Devisen-Geschäften. Es wäre an der Zeit, wenn Amerika ihre Probleme nur ansatzweise angehen würde, als stur auf Europa und der CH herum zu reiten nur um vom eigenen Chaos abzulenken. Antworten


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