Martin Wagner zum Kauf der Basler Zeitung
Von Martin Wagner. Aktualisiert am 08.02.2010 2 Kommentare
Martin Wagner, der neue Verwaltungsratspräsident, erklärt, warum er 25 Prozent der Basler Zeitung Medien gekauft hat. (Bild: Keystone)
Sehr geehrte Damen und Herren
Wie Sie eben von Matthias Hagemann gehört haben, übernehmen Dr. Tito Tettamanti 75 Prozent der Anteile der Basler Zeitung Medien und ich 25 Prozent. Doch, um den Ball von Matthias Hagemann aufzunehmen: Ein solches Unternehmen kauft man nicht einfach mal so. Da muss auch Herzblut im Spiel sein. Da muss Begeisterung für guten Journalismus, muss der Wille zu einem echten Engagement vorhanden sein. Unsere Motivation, die Basler Zeitung zu kaufen, lässt sich am einfachsten mit der Gleichung "Basler Zeitung für Basel, Basel für die Basler Zeitung" aufzeigen. Wir bauen auf die Menschen im Unternehmen und ausserhalb des Unternehmens.
Wir engagieren uns, weil wir die Basler Zeitung als unabhängige Tageszeitung erhalten wollen. Damit soll das hinter der Basler Zeitung stehende Medienhaus, die Basler Zeitung Medien, das führende, unabhängige Medienhaus der Nordwestschweiz bleiben. Wie Sie wissen, habe ich mich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Titel der Jean Frey AG als unabhängige Stimmen erhalten bleiben.
Ein Zeichen gegen die Medienkonzentration
Ein Land ohne Medienvielfalt verarmt intellektuell. Unser demokratisches System funktioniert nur mit einem Meinungswettbewerb unter unabhängigen Medien. Wir haben daher mit dem Kauf der Basler Zeitung Medien erneut ein Zeichen gegen die Medienkonzentration gesetzt. Auf der anderen Seite erwarten wir, dass Basel für die Basler Zeitung einsteht. Wir brauchen Leser, Abonnenten und Inserenten.
Wir sorgen im Gegenzug dafür, dass der demokratische Diskurs in unserer Region durch eine kritische Tageszeitung begleitet wird. Man muss auch künftig mit den Beiträgen und Kommentaren unserer Redaktoren nicht immer einer Meinung sein. Aber es ist doch für eine derart wichtige Wirtschaftsregion wie Basel entscheidend, dass diese Meinung in Basel gemacht wird. Eines ist klar und dies ist gleichzeitig mein verlegerisches Credo: Die Basler Zeitung wird sich konsequent für eine freie Marktwirtschaft einsetzen, für einen finanzierbaren Sozialstaat, für das Privateigentum, für die freie Entfaltung des Einzelnen, für die Interessen der Umwelt, für ein starkes, lebens- und liebenswertes Basel. Die Basler Zeitung steht aber auch für die Presse- und Meinungsfreiheit, ein hohes Gut in diesem Land, zu dem Sorge getragen werden muss.
Ein rascher Abbau der Fremdverschuldung
Selbstverständlich tun wir all das nicht aus rein ideellen Gründen. Wir haben die Absicht, mit diesem Investment auch eine gute Rendite zu erwirtschaften. Ich engagiere mich schliesslich mit meinem eigenen Vermögen. Das Unternehmen muss sich selbst tragen und Reserven für Investitionen bilden können. Unabhängigkeit bedeutet somit insbesondere auch ein rascher Abbau der Fremdverschuldung.
Unsere Mitarbeiter müssen enger zusammenrücken, das gilt im Besonderen für Verlag und Redaktion. Ich verlange, dass in diesen, für jedes Verlagshaus enorm schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, alle am gleichen Strick ziehen.
Nur so können wir aus den Basler Zeitung Medien wieder eine Erfolgsgeschichte machen. Dafür sind Dr. Tettamanti und ich ein unternehmerisches Risiko eingegangen. Als ersten Schritt haben wir verhindert, dass die Basler Zeitung ihre Identität verliert und als reines Mantelblatt mit fremdbestimmtem Inhalt daherkommt. Eine Zeitung, von der nichts anderes übrigbleibt, als der Titel "Basler Zeitung" ist doch ein Etikettenschwindel. Die Transaktion ist in letzter Minute gelungen, sie hing aber an einem sehr dünnen Faden.
Start mit einem kleinen Verwaltungsrat
Ich kann Sie versichern, dass mir am Freitagabend, nachdem die Verträge unterschrieben waren, ein Stein vom Herzen fiel. Nun sind alle Kräfte gefragt, um das Ziel, auch in Zukunft eine unabhängige BaZ zu haben, zu erreichen. In diesem Sinne bezeichnen wir unser Vorhaben als ein öffentliches Joint Venture oder zu Deutsch ein Gemeinschaftsunternehmen der Region Basel. Wir danken an dieser Stelle der Verlegerfamilie Hagemann und der PubliGroupe für ihre ausserordentlichen verlegerischen Leistungen während Jahrzehnten und den verantwortungsvollen Umgang mit der Basler Zeitung.
Uns nun die BaZ in die Hand zu geben, war nicht einfach, wir wissen das und wir werden alles tun, das in uns gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen. Wir sind vor diesem Hintergrund auch sehr dankbar für die Bereitschaft von Matthias Hagemann, im Verwaltungsrat zu bleiben, um unsere Arbeit zu unterstützen. Dies erleichtert den Übergangsprozess wesentlich. Wir starten am Anfang mit einem kleinen Verwaltungsrat, bestehend aus vier Personen, Matthias Hagemann, dem Basler Medienunternehmer Bernhard Burgener, dem Basler Notar Pascal Berger und mir.
Eine gute Basis für eine erfolgreiche Zukunft
Ich werde als Verwaltungsratspräsident und BaZ-Verleger die Geschicke des Unternehmens aktiv mitgestalten. In der Unternehmensleitung der Basler Zeitung Medien wird es zu einem Führungswechsel kommen. Beat Meyer, CEO der Unternehmensgruppe, wird die BZM verlassen. Der bisherige CFO, Jürgen Hunscheidt wird dessen Funktion übernehmen. Gleichzeitig übernimmt der bisherige Verlagsleiter Roland Steffen, konzernweit die Funktion als COO (Chief Operating Officer). Beide Manager sind langjährige Leistungsträger des Unternehmens und wie ich als langjähriger Konzernanwalt mit diesem eng verbunden. Chefredaktor der Basler Zeitung bleibt Matthias Geering.
Damit ist eine gute Basis gelegt für eine erfolgreiche Zukunft der Basler Zeitung Medien. Wir arbeiten nun gezielt auf den Vollzug der Transaktion hin und gehen davon aus, dass der Besitzerwechsel kurz nach den Fasnachtsferien abgeschlossen werden kann. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (bazonline.ch/Newsnetz)
Erstellt: 08.02.2010, 14:01 Uhr
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2 KOMMENTARE
@Peter Schlegel! Sie haben es richtig erkannt werter Herr Schlegel, es wird wie sie sagen ein "regelrechtes" Medienimperium entstehen, haben sie etwa auch schon wieder etwas dagegen?!
Das Ganze erinnert verdächtig an die Übernahme der Weltwoche durch Roger Köppel. Auch die Argumentationsweise von Martin Wagner (unabhängiges Medium bleiben), könnte man so fast wortwörtlich auch in der Weltwoche lesen. Interessanterweise ist Martin Wagner ja Verwaltungsrat bei der Weltwoche Verlags AG. Köppel und Wagner sind langjährige Geschäftspartner. Entsteht da ein rechtes Medienimperium?
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