Wirtschaft

Mehr als 700 US-Banken droht der Bankrott

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 02.03.2010 16 Kommentare

Die Finanzinstitute in den USA sind keineswegs über den Berg. Vor allem bei Spar- und Leihkassen sowie regionalen Instituten spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Die Zahl der faulen Bankkredite in den USA nimmt zu.

Die Zahl der faulen Bankkredite in den USA nimmt zu.

Die grossen Wallstreet-Banken mögen das Schlimmste überstanden haben. Doch über 8000 Institute, die das Land mit Geschäftskrediten, Baudarlehen und Hypotheken versorgen, stehen vor riesigen Problemen: Jeder zehnte ausstehende Kredit ist in Verzug oder bereits verloren. Die staatliche Einlagenversicherung FDIC befürchtet, dass über 700 Banken akut gefährdet sind.

Das Ausmass der gefährdeten Kredite verdeutlicht, wie unausgewogen der staatliche Auskauf der Finanzindustrie nach dem Kollaps von 2008 war. Der grösste Teil der Zuschüsse kam den dominanten Banken an der Wallstreet sowie einigen führenden Regionalbanken zugute; die starken wurden dadurch noch stärker und noch dominanter. Im Land draussen aber, wo die Spar- und Leihkassen sowie regionale Institute die entscheidende Rolle spielen, hat sich die Lage drastisch zugespitzt. Noch nie seit der grossen Depression kämpften diese Banken mit so vielen gefährdeten Krediten, wie aus der jüngsten Bilanz der FDIC hervorgeht, die 1934 gegründet wurde und heute Spareinlagen bis zu 250'000 Dollar absichert. Die Banken mussten letztes Jahr 3 Prozent der Kredite als Totalverluste abschreiben. Zusätzlich sind mehr als 7 Prozent in Zahlungsverzug oder so lang ausstehend, dass sie nicht mehr als Aktiven in den Büchern geführt werden dürfen.

Fast 40 Prozent der Baukredite gefährdet

Am meisten gefährdet sind die Baukredite für Einfamilienhäuser, wovon knapp 40 Prozent auf der Kippe stehen. Als riskant gelten zudem 16 Prozent der Konsumkredite sowie 12 Prozent der Hypotheken für Einfamilienhäuser. Nach Angaben der FDIC müssen 702 Banken mit einer Bilanzsumme von 403 Milliarden Dollar als akut bedroht betrachtet werden, das sind fast dreimal mehr als Ende 2008. Wie rasch sich die Situation verschlechtert hat, geht auch aus den Zwangsschliessungen durch die FDIC hervor. 2008 noch musste die Versicherung «nur» 25 Banken schliessen und mit 15 Milliarden Dollar auffinanzieren, damit sie neuen Eigentümern übergeben werden konnten. 2009 machte die FDIC dann bereits 140 Banken dicht und schoss im Zuge der Sanierung 37 Milliarden zu. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres kamen erneut 22 Banken unter den Hammer und der Zuschuss erreichte 4,5 Milliarden, fast dreimal mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres.

Die grosse Unbekannte sind die Kredite für Geschäftsliegenschaften. Sie werden für sieben bis zehn Jahre gewährt, in der Annahme, sie regelmässig den veränderten Zinsbedingungen anzupassen. Der Markt ist indessen derart geschwächt, dass solche Umfinanzierungen kaum mehr möglich sind. Ende 2009 führten die Banken erst sechs Prozent dieser Kredite als gefährdet auf; Experten befürchten aber, dass die Ausfälle im laufenden Jahr massiv steigen. Es sei denn, der Markt erhole sich schlagartig. Damit rechnet auch die grösste britische Bank, HSBC, nicht. Im gestern publizierten Geschäftsabschluss erhöhte sie die Reserven für Kreditausfälle um neun Prozent auf 26,5 Milliarden Dollar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2010, 08:48 Uhr

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16 Kommentare

Bruno Waldvogel

02.03.2010, 08:31 Uhr
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Ja, das stimmt leider so. Was hier nicht erwähnt ist, dass nicht nur Banken, sondern ganze US-Staaten vor dem Bankrott stehen. Von Kalifornien hat man schon gehört. Aber was ist mit Illinois? 75% der Polizisten werden entlassen. Ebenso kommt es zu Massenentlassungen bei den Lehren. Doch was ist mit Florida, Ohio, Carolina, Oregon? 42 Staaten sind hochverschuldet. Der Big Bang kommt noch. Antworten


Reinhard Schaffner

02.03.2010, 08:56 Uhr
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Was wir hier sehen, sind die Auswüchse eines vorwärtsfinanzierten Lebensunterhalts. Alle wussten es immer, aber niemand hat es geglaubt. Antworten



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