Wirtschaft
Matt Damon versetzt die US-Gaslobby in Alarmstimmung
Von Simon Schmid. Aktualisiert am 10.10.2012 35 Kommentare
Drill, Baby, Drill: Trailer zum Film «Promised Land» mit Matt Damon.
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Im Auftrag der Gasindustrie unterwegs: Matt Damon auf dem Filmposter von «Promised Land». (Bild: PD)
Fracking
Fracking, auch Hydraulic Fracturing genannt, ist eine Technologie, die bei der Förderung von sogenannten unkonventionellen Erdgasvorkommen eingesetzt wird. Diese Erdgas-Förderung ist deutlich aufwendiger und riskanter als bisherige Fördermethoden, weil das Erdgas im Gestein eingeschlossen ist und mit einem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien wie etwa Benzol aus dem Untergrund gesprengt werden muss.
Fracking ist in der Förderung von Erdöl und Erdgas (insbesondere bei Schiefergas) zunehmend verbreitet, um Förderrückgänge der alternden Felder auszugleichen. 2008 wurde diese Technik vor allem in den USA mehr als 50'000 mal angewendet.
Zu den Umweltrisiken bei der Fracking-Methode gehört unter anderem die Verunreinigung des Grundwassers. Im November 2010 beauftragte der US-Kongress die EPA mit einer Neubewertung der potentiellen Kontamination von Grund- und Trinkwasser durch den Frac-Prozess. Die Ergebnisse dieser Studie werden nicht vor 2012 erwartet.
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Mehr als ein Trailer kam noch nicht an die Öffentlichkeit. Trotzdem rüstet sich die Öl- und Gaslobby bereits jetzt gegen «Promised Land». Der Film, in dem Matt Damon die Hauptrolle spielt, tangiert ein für die Energieproduzenten heikles Thema: das sogenannte «hydraulic fracturing» oder kurz Fracking. Bei dieser Gewinnungsmethode werden gigantische Mengen Flüssigkeit in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst, um Öl- und Gasvorkommen freizulegen. Unter Umweltgesichtspunkten ist das Verfahren höchst umstritten, Frankreich verbot seine Anwendung etwa letztes Jahr.
«Promised Land» soll in den US-Kinos am 28. Dezember anlaufen. Wie das «Wall Street Journal» heute berichtet, haben amerikanische Energiefirmen ihre PR-Maschine bereits angeworfen. Weil sie besorgt ist, dass die Gasindustrie im Film zu schlecht wegkommen könnte, will die Independent Petroleum Association of America (IPAA) etwa Filmkritiker mit einer Fülle von Informationsbroschüren und wissenschaftlichen Studien zur Fracking-Technik eindecken. An Filmbesucher sollen Flugblätter verteilt werden, zudem sollen auf Facebook und Twitter sogenannte «Wahrheits-Squads» über die im Film gemachten Aussagen wachen.
Engagiertes Kino
Dabei sind über den Plot des Films erst die Eckpunkte bekannt. Damon wird als Vertreter einer Gasfirma in eine Kleinstadt geschickt, um den Bewohnern die Nutzungsrechte für ihr Land abzukaufen. Mit Millionenversprechen versuchen Damon und seine von Frances McDormand gespielte Arbeitskollegin, der abgewirtschafteten Stadt das Fracking-Abenteuer schmackhaft zu machen. Alles läuft gut, bis ein Farmer aus einer fremden Stadt auftaucht, der von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Fracking berichtet. Konfrontiert mit toten Kühen und abgestorbenem Land befinden sich die smarten Verkäufer bald im ethischen Clinch mit ihrer Mission.
Verantwortlich für die Story ist Matt Damon selbst, als Regisseur wurde Gus van Sant engagiert. Produziert wird der Film von der NBC-Universal-Einheit Focus Features, in Zusammenarbeit mit Participant Media. Letztere Firma ist bekannt für ihr Engagement in Sozial- und Umweltthemen. 2004 gegründet, brachte das Unternehmen etwa die Klimawandel-Doku «An Inconvenient Truth» oder den Episodenfilm «Fast Food Nation» heraus. Zuletzt produzierte Participant Media das historische Drama «No!», in dem Gael García Bernal als Werber zum Umsturz des Pinochet-Regimes in Chile beiträgt.
Ein prominentes Vorbild
Pikant aus Sicht der US-Ölindustrie ist, dass auch der Nahe Osten über das Unternehmen Abu Dhabi Media Company an der Finanzierung des Films beteiligt ist. Dass das Emirat als einer der grössten Ölproduzenten ausgerechnet einen kritischen Film zur Fracking-Technologie fördert, kommt nicht gut an. Fracking wurde in Amerika auch schon zur nationalen Souveränitätsfrage hochstilisiert. Dank der Erschliessung neuer Vorkommen sollen die USA in den kommenden Jahrzehnten massiv weniger Öl und Gas importieren. Im US-Präsidentschaftswahlkampf setzt sich die IPAA offen für den Republikaner Mitt Romney ein.
Ob die Kampagne gegen «Promised Land» Erfolg haben wird, oder sich im Gegenteil gegen die Urheber selbst richten könnte, lässt sich schwer abschätzen. Dem Trailer nach zu urteilen, ist Matt Damons Film deutlich weniger aggressiv als etwa «Gasland», ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010. In diesem Film erforscht der Filmemacher Josh Cox die Auswirkungen von Fracking, nachdem ihm eine Gasfirma 100'000 Dollar für sein Land anbietet, und stösst dabei auf zahlreiche Ungereimtheiten. Auch «Gasland» wurde im Internet auf seine Akkuratesse seziert – teils durch unabhängige Blogs, teils durch partei- oder wirtschaftsnahe Verbände. Trotzdem erhielt der Film 2011 den Oscar für den besten Dokumentarfilm. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.10.2012, 16:04 Uhr
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35 Kommentare
Die Gefahr beim Fracking ist, dass giftige Stoffe, welche zur Erdgasgewinnung in den Boden gespritzt werden (z.B. Benzol, welches krebserregend ist) ins Grundwasser gelangt. In Europa (z.B.) Hessen soll die Frackingmethode auch angewandt werden. Die Welt hat Asbest, Schweizerhalle, Seveso, radioktive Brennstäbe zu verdauen, auf Benzolinfusionen kann sie verzichten. Antworten
Ohne etwas zur Technologie zu sagen (dazu hab ich zu wenig Ahnung davon) oder zum Film (hab den Trailer nicht geschaut): sogenannte «Wahrheits-Squads» von Lobbyistenvertretern... Ich hab mich gekugelt vor Lachen. Das würde ich im Lexikon als Definition eines Paradoxons hinschreiben. Ein besseres Beispiel gibt es nicht. Antworten
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