Wirtschaft
Milliardenbetrüger Madoff: Naive Banken und Kunden, blinde Überwacher
Von Ralph Pöhner. Aktualisiert am 15.12.2008 60 Kommentare
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Das Ausmass des Falls ist noch unklar; wie die Sache ablief, ist offen; und wer geschädigt ist, kommt erst tröpfchenweise ans Licht: Heute meldeten internationale Grossbanken wie BNP und Santander, HSBC und Nomura, dass sie jeweils hunderte von Millionen Dollar in die Fonds der Wallstreet-Legende Bernard Madoff investiert hatten – die Gelder sind wohl verloren, da Madoffs Fonds nicht etwa eine raffinierte Investmentstrategie fuhren, sondern ganz plump nach dem Schneeballprinzip funktionierten.
Jetzt ist das Illusionsspiel vorbei und die Riesenschneekugel gestoppt, Madoff wurde am Freitag vom FBI verhaftet, um später gegen eine 10-Millionen Dollar Kaution auf freien Fuss gesetzt zu werden. Die Rede ist vom grössten Betrugsfall aller Zeiten, der Schaden könnte 50 Milliarden Franken erreichen, und dem 70-jährigen Madoff drohen 20 Jahre Gefängnis.
Hauptbelastungszeuge: Bernie Madoff
Zu den Opfern gehören diverse Schweizer Banken, so die Union Bancaire Privée (gegen eine Milliarde Franken Engagement), die Genfer Bank Bénédict Hentsch (56 Millionen), die Luzerner Privatbank Reichmuth (400 Millionen), die Genfer Bank Benbassat sowie die Waadtländer Fondsgesellschaft EIM des Uma-Thurman-Freundes Arpad Busson (wie die Genfer Zeitung «Le Temps» meldet). Sie alle investierten teilweise direkt in Madoffs Vehikel, hauptsächlich aber in Hedgefonds, die sich daran beteiligt hatten.
«Der Vorfall ist unerklärlich», teilt die Luzerner Bank Reichmuth mit. Sie spricht damit das auffälligste Problem an: Mit der Überwachung in Amerika muss es gewaltig gehapert haben. «Bei den betroffenen Fonds haben renommierte Revisionsgesellschaften wie Ernst & Young, PWC, KPMG und BDO die Jahresabschlüsse geprüft.» Die Sache flog erst auf, als die Söhne von Madoff selber zum FBI gingen und den Schneeball auf den Tisch legten. Die Informationen, welche die Behörden in New York derzeit haben, stützen sich offenbar fast ausschliesslich auf Madoffs eigenes Geständnis.
Die Ermittlungen verliefen im Sand
Oder anders: Der vielleicht grösste Betrug aller Zeiten geschah, ohne dass die Überwachungsbehörden einen Schimmer davon hatten. Und dies, obwohl ihnen Madoffs Bücher stets vorlagen. Die Idee, alle Finanzmarkt-Turbulenzen durch staatliche Überwachung wegzuregulieren, könnte damit in ein neues Licht geraten.
Denn Madoff hatte nicht nur renommierte Revisionsgesellschaften, nicht nur die angesehene Depotbank Citco – sondern seine Firma wurde auch regelmässig von der staatlichen Börsenaufsicht SEC überprüft. Wie das «Wallstreet Journal» berichtet, ermittelte die SEC 1992 gegen Madoff, fand aber nichts, und auch in den Jahren 2005 und 2007 wurde die Firma erfolglos gecheckt. Sogar heute, nachdem Madoffs Familie ausgepackt hat, scheinen banalste Fragen unklar: War Madoffs Businessplan von Beginn weg auf dem Schneeball-Prinzip gebaut? Gab es die Investmentstrategien, die versprochen wurden? Wo wurde investiert? Welche Konten wurden wirklich geführt? Mit genügend krimineller Energie kann einzelnes Schneeballkonstrukt offenbar unter dem Radar der staatlichen Überwacher durchfliegen – wohl auch in der Schweiz, wo hunderte Fonds jedes Jahr neu aufgelegt werden.
Solide Performance, immer liquide
Dies ist die eine Seite. Die andere: Madoff schaffte es, Profis auf allen führenden Finanzplätzen der Welt zu überzeugen. Seine Fonds waren liquide (man konnte immer auch gut aussteigen), sie boten eine solide Performance, während sie nur in einem einzigen Jahr ins Minus gerieten – und auch dann blieb der Verlust mit 0,64 Prozent bescheiden. «Für jeden Hedgefund-Manager», sagt der Strategiechef einer Privatbank, «ist ein Fonds mit solchen Charakteristiken eine Perle.» Der erfahrene Finanzfuchs Madoff – so scheint es – wusste genau, was die Kunden wünschten, und er lieferte es. Auch dies trug dazu bei, seinen Schneeball rollen zu lassen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.12.2008, 16:34 Uhr
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60 Kommentare
Unser Finanzminiser Merz möchte ja die Hedge Fonds noch steuerlich begünstigen. Vor allem sollten sie vermehrt ihren Sitz in die Schweiz verlegen. Mit anderen Worten heisst dies, dass wir das einzige Land auf dieser Welt sind, wo noch wissen, wie man solche Hedge Fonds ohne Verluste führt. Sonst wäre doch unser Finanzminister nicht so ein Befürworter dieser Geschäfte. Antworten
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