Wirtschaft

NZZ führt Paywall ein

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 25.11.2011 63 Kommentare

Die NZZ will künftig auch für ihre Onlinedienste Geld verlangen. Die meisten User sollen die Bezahlschranke aber gar nie sehen.

Nur noch eine Redaktion für verschiedene Produkte: Das Logo der «Neuen Zürcher Zeitung» in Zürich. (15. April 2010)

Nur noch eine Redaktion für verschiedene Produkte: Das Logo der «Neuen Zürcher Zeitung» in Zürich. (15. April 2010)
Bild: Keystone

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Die NZZ setzt bereits ab kommendem Jahr eine seit längerem diskutierte und angedachte Konvergenzstrategie um. Dies hat der Verwaltungsrat der NZZ Mediengruppe gestern beschlossen, wie der Branchendienst Persoenlich.com berichtet. Konkret bedeutet dies, dass nebst der PDF-Ausgabe der NZZ auch spezielle iPad-Applikationen für NZZ und «NZZ am Sonntag» produziert werden. Gleichzeitig werden die nach Organigramm noch getrennten Print- und Online-Redaktionen zusammengelegt. Alle Journalisten sollen die drei Kanäle Print, online und iPad gemeinsam bespielen. Bereits jetzt arbeiten die NZZ-Journalisten teilweise konvergent, weshalb die gestrige Ankündigung von den Angestellten gelassen aufgenommen worden ist.

Personeller Ausbau

Wie Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien der NZZ Mediengruppe, auf TA-Anfrage erklärte, ist die Konvergenzstrategie mit einem Personalausbau verbunden. Dessen Umfang sei im Rahmen der Budgetplanung noch festzulegen.

Gleichzeitig mit der organisatorischen Zusammenlegung und dem Ausbau der Redaktionen unter der Leitung von NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann startet die NZZ als erstes grosses Deutschschweizer Verlagshaus den Versuch, Inhalte des journalistischen Tagesgeschäfts im Internet kostenpflichtig zu machen. Wie viel des gesamten Digitalangebots kostenpflichtig werden soll, ist laut Hogenkamp noch nicht bestimmt. Vorgesehen sei jedoch eine sogenannte «Metered Paywall». Demnach ist für die User eine gewisse Anzahl der verfügbaren Online-Inhalte, beispielsweise 20 Artikel pro Monat, gratis und unangemeldet abrufbar. Erst um zusätzliche Inhalte abrufen zu können, müssen sich die User registrieren und ein Abonnement für einen bestimmten Zeitraum lösen. «Einzelne Artikel für 20 Rappen zu verkaufen, macht keinen Sinn», sagt Hogenkamp.

Nur intensive User betroffen

Dieses Modell habe den Vorteil, dass wohl mindestens 80 Prozent des Besucheraufkommens auf der Seite gehalten werden können. Ein Grossteil der User rufe monatlich gar nicht so viele Artikel ab, als dass er in die Bezahlzone geriete. «Wir haben das Verhalten unserer User im Vorfeld analysiert. Mit dem Ergebnis, dass die meisten unsere Paywall gar nie sehen werden. So können wir gleichzeitig für die Werbekunden eine attraktive Reichweite behalten und dennoch Einnahmen aus Aboverkäufen verbuchen», sagt Hogenkamp.

Künftig wird die NZZ ihren Lesern laut Hogenkamp drei verschiedene Abonnemente in drei verschiedenen Preisklassen anbieten: eines nur für die Online-Inhalte, eines für die E-Paper/iPad-Ausgaben und die Online-Inhalte und ein Abo für die Printausgabe, das gleichzeitig auch sämtliche digitalen Inhalte abdeckt.

Die NZZ wandelt damit auf den Spuren des «Wall Street Journals» oder der «New York Times». Letztere hat mit diesem Bezahlmodell seit dem Frühling laut Verleger Arthur Sulzberger jr. über 300'000 zahlende Digital-Abonnenten gewonnen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.11.2011, 18:48 Uhr

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63 Kommentare

Rolf Schumacher

24.11.2011, 20:06 Uhr
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Schade. Denn die online Zeitungsausgabe ist mehr als nur Online-Nachrichtensammlung. Es ist ein Ort an dem Wirtschaft und Politik elegant die Stimmung im Volk abrüfen können. Ein virtueller Speakers Corner. Dieses Ort muss für alle freizugänglich sein, nur so ist er repräsentativ. Es muss möglich sein die Kosten mittels Werbung, ev. sogar Staatszustupf finanzieren zu können. Antworten


Hanspeter Moesch

24.11.2011, 19:56 Uhr
Melden 47 Empfehlung

NZZ macht den Anfang; andere Print-Medien werden ihr folgen. Kostenlos bleiben dann wohl nur noch Print-Medien auf unterstem Niveau als Gratis-Zeitung aus dem Schaukasten. Antworten



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