Wirtschaft
Novartis-Tochter verdient an Hinrichtungen in den USA
Das umstrittene Medikament Sodium Thiopental.
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Im Januar hatte der österreichischen Rundfunk ORF berichtet, das in Österreich produzierte Sandoz-Narkosemittel Sodium Thiopental werde in den USA eingesetzt, um Todeskandidaten vor ihrer Hinrichtung zu betäuben.
Das Mittel wird demnach nicht direkt von Sandoz geliefert, sondern über den britischen Zwischenhändler Archimedes Pharma. Sandoz erklärte damals, man lehne solche Praktiken ab. Es sei jedoch nicht möglich, die ganze Lieferkette zu kontrollieren.
Über Zwischenhändler in die Todeszelle
Sandoz erklärte in einer Stellungnahme gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA, Archimedes sei kein Kunde von Sandoz. Die britische Firma erhalte injizierbares Thiopental jedoch indirekt. Sandoz vermarkte das Narkosemittel in 50 Ländern weltweit, allerdings nicht in den USA und in Grossbritannien. Im Falle Grossbritanniens werde Thiopental im Auftrag einer Drittfirma hergestellt. Diese wiederum verkaufe das Mittel an Archimedes.
Gemäss dem ORF verkaufte Archimedes im vergangenen Herbst 525 Gramm Thiopental an die US-Justizbehörden - genug um 100 Menschen vor einer Hinrichtung zu betäuben. Sandoz erklärte dazu, Archimedes sei alleine für die Vermarktung und die kommerzielle Auslieferung unter der entsprechenden Vermarktungserlaubnis in Grossbritannien verantwortlich.
Allerdings wies Sandoz nach eigenen Angaben inzwischen seine Niederlassungen an, das Produkt nicht in die USA zu liefern. Das Mittel werde auch nicht mehr an Grosshändler oder Drittkunden ausgeliefert, die es an die USA verkaufen könnten, hiess es.
WHO: «Essential Drug»
Die Novartis-Tochter verteidigte zugleich die Herstellung des Narkosemittels. Bei Thiopental handle sich um ein von der Weltgesundheitsorganisation als «essential drug» klassifiziertes Arzneimittel.
Sandoz und Novartis (NOVN 49.92 0.89%) würden ausschliesslich die zugelassene Anwendung unterstützen. Thiopental wird zur Einleitung einer Anästhesie oder Kurzzeitnarkose verabreicht oder bei schweren Epilepsien eingesetzt.
Gesundheitsministerium wird aktiv
Die Enthüllungen brachten in Österreich die Politik auf den Plan. Man habe Sandoz bereits vor Langem zu einer Stellungnahme aufgefordert und appelliert, solche Geschäfte nicht zu tätigen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.
Im Oktober 2010 hatte die Firma Hospira in den USA die Produktion des Mittels Natrium-Thiopental eingestellt. Dieses Narkosemittel ist eines von drei Bestandteilen der Giftspritze. Seitdem wird in den USA nach Alternativen gesucht. Unter anderem wurde ein Mörder mit Hilfe eines Mittels zum Einschläfern von Tieren hingerichtet.
Hospira produzierte Natrium-Thiopental zunächst noch in Italien. Doch Rom verbot die Ausfuhr in die USA, worauf Hospira die Produktion ganz einstellte. (pbe/sda)
Erstellt: 10.02.2011, 17:17 Uhr
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