Wirtschaft

Misswirtschaft, Börsenbetrug und einer der grössten Handelsskandale

Aktualisiert am 30.12.2011 3 Kommentare

Die Schweizer Wirtschaft wurde im Jahr 2011 durch etliche Skandale erschüttert. Dies führte zu einem Köpferollen in wichtigen Führungsetagen. Eine Übersicht.

1/7 Der Betrugsskandal in London kostete ihn endgültig den Kopf: Der ehemalige UBS-Chef Oswald Grübel.
Bild: Keystone

   

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2011 war das Jahr des Köpferollens in der Schweizer Wirtschaft: Zahlreiche Führungspersonen mussten ihren Platz räumen. Zum illustren Kreis gehörten etwa der vormalige UBS-Boss Oswald Grübel oder die Chefs von Sonova, (SOON 89.35 2.94%) die nach einer Betrugsaffäre geschlossen abtraten.

Am Samstag dem 24. September war es offiziell: Die Grossbank UBS (UBSN 11.15 -0.89%) bestätigte den rundum erwarteten Rücktritt von Chef Oswald Grübel. Im Februar 2009 zur Bank gestossen, musste der Deutsche nach dem Skandal rund um den fehlbaren UBS-Händler in London, der rund 2 Milliarden Franken verzockt hatte, verdriesst den Hut nehmen.

Ersetzt wurde Grübel durch den Tessiner Sergio Ermotti, bis anhin Verantwortlicher der Bankaktivitäten in der Region Europa, Afrika und Mittlerer Osten. Am 15. November, als Ermotti definitiv zum neuen Chef gekürt wurde, kündigte zudem UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an, seinen Posten bereits im Mai 2012 Axel Weber, dem ehemaligen Präsidenten der deutschen Zentralbank, zu überlassen.

Massenrücktritt bei Sonova

Beim Hörgerätehersteller Sonova kam es im März gleich zu einem veritablen Massenrücktritt in der Chefetage, dies nachdem Unregelmässigkeiten bei Börsentransaktionen aufgeflogen waren. Unternehmenschef Valentin Chapero, Finanzchef Oliver Walker sowie der Gründer und VR-Präsident Andy Rihs wurden infolge dessen durch Alexander Zschokke, Paul Thomson und Robert Spoerry ersetzt.

Edgar Oehler, seines Zeichens Verwaltungsratspräsident der thurgauischen Industriegruppe AFG Arbonia Forster, wurde seinerseits dabei ertappt, die Finanzen des Konzerns mit den eigenen verwechselt zu haben. Unter dem massiven öffentlichen Druck musste der Alt-Nationalrat schliesslich abtreten.

Als Folge eines Betrugs musste im April auch der damalige Chef des Catering-Unternehmens Gategroup mit sofortiger Wirkung das Büro räumen. Sein Nachfolger heisst Andrew Gibson.

Aus mit Atomstrom

Der Direktor des Energieunternehmens Alpiq, Giovanni Leonardi, warf das Handtuch im September, zwei Tage nachdem der Ständerat den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte. Ad interim übernahm VR-Präsident Hans Schweickardt das Konzernruder.

Beim führenden Schweizer Baukonzern Implenia dagegen wurde im Oktober Wiedersehen gefeiert: Der ein Jahr zuvor abgetretene Anton Affentranger kehrte zum Unternehmen zurück und übernahm damit das Zepter vom zwischenzeitlich eingesprungenen Hanspeter Fässler.

Ein paar Monate zuvor war es im Sommer an Gerald Quindlen, zu diesem Zeitpunkt seit gut drei Jahren Direktor des Computerzubehörherstellers Logitech, seinen Platz dem vormaligen Chef Guerinno De Luca zu überlassen. Letzterer hatte sich bereits vorher auch das Amt des Verwaltungsratspräsidenten gesichert.

Und im Mai übernahm Richard Laube, vormals bei Nestlé, die Zügel beim Zahnimplantatehersteller Nobel Biocare. Zuvor hatte sich das Zürcher Unternehmen am Vorabend der Publikation der Geschäftszahlen 2010 von Domenico Scala getrennt. Dieser hatte das Unternehmen seit September 2007 geführt.

Ein guter Moment zum Gehen

Stefan Lippe, Direktor des Rückversicherungskonzerns Swiss Re, sieht die Zeit für einen Aufbruch zu neuen Gefilden gekommen. Als 56-Jähriger wird er im Verlauf des Jahres 2012 seine vorzeitige Pension in Angriff nehmen, nachdem er seit seiner Amtsübernahme 2009 den Konzern wieder auf gute Wege bringen konnte. Seine Nachfolge ist noch offen.

Auch der Industriekonzern Sulzer ist seit dem Abgang von Ton Büchner auf der Suche nach einem neuen Chef. Währenddessen leitet Finanzdirektor Jürgen Brandt die Geschicke des Unternehmens.

Bei Tornos war Philippe Jacot dieses Jahr nur gerade acht Monate im Amt. Im Januar gekommen, musste er im August bereits wieder gehen und seinen Platz beim Drehmaschinenhersteller Michael Hauser überlassen.

Im Juli entledigte sich der Verwaltungsrat von Swissmetal des Unternehmensdirektors Olaf Schmidt-Park, der bis dahin während einem Jahr im Amt gewesen war. Der VR-Präsident und Ex-Patron Martin Hellweg ernannte darauf einen seiner treuen Gefolgsmänner, Patrick Huber-Flotho, zum neuen Direktor des derzeit in Nachlassstundung stehenden Buntmetallverarbeiters.

Auch der Detailhandel ist betroffen

Das rege Wechseln in den Führungsetagen der Schweizer Wirtschaft machte auch vor dem Detailhandel nicht halt: So überliess Hansueli Loosli, Coop-Chef seit fast 15 Jahren, seinen Posten auf den 1. September seinem Nachfolger Joos Sutter.

Er behielt sich jedoch die Ehre vor, sich auf das gleiche Datum zum neuen VR-Präsidenten des zweitgrössten Schweizer Detailhandelsunternehmens wählen zu lassen. Auch beim Telekomunternehmen Swisscom ist er seit September VR-Präsident.

Zu einem abrupteren Ende kam es beim Detailhändler Denner. Dort musste Peter Bamert im Januar nach «unterschiedlichen Betrachtungen betreffend der strategischen Ausrichtung des Unternehmens» abtreten. Den gleichen Grund machte André Maeder beim Modehaus Charles Vögele geltend, als er im September den Chefposten räumte.

(mrs/sda)

Erstellt: 30.12.2011, 11:32 Uhr

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3 Kommentare

Georg Buch

30.12.2011, 11:54 Uhr
Melden 2 Empfehlung

So einfach geht "Verantwortung tragen". Wenn man ein Unternehmen gegen die Wand fährt, "tritt man eben zurück". Antworten


Ernst Bütler

30.12.2011, 13:17 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Die gesamten erwähnten Skandale und noch nicht bekannte fallen alle unter eine Kategorie. Nämlich Korruption, allenthalben. Wir brauchen gar nicht zuerst an GR, I oder 3. Weltländer zu denken, sondern zuerst ein mal an die Skandale in unserem Land. Antworten



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