Wirtschaft

Milliarden fliessen zu Banken mit Scharia-Garantie

Aktualisiert am 08.01.2010 6 Kommentare

«Islamic Banking» ist ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Nicht zuletzt durch die Finanzkrise und die Diffamierung des Islam nach dem 11. September 2001, wie eine neue Studie zeigt.

Grosse Nachfrage wegen religiöser Prinzipien: Eine Angestellte der Sharia Mandiri Bank im indonesischen Jakarta bei der Arbeit.

Grosse Nachfrage wegen religiöser Prinzipien: Eine Angestellte der Sharia Mandiri Bank im indonesischen Jakarta bei der Arbeit.
Bild: Keystone

Die Anpassung der Finanzinstrumente an die Scharia, besonders der verbotene Handel mit Schuldpapieren, habe sich zu einem enormen Wettbewerbsvorteil während der Subprime-Krise entwickelt, heisst es in der am Freitag veröffentlichten Studie der Universität Zürich. Laut dem Ethnologen Stefan Leins war die Islamic-Banking-Branche deshalb krisenresistenter gewesen. Zahlreiche konventionell agierende Kunden hätten aus Risikoüberlegungen während der Krise zu islamischen Banken gewechselt. Die Bahrain Islamic Bank beispielsweise verzeichnete im Jahr 2008 einen Mittelzufluss von umgerechnet knapp 600 Millionen Franken.

Weil Muslime laut Leins davon ausgehen, dass die Befolgung der islamischen Rechtsquellen nicht nur in spirituellen, sondern auch in weltlichen Angelegenheiten konkrete Vorteile verschafft, hatte die Finanzkrise für den islamischen Finanzmarkt auch einen ideologischen Nutzen. Die Krise sei als weltliches Problem betrachtet worden, vor dem man durch die Anwendung der Scharia geschützt sei. Folglich habe die Krise islamische Banker nicht nur in ihrer Wirtschaftsform, sondern auch in ihrem Glauben an Gott bestätigt.

Geldzufluss nach 9/11-Anschlägen

Der Aufschwung des Islamic Banking begann laut der Studie aber schon vor der Krise. Seit der Jahrtausendwende habe sich der islamische Finanzmarkt von einer kleinen, wenig beachteten Nische zu einem viel diskutierten globalen Phänomen entwickelt. Die Gründe hierfür seien vielschichtig. Einerseits habe die Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI) den Weg geebnet, um innerhalb konventioneller Banken islamisches Banking anzubieten.

Weiter berichteten islamische Banken von einer stark erhöhten Nachfrage nach islamischer Finanzprodukte, nachdem muslimische Glaubensangehörige nach den Anschlägen am 11. September 2001 mehr und mehr diskriminiert worden seien. Offenbar argumentierten islamische Finanzinstitute damit, dass islamisch zu investieren eine Möglichkeit sei, die Zugehörigkeit zu dieser Religion auf moderne Art und Weise zu demonstrieren.

Zinsverbot und andere Geschäftsregeln

Islamische Banken unterscheiden sich von konventionellen Instituten unter anderem dadurch, dass sie sich den Regeln des Korans unterwerfen. Konkret bedeutet dies, dass sie das Verbot von Zinsem einhalten oder den von ihnen verwalteten Investmentfonds die Anlage in Unternehmen aus bestimmten Branchen untersagen. Dazu gehören beispielsweise Firmen, die Tabak oder Alkohol herstellen, Casinos und auch Banken, die konventionell operieren.

In der Schweiz agiert die Faisal Private Bank seit dem Jahr 2006 als einziges Finanzinstitut vollständig nach den Regeln der Scharia. Daneben verfügen auch die UBS, die Credit Suisse und die Privatbank Sarasin über islamkonforme Angebote für ihre Kunden. (raa/ddp)

Erstellt: 08.01.2010, 13:58 Uhr

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6 Kommentare

Fernando Acosta

08.01.2010, 15:41 Uhr
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Es ist schön, dass es auch mal positive Nachrichten im Zusammenhang mit dem Islam gibt. Bei Islamic Banking sind auch Anlagen in Waffengeschäfte verboten oder Finanzierung von kriegerischen Handlungen. Im Prinzip könnte man sagen: Islamic Banking = Ethische Geldanlage. Viele westliche Banken haben das Prinzip kopiert, sie nennen es aber natürlich anders. Antworten


Ronnie König

08.01.2010, 14:41 Uhr
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Was die Linken nicht geschafft haben und die Rechten nicht vollendet haben, schaffen die Scharia-Banken vielleicht: Dem Moloch Bank den Kopf abzuschlagen! Da sehen wir dann was wir wirklich geschafft haben. Sarkosy wird frustriert sein und Zürich verhungern. Antworten



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