Wirtschaft
Milliardenspritze für Konzerne oder KMU?
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 19.08.2011 33 Kommentare
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Eine finanzielle Hilfe von zwei Milliarden Franken für Unternehmen, die unter dem starken Franken leiden, hat der Bundesrat gestern beschlossen. Doch wohin genau das Geld nun fliessen soll, das bleibt ein Rätsel. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verweist darauf, sich noch einige Tage zu gedulden, bis die Ergebnisse der Arbeitsgruppe auf dem Tisch liegen. Das Thema sei für Schnellschüsse zu komplex, heisst es. Wobei das Seco darauf besteht, dass es sich um kein Konjunkturprogramm handle, sondern darum, «einen isolierten brutalen Schock auf der Exportseite zu kompensieren», sagt Seco-Sprecher Aymo Brunetti. Und stellt klar: Es werde nicht die gesamte Schweizer Wirtschaft unterstützt. «Das wäre ein Fehler, denn die Bauwirtschaft zum Beispiel ist stark überhitzt, das wäre kontraproduktiv. Wie hoch am Ende die Förderungen ausfallen werden, wissen wir noch nicht genau.» Unklar sei auch, ob alle Exportunternehmen vom Grosskonzern bis zum Kleinunternehmer einen Anspruch haben sollen. Oder gezielt nur kleine und mittelständische Betriebe.
Drei Vergabekritieren
Die Frage des «Ob» steht politisch offenbar ausser Frage. «Zwar waren Konjunkturmassnahmen in der Vergangenheit bisher nur wenig erfolgreich, aber man kann auch nicht nichts machen», meint etwa der KMU-Spezialist der Universität St. Gallen, Thierry Volery. Die Frage des «Wie» ist hingegen unklar. Volery bietet eine erste Annäherung an mögliche Vergabekriterien: Demnach sollte das Geld «nur jenen Unternehmen zugute kommen, die es auch wirklich brauchen und aus der finanziellen Unterstützung einen Nutzen ziehen». Das sind seiner Ansicht nach vorwiegend exportorientierte KMU und weniger Grosskonzerne, die zwar eine hohe Exportquote, dafür aber bessere Möglichkeiten haben, mit dem Problem des starken Frankens im Export umzugehen. Punkt zwei: Eine adäquate Mindest-Exportquote liegt für Volery bei Unternehmen, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes im Ausland machen. Eine klare Quoten-Grenze soll auch helfen, die Abwicklung der Anträge zu erleichtern.
Das dritte Kriterium für Volery: «Das Unternehmen sollte den Firmensitz in der Schweiz haben, damit die Gefahr nicht so gross ist, dass das abgeholte Geld ins Ausland fliesst.» Das sieht auch Geschäftsführer Richard Weber des Mittelstandsbetriebs Rego-Fix in Tenniken so: «Der Förderbeitrag an KMU und Produktionsbetriebe muss an Firmen verteilt werden, die ihre Wertschöpfung in der Schweiz erbringen.» Weber kann sich Fördermassnahmen sehr gut vorstellen, allerdings unter folgenden Voraussetzungen: Es müsste geklärt sein, wie hoch der Wertschöpfungsanteil des förderwürdigen Unternehmens in der Schweiz ist und – wie Volery auch sagt – wie viele Produkte ins Ausland verkauft werden. Allerdings gibt Weber zu bedenken, dass Währungsschwankungen nicht in allen Ländern gleich prekär sind. «Somit ergibt die Priorität der höchsten Währungsabweichung ein weiteres Kriterium.» Die wichtigste Währung für Schweizer Exporteure ist der Euro, gefolgt vom US-Dollar. An dritter Stelle rangiert der chinesische Yuan.
«Frage der Gerechtigkeit»
Einzig die Treffsicherheit der Massnahmen bereitet Dominic Trüb, Geschäftsführer der Trüb Emulsions AG in Ramsen, grosse Sorgen: «Mittelständische und Handwerksbetriebe sind sicher stärker betroffen als Grosskonzerne wie etwa Roche.» Letztere würden auch mehr Möglichkeiten haben, das Geld ins Ausland zu transferieren. «Das sollte vermieden werden.» Am Ende sei das eine Frage der Gerechtigkeit: «Ich würde sagen, sehr grosse Firmen sind weniger stark betroffen.» Mit einer Einschränkung: «Sollten auch Grossbetriebe wie Roche ins Wanken kommen, dann würde im Sinne des Erhalts der Arbeitsplätze eine staatliche Hilfe wiederum sinnvoll sein.»
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.08.2011, 16:18 Uhr
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33 Kommentare
Ich will eine Exportfirma aufbauen, geplant ist ein Volumen von 55 Millionen CHF. Kann ich bitte meinen Anteil beziehen, denn ich werde sicher neue Arbeitsplätze schaffen. Wenn ich kein Geld (ca. 2 Mio bitte) bekomme, werde ich die Firma nicht gründen und viele Leute werden keine Arbeit haben! It's up to you dear Bundesrat! Antworten
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