Wirtschaft
Migros und Coop schlagen beim Gemüse zu
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 20.11.2008 19 Kommentare
Eine Mitarbeiterin sorgt für Nachschub. Kunden müssen künftig bei Coop und Migros für Gemüse tiefer in die Tasche greifen. (Bild: Keystone)
Hans-Peter Kocher leitet die Fachstelle Gemüse des Kantons Bern und ist ein erfahrener Experte auf dem Gebiet. In der Woche vom 22. bis 28. September hat er an zwei Beispielen die Verkaufspreise von Gemüse in den Läden untersucht. Das Ergebnis lässt aufhorchen.
Die Detailhändler Migros, Coop, Denner und Aldi hatten laut Kocher bei einer Gemüsezentrale im Berner Seeland genau dieselbe Qualität Rosenkohl eingekauft – und auch gleich viel dafür bezahlt: 3.50 Franken pro Kilo. Und zwar franko Grossverteiler offen; also in Gemüsekisten abgefüllt, ins eigene Verteilzentrum geliefert.
Die Preisunterschiede im Laden waren enorm: Bei Aldi kostete das Kilo Rosenkohl 4.00 Franken, bei Denner 5.90 Franken, bei Migros und Coop satte 7.00 Franken. Alle Anbieter haben laut Kocher Wochenpreise, die sie mit den Zulieferern im Voraus festlegen.
100 Prozent Betriebskostenzuschlag
Anders gesagt: Für Verpackung, Transport und die allgemeinen Betriebskosten schlug Aldi 14 Prozent drauf, bei Denner waren es 69 Prozent, bei Migros und Coop 100 Prozent. Ähnlich hohe Unterschiede hat Kocher in der gleichen Woche auch bei den Bohnenpreisen festgestellt.
Der Gemüsefachmann sieht Handlungsbedarf: «Wenn die Grossverteiler vergleichbare Produkte 75 Prozent teurer als der Discounter anbieten, ist eine Überprüfung der Margen angesagt», schreibt er in einer Kolumne im «Schweizer Bauer». Bei solchen Zahlen müsse man sich nicht wundern, wenn Aldi Zulauf habe.
Migros rechtfertigt den Preis mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis über das ganze, breite Sortiment. Coop weist auf das grosse Netz an Verkaufsstellen und die grosse Auswahl hin. Zudem biete man das ganze Sortiment in der Regel von Ladenöffnung bis Ladenschluss an, das habe entsprechende Kosten in Disposition und Warenbewirtschaftung zur Folge.
Denner argumentiert, mit Aldi-Preisen könnten die Betriebskosten nicht annähernd gedeckt werden. Als Discounter kalkuliere auch Denner sehr knapp, müsse aber die Logistik finanzieren, um die Ware frisch an über 700 Verkaufsstellen in der ganzen Schweiz zu liefern.
«Der Dutti heisst heute Aldi»
Auch Kocher ist klar, dass ein Discounter mit seinen spartanisch eingerichteten Läden und dem beschränkten Sortiment die Ware viel günstiger abgeben kann als Vollsortimenter wie Migros und Coop. «Statt einer Salatsorte haben die ein Dutzend, bei den Zwiebeln sind es acht statt einer Sorte, und schliesslich verkauft Aldi oft auch grössere Einheiten.» Das umfangreiche Angebot der Grossverteiler erfordere aufwändigere Warenbewirtschaftung und Logistik. «Das will alles finanziert sein. Aber ich stelle einfach fest: Der Dutti heisst heute Aldi. Nur bei den Billiglinien kämpfen die Grossen um jeden Kunden.»
Spricht man mit Engros-Händlern über das von Kocher angeführte Beispiel, schütteln sie nur den Kopf. «Ist der Ladenpreis doppelt so hoch wie der Einstandspreis, ist das eindeutig übertrieben», sagt ein Gemüsegrossist, der ab und zu staunt, wenn er die Preise in den Frischeabteilungen von Migros und Coop sieht. Andererseits sei der Aldi-Preis ein absoluter Kampfpreis; da bleibe am Ende des Tages kaum ein Gewinn in der Kasse.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.11.2008, 20:54 Uhr
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19 Kommentare
Coop ist beim Gemüse teuer. Chalotten sind z.B. unverschämt teuer. Oft fehlt "wegen unzumutbarer Qualität" (Auskunft der Coop Fachabteilung) das Prix Garanti Gemüse, z.B. bei Mohrrüben. Ab nächstem Jahr wird es einen zu Fuss erreichbaren deutschen Discounter geben. Der Hochpreisinsel Schweiz sei Dank. Antworten
Schön - für Transport und Verpackung 15% und damit man (Herren Albrecht) trotzdem noch saftigen Gewinn macht, werden die Kisten wohl von Aldi Mitarbeitern ausserhalb Ihrer Arbeitszeit (freiwillig?) umgeladen ... Glaube nicht, dass man unter diesen Gesichtspunkten die Aldis mit Dutti vergleichen sollte. Antworten
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