Wirtschaft

Orange und Sunrise wollen fusionieren

Die Mutterkonzerne in Frankreich und Dänemark gaben am Mittwoch die Aufnahme von entsprechenden exklusiven Verhandlungen bekannt.

Werden eins: Sunrise und Orange.

Werden eins: Sunrise und Orange. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Paukenschlag auf dem Schweizer Telekommunikationsmarkt: Orange und Sunrise wollen fusionieren. Die Mutterkonzerne in Frankreich und Dänemark gaben am Mittwoch die exklusive Verhandlungen bekannt. France Telecom will anderthalb Milliarden Euro für eine 75-Prozent-Mehrheit an der neuen Firma zahlen.

Der definitive Vertrag soll in der zweiten Hälfte des kommenden Februars unterzeichnet werden, wie France Telecom (FT) und TDC mitteilten. Zuvor soll eine so genannte Due Diligence durchgeführt werden. Der Vollzug der Transaktion muss von der Wettbewerbskommission genehmigt werden. Gemäss den Angaben zahlt FT, die Orange-Muttergesellschaft, bei Abschluss der Transaktion 1,5 Milliarden Euro an die dänische TDC, die Sunrise-Besitzerin. Damit erhielten die Franzosen 75 Prozent der fusionierten Gesellschaft, die Dänen 25 Prozent.

Die neue Unternehmung kann den von TDC gehaltenen 25-Prozent-Anteil zurückkaufen, und zwar jeweils im ersten Quartal 2012, 2013 und 2014. Zudem kann TDC ihren Anteil frühestens zwei Jahre nach Vertragsabschluss an Dritte verkaufen. Nach frühestens drei Jahren könnte die neue Unternehmung auch an die Börse gebracht werden. Zudem kann FT nach dem ersten Jahr des Transaktionsabschlusses eine Option auf den TDC-Anteil ausüben und die TDC-Beteiligung für mindestens rund 1,8 Milliarden Franken plus einem Jahreszins von sieben Prozent erwerben. Der Verwaltungsrat des neuen Konzerns besteht mehrheitlich aus Vertretern von France Telecom sowie TDC-Leuten.

Als Konzernchef ist der heutige Orange-Schweiz-Chef Thomas Sieber vorgesehen. Sunrise-Chef Christoph Brand, der gemäss Mitteilung Sunrise in den vergangenen drei Jahren sehr erfolgreich neu positioniert hat, bleibt bis zum Abschluss der Transaktion Sunrise-Chef. Danach wird er den Beginn des Integrationsprozesses überwachen, bevor er sich neuen beruflichen Aufgaben ausserhalb der Gruppe zuwendet, wie es heisst.

Synergien von 3,2 Milliarden Franken

Das neue Unternehmen wird laut den Angaben rund 3,4 Millionen Mobilfunkkunden und 1,1 Millionen Festnetz- und Breitband-Internetkunden haben. Dies entspreche einem Marktanteil von rund 38 Prozent beim Mobilfunk und rund 13 Prozent bei den Breitbandanschlüssen. Mit mehr als 100 eigenen Verkaufsstellen könne die neue Unternehmung noch mehr Kunden erreichen.

Der Pro-forma-Umsatz per Ende 2008 wird auf 3,1 Milliarden Franken beziffert, der Betriebsgewinn auf 809 Millionen Franken. FT und TDC erwarten vom Zusammenschluss ihrer Schweizer Töchter Synergien von rund 3,2 Milliarden Franken, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Die Kosteneinsparungen im operativen Geschäft werden auf jährlich rund 200 Millionen Franken geschätzt, besonders in den Bereichen Netzwerk und Informationstechnologie, Vertrieb, Marketing und Personal. Angaben über einen Personalabbau lagen vorerst nicht vor.

Bei den Investitionen werden zwischen 2010 und 2015 Synergien von 570 Millionen Franken erwartet. Dabei sind die auf 140 Millionen Franken veranschlagten Investitionskosten abgezogen. Ab 2015 wird in diesem Bereich mit jährlichen Einsparungen von 65 Millionen Franken gerechnet.

Die Fusion kam insofern nicht völlig überraschend, als Orange und Sunrise bereits in den vergangenen Monaten Gespräche über eine Zusammenlegung ihrer Mobilfunknetze in der Schweiz geführt hatten. Sunrise-Finanzchef Christian Hütwohl hatte Anfang November auf Anfrage der AP gesagt, es lägen noch keine spruchreifen Resultate vor. Die Gespräche verliefen aber in einer guten und konstruktiven Atmosphäre.

«Gut gerüstet»

Die Aufnahme von konkreten Verhandlungen über eine Fusion von Orange Schweiz und Sunrise stellt für den grössten Schweizer Telekommunikationsanbieter Swisscom (SCMN 365 -1.64%) keine Überraschung dar. Eine gewisse Annäherung habe es ja bereits zuvor gegeben, sagte Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage der AP.

Falls die Fusion zustande komme, werde eine weitere Dynamisierung des Marktes erwartet. Von dem verstärkten Wettbewerb profitiere der Kunde, was von der Swisscom begrüsst werde. «Wir sehen uns gut gerüstet», sagte Huber.

Was macht die Weko?

Die Fusion wird auch von der Wettbewerbskommission (Weko) geprüft werden. Auf Grund der Umsätze der beiden Unternehmen sei ein Zusammenschluss meldepflichtig, sagte der stellvertretende Direktor des Weko-Sekretariats, Patrik Ducrey. Man werde sich das sicher gut anschauen. Weitere Angaben über mögliche Konsequenzen könnten zurzeit aber nicht gemacht werden.

Die Weko hat sich bisher auf dem Telekommunikationsmarkt vor allem mit der Rolle des ehemaligen Monopolisten befasst und kürzlich eine Busse von 220 Millionen Franken wegen Verstössen der Swisscom gegen das Kartellgesetz bei der Preispolitik für die schnellen Internet-Verbindungen bis Ende 2007 ausgesprochen.

«Uns fehlen die Details»

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) erwartet in den nächsten Tagen eine Eingabe von Orange und Sunrise zu der geplanten Fusion. «Wir brauchen von den beiden Firmen die Darstellung der neuen Situation», sagte Bakom-Sprecher Roberto Rivola am Mittwoch auf Anfrage.

«Wir wissen nicht, ob Sunrise auf die Konzession verzichtet, oder ob Sunrise übernommen wird. Uns fehlen die Details», sagte Rivola weiter. Sobald das Bakom die Eingabe erhalten habe, werde eine Analyse vorgenommen, was die neue Situation für die Konkurrenz auf dem Telekommunikationsmarkt bedeute, und ob die Fusion genehmigt werden könne. Das Bakom werde auch die Weko bei der Analyse beiziehen.

Es gebe keine Frist, innert der die Eingabe gemacht werden müsse, sagte Rivola. Damit die Fusionspartner ihren eigenen Zeitplan einhalten könnten, müssten sie aber in nächsten Tagen die Eingabe machen. Das Bakom werde die Eingabe analysieren, entscheiden werde aber die Kommunikationskommission (ComCom), die auch die Federführung innehabe. (sam/sda/ap/)

Erstellt: 25.11.2009, 10:28 Uhr

Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokale Suche

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate