Migros-Chef Herbert Bolliger rechnet mit Aldi und Lidl ab

Aktualisiert am 27.12.2009

Die Konkurrenz durch die deutschen Harddiscounter setzt Herbert Bolliger zu. Deren Preiskampf sei «übel und brutal» und «der volkswirtschaftliche Schaden enorm».

«Bei den Bauern wird der letzte Cent rausgewürgt»: Herbert Bolliger.

«Bei den Bauern wird der letzte Cent rausgewürgt»: Herbert Bolliger.
Bild: Keystone

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Lidl baut aus

Der von Migros-Chef Bolliger kritisierte Detailhändler Lidl baut laut «Sonntag» derweil in der Schweiz kräftig aus – und will im Jahr 2010 rund 300 neue Arbeitsplätze schaffen, davon viele in Teilzeit. Lidl kündigt an, sein Filialnetz um 20 bis 30 Filialen zu erweitern. Mit jeder Filiale entstehen 15 bis 20 neue Arbeitsstellen, wie das Unternehmen gegenüber "Sonntag" mitteilt. Trotz nach wie vor schlechter Konjunktur gibt es weitere Unternehmen, die nächstes Jahr zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, wie eine Job-Umfrage des «Sonntags» bei 26 grossen Unternehmen ergab. Beim Basler Pharmamulti Roche sind zurzeit 700 Stellen offen, netto sollen 280 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen werden. Roche-Chef Severin Schwan sagt: «Ich glaube, dass unsere Geschäftsaussichten sehr gut sind und dass Basel international ein sehr wettbewerbsfähiger Standort ist.»

Die Umsätze im Detailhandel haben beim Grossverteiler Migros im zu Ende gehenden Jahr stagniert. Migros-Konzernchef Herber Bolliger führte dies in einem Interview der Zeitung «Sonntag» auf die Preissenkungen zurück.

Die verkauften Mengen seien zwar höher, die Preise aber im Schnitt viel günstiger als letztes Jahr. Im Oktober habe die Teuerung im Supermarktbereich bei minus drei Prozent gelegen, verglichen mit plus 2,5 Prozent ein Jahr zuvor. Diese Differenz von 5,5 Prozent habe über mehr Menge nicht wettgemacht werden können.

«Immer reicher»

Bolliger griff erneut die deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl wegen der Tiefpreispolitik scharf an. «Die Besitzer von Aldi und Lidl werden immer reicher und drücken auf Kosten der Produzenten und Mitarbeiter permanent die Preise», sagte der Migros-Chef. Die Harddiscounter drückten die Preise bei den falschen Produkten.

Bei den Milchbauern werde der letzte Cent rausgewürgt, damit der Milchpreis nochmals gesenkt werden könne. Eine gefährliche Spirale sei auch bei den Löhnen im Gang, wo in Deutschland Leiharbeiter zu einem Stundenlohn von sieben Euro eingestellt würden. Am Schluss müssten die Steuerzahler die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger zahlen.

Der Migrosbank läufts gut

Zum weiteren Geschäft im Migros-Konzern sagte Bolliger, dass die Umsätze bei Migrol und Hotelplan deutlich gesunken seien. Sehr gut arbeite M-Electronics, und Denner behaupte sich hervorragend. Gut liefen auch der Sportbereich, die Migrolino-Shops und natürlich die Migrosbank. Für das kommende Jahr stellte Bolliger einen Umsatz im Detailhandel auf dem Niveau von 2009 in Aussicht.

In einem Interview des «SonntagsBlicks» ging der Präsident der Verwaltung des Migros-Genossenschaftsbunds, Claude Hauser, auf das soziale Engagement des Konzerns ein. Er verwies auf den Mangel an günstigen Kinderkrippeplätzen und sagte, die Migros könnte hier Hand zu einer Lösung bieten. Seine Vision sei, dass die Schweiz zu einem Land werde, in dem jede Frau während der Arbeitszeit eine Betreuung für ihre Kinder finde, sagte Hauser. (sam/ap)

Erstellt: 27.12.2009, 10:32 Uhr

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