Wirtschaft
Nach dem Fleischdesaster geht Coop in die Offensive
Von Rahel Guggisberg. Aktualisiert am 11.11.2011 28 Kommentare
Haltbarkeit
Die Regeln: Fleisch ist ein leicht verderbliches Lebensmittel. Damit es gut bleibt, muss es dauernd zwischen 2 bis 5 Grad gelagert werden. Die Fristen der Lagerung sind je nach Fleischgattung und Kochanwendungszweck verschieden. Für Ragout, Braten oder Siedfleisch liegen die Reifefristen in Vakuumverpackung zwischen 1 und 4 Wochen, bevor das Fleisch in den Verkauf gelangt. Im Verkauf trägt der Metzger die Verantwortung, wie lange das Fleisch verkauft werden darf. Entscheidend ist die Farbe sowie das Aussehen der Oberfläche. Fleisch für ein schnelles Braten, wie zum Beispiel Filet, Entrecote, Steak, wird 6 bis 7 Wochen in Vakuum gereift und dann ausgepackt und in den Verkauf gebracht. Hackfleisch aus dem Offenverkauf verdirbt besonders schnell und bietet Keimen einen idealen Nährboden. Allgemein gilt beim Fleisch folgende Regel: Je kleiner die Stücke sind, desto weniger lange ist es haltbar, weil die Angriffsfläche für Keime viel grösser ist. Fleisch am Stück ist am längsten haltbar. Ist die Packung einmal geöffnet, muss das Fleisch rasch verzehrt werden. (rag)
Schlechtes Fleisch
Wie merkt man es? «Verdorbenes Fleisch riecht schlecht, ist ranzig oder schmierig», sagt der Berner Kantonschemiker Otmar Deflorin. Der Verzehr sei dann schädlich, wenn das Fleisch mit gefährlichen Bakterien befallen sei. «Allerdings kommt es darauf an, wie heiss das Fleisch gebraten wurde. Je stärker es erhitzt wird, desto mehr Bakterien werden zerstört», so Deflorin. Im schlimmsten Fall bekommt der Konsument eine Lebensmittelvergiftung mit Magen-Darm-Beschwerden. Manchmal sei eine Arztkonsultation notwendig. (rag)
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- «Wenn das Fleisch angelaufen war, haben wir es mariniert»
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Coop hat Konsumenten beim Fleisch getäuscht. So wurde in einigen Filialen an den Theken des Offenverkaufs abgelaufenes Fleisch verkauft, welches zuvor als abgepackte Ware im Regal lag. Dies ergaben Recherchen des «Kassensturzes». Der neue, oberste Coop-Chef Joos Suter wollte zu den Vorfällen nicht Stellung nehmen. Dies, weil er noch nicht 100 Tage im Amt sei. Er schob daher seinen Vize Philipp Wyss für die Kommunikation vor: «Es geht nicht, dass sich einige Angestellte nicht an Vorgaben halten und unsere Kunden betrügen. Das akzeptieren wir nicht, und da greifen wir auch konsequent durch.»
Aber offenbar habe es Graubereiche gegeben, und die wurden laut Wyss per Ende August definitiv abgeschafft: «Es gibt bei uns eine Nulltoleranz, das heisst, bei Coop wird kein Fleisch mehr ausgepackt und über die Bedienungstheke verkauft, auch nicht als Cordon bleu oder mariniertes Stück Fleisch.» Zudem würden im kommenden Jahr sämtliche Bedienungstheken von Fleisch, Fisch und Käse einer externen, unangemeldeten Zertifizierung unterzogen. «Dabei werden die Prozesse in der Metzgerei genauestens unter die Lupe genommen», sagt Wyss. Der Detailhändler geht nun in die Offensive und lädt die Kundschaft heute und morgen in allen Bedienungsmetzgereien zu einem Tag der offenen Tür ein, um Metzgern über die Schulter zu schauen. «In erster Linie müssen wir das Vertrauen unserer Kundschaft zurückgewinnen, und wir wollen zeigen, wie ernst wir unsere Verpflichtung zu Transparenz nehmen», sagt Wyss.
Falsches Anreizsystem?
Coop-Chefmetzger und Filialleiter bekommen 15 Prozent ihres Jahresbruttolohns als Erfolgsbeteiligung. Ein Teil hängt bei Metzgern davon ab, wie viel Fleisch sie abschreiben oder wegwerfen. Kann es nicht sein, dass dieses Anreizsystem zu Missbrauch verleitet? «Wir können uns nicht vorstellen, dass jemand seinen Job wegen rund 1,8 Prozent seines Jahreslohnes aufs Spiel setzt», sagt Wyss.
Kantonschemiker ist erstaunt
Im Kanton Bern kontrolliert der Kantonschemiker das Fleisch der Detailhändler. «Dass Coop Abgelaufenes in der Frischtheke verkaufte, darf einfach nicht passieren», so Otmar Deflorin, Kantonschemiker des Kantons Bern. Der Grossverteiler habe die eigenen Metzger zu wenig beaufsichtigt. Er verstehe die Verunsicherung der Konsumenten.
Ist es sicherer, Fleisch beim Metzger einzukaufen als beim Grossverteiler? «Gewiss hat der Metzger die bessere Übersicht, zu welchem Zeitpunkt die Ware kommt», sagt Deflorin. Wer jedoch Kunden über das Ablaufdatum täuschen wolle, könne das überall. Verunsicherten rät der Kantonschemiker, verpacktes Fleisch zu kaufen.
Mehr Transparenz und eine schwarze Liste fehlbarer Metzger wünscht jetzt der Konsumentenschutz: «Diese Forderung hören wir immer wieder. Sie nützt aber nichts», sagt Deflorin. Fehler würden überall passieren. Einzig wirksames Mittel sei, griffige Massnahmen anzuordnen und die fehlbaren Betriebe nach kurzer Zeit wieder zu überprüfen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.11.2011, 10:01 Uhr
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28 Kommentare
Ich war dumm u. naiv. Dumm ist wer aus seinen Fehlern nicht lernt. Und ich lerne daraus. Bisher kaufte ich Fleisch u. anderes nur in der Schweiz. Auch im Coop. Für Qualität bezahle ich gerne mehr, ausserdem geht um Arbeitsplätze etc. Jetzt weiss ich es besser. Wir Konsumenten werden getäuscht u. betrogen. Hoher Preis für schlechte Qualität. Coop ist gestorben, am Samstag gehe ins nahe D einkaufen. Antworten
Vielleicht besinnen wir uns mal auf die Herkunft des Begriffs "Marinade". Die "Marinade" kennt man seit den Anfängen der christlichen Seefahrt zur Haltbarmachung von Fleisch. Mit den Zutaten Salz, Pfeffer, Nelken, Zitronen und anderem wurde Fleisch lagerfähig gemacht für längere Zeiten.
Unser Frischheitswahn bringt neben Holztomaten und unreifen Früchten auch extrem kurze Ablaufdaten.
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