Wirtschaft

Lehmans verzweifelte Hausfrauen

Aktualisiert am 08.03.2010

Die Geschichte über den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ist hinlänglich bekannt. Nicht aber die der Manager-Frauen. Jetzt wird sie erzählt.

1/4 Standen im Zentrum des Geschehens: Der langjährige Chef von Lehman Brothers, Richard Fuld und seine Ehefrau Kathy.
Bild: ZVG

   

«Niki Gregory liebte die Kleider und den Schmuck, den sie von ihrem Ehemann bekam. (...) Sie holte die Lehman-Frauen in ihr Haus, um ihnen ihre Schuhsammlung zu zeigen. Eine, die das gesehen hat, sagte, der Raum für die Schuhe war doppelt so gross wie die Filiale von Jimmy Choo in New York.» Die Frau des früheren Lehman-Präsidenten Joseph Gregory wird hier beschrieben von Vicky Ward, einer Journalistin bei «Vanity Fair». In einem Artikel der April-Ausgabe des US-People-Magazins gibt sie einen Eindruck davon, was demnächst in Buchform veröffentlicht wird. «The Devil’s Casino», heisst die verheissungsvolle Enthüllungsstory und sie beschreibt das unter anderem das Leben der Manager-Frauen.

Man kann es sich ungefähr vorstellen, was passiert, wenn Geld im Überfluss vorhanden ist. Ward berichtet vom Leben mit 30 Bediensteten der Gregorys und wie es ist, wenn man jährlich 15 Millionen Dollar für persönliche Dinge ausgibt. Auch, dass die Manager-Familien mit den Flugzeugen und Helikopter der Bank – sie nannten sie Lehman Air – an die diversen Anlässe reisten, überrascht nicht unbedingt.

Der gespielte Knochenbruch

Was aber natürlich hervorsticht, sind die kleinen Geschichten aus dem Alltag der Manager-Frauen. So beschreibt Karin Jack, bis 2008 Ehefrau von Lehman-Manager Brad Jack, wie sie versuchte, die jährlichen Wanderungen bei den Fulds zu umgehen. Laut ihren Schilderungen hatte Richard Fuld – der legendäre Chef der zusammengebrochenen Investmentbank – den obersten Zirkel der Chefetage und deren Frauen zu sich in seine Ranch im Sun Valley im Bundesstaat Idaho eingeladen. Zum jährlichen Programm gehörte eine Bergwanderung. Eigentlich war Karin Jack nur schon das Packen zu viel. «Nebst dem Abendkleid und der Sportausrüstung mussten wir auch noch die Wanderschuhe mitnehmen», so die Karin Jack. Als es ihr zu viel wurde, versuchte sie dem Geschehen mit einem vorgespielten Beinbruch zu entkommen. Sie trug einen nicht echten Gips. Pech nur, dass Niki Gregory tatsächlich einen Bruch hatte und trotz des Gipses auf die Wanderung ging. «Ich wollte nur noch sterben», so Karin Jack.

Keine «Lehmanite» mehr

Überhaupt war es um die Freundschaft der Lehman-Frauen nicht vom besten. In dem Bericht von Journalistin Vicky Ward reden alle von Neid und Missgunst. Besonders schlimm wurde es, wenn einer der Männer geschasst wurde. Ab sofort gehörten sie nicht mehr zum «Klub». Sie waren keine «Lehmanite» mehr. Irgendwie erinnert das natürlich auch alles ein wenig an «Desperate Houswives». Und so nennt die «Vanity Fair»-Schreiberin denn auch ihren Artikel.

Über den Zusammenbruch von Lehmen Brothers wurde bereits unendlich viel geschrieben. Die ganze Geschichte über die persönlichen Hintergründe der Finanzjongleure und ihrer Frauen kriegt man nächstens in Buchform zu lesen. (cpm)

Erstellt: 08.03.2010, 11:54 Uhr

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