Wirtschaft

Merck Serono verlässt Genf definitiv

Aktualisiert am 09.08.2012 10 Kommentare

Der Pharmakonzern und die Gewerkschaften haben sich geeinigt: Es bleibt bei der Schliessung, die Angestellten erhalten aber einen besseren Sozialplan – und die vage Hoffnung auf ein Forschungsinstitut.

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Die Personalversammlung des Pharmakonzerns Merck (MRK 36.124 -2.88%) Serono hat der Abschlussvereinbarung über Verbesserungen im Sozialplan mit grosser Mehrheit zugestimmt. Damit ist der Streit und der Kampf der Belegschaft vorerst beendet. Die Schliessung des Standorts Genf habe aber nicht verhindert werden können, teilt die Unia mit. Die Vereinbarung wurde von den Vertretern der Angestellten, der Gewerkschaft Unia und der Direktion des Konzerns unter der Leitung des Genfer Regierungsrates ausgehandelt.

Das Resultat der Verhandlungen weise erhebliche Verbesserungen im Vergleich zum ursprünglichen Sozialplan von Merck Serono auf, heisst es weiter. Unter anderem wird das Alter der Frühpensionierung von 58 auf 56 gesenkt, die Minimalentschädigung auf 25'000 Franken erhöht. Zudem werden alle Angestellten einen Monat von der Arbeit freigestellt, um die Stellensuche zu erleichtern. Merck Serono erhöhte zudem den Beitrag an einen von den kantonalen Behörden verwalteten Fonds, der die Wiedereingliederung der Entlassenen fördern soll, von 1 auf 2 Millionen Franken.

Hoffnung Forschungsinstitut

Ausserdem konnten die streikenden Angestellten erzwingen, dass sich Merck Serono unter gewissen Bedingungen für die Schaffung eines Instituts für Biotechnologie einsetzt, mit welchem gemäss Unia-Angaben mehrere hundert Arbeitsplätze erhalten werden könnten. Die Belegschaft habe deshalb entschieden, ihre Kräfte auf die Schaffung dieses Instituts zu lenken und beschlossen zur Arbeit zurück zu kehren.

Merck Serono zeigte sich erleichtert über die Beendigung des Streits. «Wir sind glücklich, dass wir nach einem manchmal schwierigen, doch immer konstruktiven Dialog ein Vereinbarungsprotokoll erreicht haben, das den Konflikt beendet», wird François Naef, Verwaltungsratspräsident von Merck Serono, in einem Communiqué des Pharmakonzerns zitiert. Die Angestellten könnten ihre Energie von nun an für ihre berufliche Zukunft einsetzen. Der Genfer Staatsrat zeigte sich in einem Communiqué ebenfalls zufrieden mit der Vereinbarung.

Revision des Obligationenrechts gefordert

Für die Unia ist damit aber noch nicht Schluss. Der rechtliche Rahmen biete den Angestellten im Fall von Massenentlassungen nur mageren Schutz, betonte die Gewerkschaft in ihrem Communiqué. Deshalb habe die Personalversammlung einen Aufruf lanciert, den Kampf zur Rettung von schweizerischen Industriearbeitsplätzen fortzusetzen. Ein nationales Komitee zur Revision des Obligationenrechts soll dazu geschaffen werden.

Die Verhandlungen wurden nach dem Scheitern des Schlichtungsverfahrens der Genfer Kammer für kollektive Arbeitsbeziehungen (CRCT) aufgenommen. Das Schlichtungsverfahren drehte sich um den Sozialplan, nicht aber um die angekündigte Entlassung von 500 Angestellten und die Verlagerung von 750 weiteren Stellen ins Ausland. Den Stellenabbau und die Schliessung des Standort Genfs hatte Merck Serono im April angekündigt. (mw/sda)

Erstellt: 09.08.2012, 20:05 Uhr

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10 Kommentare

Daniel Graber

09.08.2012, 22:11 Uhr
Melden 14 Empfehlung 1

Hat da jemand was anderes erwartet? Ich habe selber mal bei Merck gearbeitet (an einem andern Standort, der mittlerweile auch nicht mehr existiert); ich weiss, wie die ticken! Antworten


Franz Arouet

09.08.2012, 20:38 Uhr
Melden 6 Empfehlung 0

Und der "fils" Bertarelli ist dann auch schon mal - weg...
(Er hatte ja viel Pech in letzter Zeit, Segeln-weg, UBS-Job-weg, Serono-weg)...
Was er sonst noch verlieren koennte: "Honni soit - qui mal y pense".
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