Wirtschaft

Norwegischer Milliardär flüchtet nach Zürich

Von Bruno Kaufmann. Aktualisiert am 26.07.2009

Stein Erik Hagen, Norwegens zweitreichster Mann, zieht von Larvik nach Zürich – und löst damit in seinem Heimatland kurz vor den Wahlen ein politisches Sommertheater aus.

Stein Erik Hagen mit Gemahlin Mille-Marie Treschow.

Stein Erik Hagen mit Gemahlin Mille-Marie Treschow.
Bild: Keystone

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Der 53-jährige Gründer und Besitzer der norwegischen Supermarktkette RIMI weiss sich in Szene zu setzen – ob als gütiger Vater seiner vier Kinder, frisch verliebter Gemahl der Milliardenerbin Mille-Marie Treschow, Fahnen schwingender norwegischer Patriot oder zuletzt als mit einem eigenen Denkmal verewigter Sponsor einer Konzerthalle in Larvik. Immer wieder ist es Hagen gelungen, für Schlagzeilen zu sorgen. Zuletzt geriet der Multimilliardär mit der seit 2005 amtierenden rot-grünen Regierung in den Clinch, weil er die rechtspopulistische Fortschrittspartei mit einer Millionenspende unterstützt hatte.

Rot-Grün hat ihn vertrieben

Nun verabschiedet sich Stein Erik Hagen jedoch zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern und einem geschätzten Vermögen von gut 4,5 Milliarden Franken aus dem nordischen Königreich. Der Grund: «Die viel zu hohe Vermögenssteuer der rot-grünen Regierung», wie er am Freitag in den Hauptnachrichten des Fernsehsenders TV2 verkündete und hinzufügte: «Wir ziehen nach Zürich, wo wir eine Liegenschaft gekauft haben und mit den Behörden alles geklärt ist.» Um seinen verbitterten Abschied aus Norwegen zusätzlich zu unterstreichen, kündigte Hagen weiter an, dass er auch seine Sommervilla im südnorwegischen Røssholmen verkaufen möchte, die er vor wenigen Jahren zu Kosten von fast zehn Millionen Franken hatte bauen lassen.

In Norwegen löste der angekündigte Umzug in die Schweiz des zweitreichsten Mannes im Land ein lautstarkes politisches Sommertheater aus: Sieben Wochen vor den nächsten Parlamentswahlen bezeichnete die linkssozialistische Finanzministerin Kristin Halvorsen den Umzug als «Milliardenerpressung»: «Hagen profitierte von unserem Konjunkturprogramm und macht sich nun aus dem Staub», sagte Halvorsen. Seitens der bürgerlichen Opposition wurde jedoch die «Flucht» des Milliardärs an eine noch nicht bekannte Adresse in der Stadt Zürich als «Ausdruck des rotgrünen Scheiterns» interpretiert, wie die konservative Parteichefin Erna Solberg betonte.

Private Insel in der Karibik

Ganz abhängig von seiner neuen Liegenschaft in Zürich wird der kaufmännisch ausgebildete Hagen jedoch trotz seiner Verabschiedung aus Norwegen nicht sein: Ihm gehören laut dem US-Magazin «Forbes», das ihn zu den 350 reichsten Personen der Welt zählt, eine private Insel in der Karibik und einige der grössten Segeljachten in Europa. Gemäss dem – im Internet frei einsehbaren – norwegischen Steuerregister hat Hagen im Jahre 2007 gut zwei Millionen Franken in die Staatskasse einbezahlt. Mit diesem Geld, so werden neugierige Mitbürger informiert, lassen sich die «Gesundheitskosten von über 500 norwegischen Rentnern in Spanien» begleichen.

Nun darf sich Hagens neue Wahlheimat Zürich auf einen neuen, sehr liquiden Steuerzahler freuen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.07.2009, 06:44 Uhr

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