Wirtschaft

Nicht nur Deutsche, auch Schweizer sind nervös

Aktualisiert am 21.02.2010

Deutsche bunkern Milliarden von Schwarzgeld – Schweizer auch. Der Ansturm auf hiesige Steuerämter ist ebenfalls gross: Seit Anfang 2010 haben sich mindestens 325 Steuersünder selbst angezeigt.

Ansturm auch auf die Schweizer Steuerämter: 325 Selbst-Anzeigen seit Anfang Jahr.

Ansturm auch auf die Schweizer Steuerämter: 325 Selbst-Anzeigen seit Anfang Jahr.
Bild: Keystone

Das zeigt eine Umfrage der Zeitung «Sonntag» bei allen kantonalen Steuerämtern. Stand heute haben die Kantone also bereits ein Viertel der Selbstanzeigen des gesamten letzten Jahres erhalten. Bern, Solothurn und Appenzell Ausserrhoden verbuchen sogar mehr Selbstanzeigen als im ganzen Jahr 2009. Am meisten Selbstanzeigen verbuchen konnten Zürich (75), Bern (40), Baselland (38) und St.Gallen (30). Es sind fast ausschliesslich natürliche Personen, die sich bis jetzt bei den Steuerbehörden gemeldet haben. Einzig im Kanton Solothurn betreffen alle 20 Fälle juristische Personen, wie der Steueramtschef Marcel Gehrig bekannt gibt.

Keine Strafverfahren und Bussen

Der steigende Druck aufs Bankgeheimnis mag ein Grund sein für die Offenherzigkeit der Steuersünder. Wichtiger ist jedoch die straflose Selbstanzeige, die seit dem 1. Januar 2010 in Kraft ist. Diese befreit die geständigen Steuersünder zwar nicht von Nachsteuern auf den nicht deklarierten Einkommen und Vermögen, sie verschont sie aber vor Strafverfahren und Bussen.

Die Kantone hoffen nun, dass mit der Schweizer «Steueramnestie» Mehreinnahmen zu erhalten. «Infolge der Straffreiheit bei Selbstanzeige gehen wir davon aus, dass der ordentliche Steuerertrag höher sein wird», sagt etwa Gaby Bolleter von der Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden. Wie hoch die Mehreinnahmen 2010 ausfallen werden, können nur wenige Kantone sagen. St. Gallen etwa rechnet für Kanton und Gemeinden mit Nach- und Strafsteuern von 28 Millionen Franken. «Dieser Betrag liegt 25 Prozent über demjenigen von 2009», sagt Hubert Hofmann, stellvertretender Leiter der Steuerverwaltung.

In Genf zahlte sich Steueramnestie aus

Wie lukrativ Nachsteuerverfahren für die Kantone sind, zeigen die Zahlen von 2009: In Genf spülten 110 Selbstanzeigen Steuern von 5,3 Millionen in die Kasse. Die total 1621 Nachbesteuerungsverfahren führten zu Einnahmen von 54 Millionen Franken, wie Roland Godel vom Genfer Finanzdepartement sagt.

Im Tessin brachten die 442 Steuerhinterziehungsverfahren 40 Millionen Franken ein. In Baselland kamen so 16,9 Millionen zusammen, in Bern 24,5 Millionen, im Aargau 13,5 Millionen, in Freiburg 4,2 Millionen und in Zürich rund 50 Millionen Franken.

Bei der neuen Selbstanzeige-Welle sind die grossen Fische noch Einzelfälle: In Zug ist bis jetzt ein grösserer Fall dabei. Luzern meldet zwei grössere Fälle, Bern drei. In Zürich sind «einzelne» Fälle mit hinterzogenen Vermögenswerten von über 1 Million Franken. Und St. Gallen meldet fünf grosse Fische. «Nach den Erkundigungen zu schliessen, die von Banken und Treuhändern eingeholt werden, dürften noch viele Karpfen gemeldet werden», sagt Hofmann.

(bru)

Erstellt: 21.02.2010, 09:07 Uhr

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