Passagiere pöbeln, lügen, fahren schwarz - nun greifen die SBB durch

Von Andreas Valda, Bern. Aktualisiert am 13.12.2008 222 Kommentare

Pöbeleien oder Angriffe will die Bahn nicht mehr tolerieren. Aggressive Fahrgäste werden künftig härter angepackt.

Wachsam: Die SBB wollen Störenfriede künftig härter anpacken.

Wachsam: Die SBB wollen Störenfriede künftig härter anpacken.
Bild: Keystone

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Online-Fahrplan für unterwegs

Das SBB-Programm heisst Navigo, kann gratis aufs Handy geladen werden und bietet eine Fahrplan-Abfrage für unterwegs. Diese kostet – je nach Anbieter – rund 10 Rappen. 50'000 Normal-Handy- und über 50'000 iPhone-Besitzer haben es seit Mai geladen. So gehts: Auf www.sbb.ch nach dem Wort Navigo suchen; Handynummer eingeben; es wird ein SMS ausgelöst, das einen Link sendet. Diesen aktivieren, sodass sich das Programm von selbst aufs Handy lädt. Wer Verspätungen von SBB-Zügen in Echtzeit anschauen will, der gehe auf www.sbb.ch/166.

Vorletzten Dienstag in Bern. Im Intercity nach Zürich ertönt die Durchsage: «Eines polizeilichen Einsatzes wegen erhält der Zug eine Verspätung von unbekannter Dauer.» Zwei Männer beschimpften einen Kondukteur, der sich das nicht bieten liess. Sie wurden von der Bahnpolizei aus dem Zug eskortiert und mitgenommen. Der Zug fuhr schliesslich 14 Minuten verspätet ab. Ein Mann, der die Szene beobachtet hatte, fragte Mitreisende: «Muss der Zug einer solchen Lappalie wegen so lange aufgehalten werden?»

Der Kondukteur berichtete später, die Herren hätten keinen gültigen Fahrausweis gehabt. Einer behauptete, ein Generalabo (GA) zu besitzen, es aber verloren zu haben. Eine Fernabfrage der Abo-Datenbank ergab keine Bestätigung. «Es war eine Lüge», sagte der Zugbegleiter. Er verlangte den vollen Kaufpreis eines Billetts. Darauf wurden die beiden Reisenden ausfällig. «Einer rempelte, der andere beschimpfte mich.» Als der zweite Schwarzafrikaner ebenfalls kein Billett vorweisen konnte und ebenso wenig bereit war, ein Ticket zu kaufen, rief der Zugbegleiter die Polizei. «Das Mass an Beschimpfungen und Lügen war voll», so der Kondukteur.

Mitarbeiter erhalten Unterstützung

Die SBB zeigen sich besorgt über die seit Jahren hohe Zahl von Aggressionen. Die Angestellten sind angehalten, jede Beschimpfung und Tätlichkeit zu melden. 2006 gab es 196 tätliche Übergriffe, 2007 wurden 235 Fälle registriert. Vergleichszahlen für das laufende Jahr liegen noch nicht vor. Die Zahl der physischen Übergriffe sei stabil, die Zahl der Beschimpfungen nehme indessen zu. Sie werden von Amtes wegen polizeilich verfolgt. «Die SBB und der Schweizerische Eisenbahnverband sind nicht bereit, Übergriffe hinzunehmen», sagt Sprecher Roland Binz. In allen Fällen würden die Mitarbeitenden bei der straf- und zivilrechtlichen Bewältigung unterstützt. Kurzum: Solche Zwischenfälle sind für die Bundesbahnen keineswegs Lappalien.

Das Thema ist Mitte November in der «SBB-Zeitung» gar zur Chefsache erklärt worden. Konzernchef Andreas Meyer begleitete von Samstag auf Sonntag eine Nacht lang das Zugpersonal. Dabei wurde auch er beschimpft. Er wurde gar Zeuge, wie Betrunkene Hamburger herumwarfen. «Aggressionsbekämpfung geniesst Beachtung an höchster Stelle», bestätigt Sprecher Binz. Nach diesem Einsatz willigte SBB-Chef Meyer ein, dass nicht mehr nur Nachtzüge, sondern auch Züge am Sonntagmorgen früh in doppelter Begleitung kontrolliert werden.

Sein Auftrag ans Personal ist klar: «Gastfreundschaft und Kundenorientierung haben Grenzen, wenn die Hemmschwelle sinkt», sagte Meyer. Deshalb dürften Verspätungen aufgrund von Polizeieinsätzen künftig öfter vorkommen. Und Zugbegleiter werden einander Deckung geben: «Die SBB sind bereit, gemeinsam mit den Sozialpartnern die Ausweitung der Doppelbesetzung von Zugpersonal im Fernverkehr zu prüfen», sagt Binz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2008, 08:32 Uhr

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222 Kommentare

H Post

13.12.2008, 02:42 Uhr
Melden

Freundlichkeit sollte von beiden Seiten gefordert werden, doch da die stärkere Seite SBB heisst, könnte von ihnen mehr Grosszügigkeit kommen! Antworten


P Hofer

13.12.2008, 09:34 Uhr
Melden

Agressives Verhalten im Zug, agressives Verhalten auf der Strasse, im Tram, im Bus, in der Schule, im Einkaufszentrum u.s.w. Sollten wir nicht einmal anfangen über die Ursachen nachzudenken und vorzudenken was denn dagegen unternommen werden muss. Im kleinsten Staat - der Familie - fängt meiner Meinung alles an. Dann erst mit dem Finger auf die anderen zeigen. Am Kopf fängt der Fisch an zu stinken Antworten



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