Wirtschaft
Lidl wirbt mit Fantasie-Öffnungszeiten
Von David Schaffner, Luzern. Aktualisiert am 11.03.2009 72 Kommentare
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Die deutsche Handelskette Lidl sorgt in der Schweiz für Zoff, noch bevor die ersten Kunden überhaupt ihre Einkaufswagen durch die Kasse geschoben haben. In Zeitungsinseraten, die in sieben Kantonen erschienen sind, wirbt der Discounter mit «angenehmen Ladenöffnungszeiten» von werktags 8 bis 20 Uhr und samstags 8 bis 18 Uhr. In vier dieser sieben Kantone, in denen Lidl am 19. März seine 13 ersten Schweizer Läden eröffnen wird, sind solch lange Öffnungszeiten allerdings gar nicht erlaubt.
Lidl bedauert «Missverständnisse»
Die Schweizer Konkurrenten der deutschen Billigkette reagieren denn auch verärgert auf diese Lidl-Inserate. «Der Discounter wirbt mit unlauteren Methoden», kritisiert beispielsweise Heinz Bossert in der «Neuen Luzerner Zeitung». Das Geschäftsleitungsmitglied des Schweizerischen Detaillistenverbands ist überzeugt, dass es sich bei diesen längeren Öffnungszeiten um eine bewusste Fehlinformation handelt. «Lidl hat sich während Jahren auf den Markteinstieg in der Schweiz vorbereitet», sagt er. «Die wissen ganz genau, was sie hier dürfen und was nicht.» Laut Bossert wird der Verband gegen Lidl klagen, falls der Discounter mit der Kampagne fortfährt.
Die Geschäftsführung von Lidl in der Schweiz zeigte sich gestern überrascht über diese Drohung: «Wir bedauern, dass unsere Kampagne zu Missverständnissen bezüglich unserer Öffnungszeiten geführt hat.» In den verschiedenen Kantonen seien Inserate erschienen, die bis auf wenige Details identisch seien.
Lidl will in Zukunft korrekt inserieren
Es sei nicht primär das Ziel gewesen, die Lidl-Öffnungszeiten zu kommunizieren. «Selbstverständlich werden wir unsere Öffnungszeiten im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und der örtlichen Gepflogenheiten gestalten», teilten die Lidl-Verantwortlichen weiter mit.
Konkret heisst dies: Die Filialen in den Kantonen Luzern, Zug, St. Gallen und Solothurn werden nicht von Montag bis Freitag bis 20 Uhr geöffnet sein, sondern teilweise nur bis 18.30 oder 19 Uhr. Der deutsche Gigant kann sich somit keinen entscheidenden Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Migros oder Coop verschaffen. In Kantonen mit langen Öffnungszeiten erzielen die Detaillisten kurz vor Ladenschluss sehr gute Umsätze, weil viele berufstätige und zahlungskräftige Kunden erst dann einkaufen.
Lidl verspricht, bei künftigen Kampagnen die Öffnungszeiten der einzelnen Filialen anzugeben. Für die Geschäfte in den Kantonen Zürich, Thurgau und Aargau waren die Angaben im Inserat korrekt.
Lidl hat Imageprobleme
Die ungenauen Öffnungszeiten kurz vor Eröffnung der Lidl-Filialen haben die Konkurrenten wohl auch deshalb aufgeschreckt, weil die Kette in Deutschland ein angeschlagenes Image hat. Im letzten Jahr musste sich Lidl öffentlich entschuldigen, weil der Discounter Mitarbeiter überwacht hatte. Ein Gericht brummte Lidl zudem eine Busse von 1,5 Millionen Euro auf, weil die Firma gegen den Datenschutz verstossen hatte. Die deutschen Gewerkschaften werfen Lidl regelmässig vor, Mitbestimmungsrechte zu verletzen. Nur wenige der Angestellten sind in Deutschland gewerkschaftlich organisiert.
Trotz dieses schlechten Images lässt es sich Lidl übrigens nicht nehmen, auch mit einem besonders edlen Produkt zu handeln: Neuerdings verkauft der Discounter selbst Goldmünzen und Goldbarren – laut einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» allerdings mit einem satten Aufschlag von bis zu 38 Prozent gegenüber dem offiziellen Goldkurs. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.03.2009, 15:48 Uhr
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72 Kommentare
Endlich kommt auch LIDL in die CH. Unter diesem Druck konnte doch Coop tatsächlich anfang Jahr 600 Produkte im Preis senken (wieso nicht schon lange?). Danke ALDI und LIDL. Nun ist die jahrzehntelange unanständige Abzockerei der Konsumenten durch Coop und Migros zu Ende. Antworten
Toll, wahrscheinlich wird über kurz oder lang auch bei und die Geiz ist Geil Mentalität Einzug halten. Freue mich extrem :-(. An alle die meinen Lidl zahlt ja gar nicht so wenig: Lidl stellt keine Mitarbeiter zu 100% ein, das Höchstpensum ist 80%, aber trotzdem müssen die Angestellten zu 100% zur Verfügung stehen. Werde ganz sicher nie dort einkaufen. Hoffentlich geht Lidl in der Schweiz pleite. Antworten
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