Positive Reaktionen auf BaZ-Verkauf

Der Verkauf der Basler Zeitung Medien (BZM) an zwei Privatinvestoren stimmt Medienexperten positiv. Das sei ein gutes Zeichen für die Medienvielfalt. Die langfristigen Absichten des Financiers Tito Tettamanti blieben jedoch im Dunkeln.

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Presse.

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Presse.
Bild: Keystone

«Eine wichtige Tageszeitung bleibt unabhängig», stellte der Zürcher Publizist und Journalist Karl Lüönd fest. Das trage dazu bei, dass die Pressevielfalt in der Schweiz bestehen bleibe, sagte er am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Das Interesse am Basler Verlag sei gross gewesen. «Die beiden Schweizer Grossverlage Tamedia und NZZ-Gruppe und mindestens ein Verlag aus dem Ausland haben sich um die Basler bemüht», sagte Lüönd.

Ins gleiche Horn stösst der Präsident des Verbandes Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument. Der Basler Entscheid wirke der Konzentration in der Schweizer Medienbranche entgegen. Er begrüsse, dass in Basel weiterhin ein unabhängiger Verleger tätig sei. Damit bleibe das Kräfteverhältnis unter den Schweizer Medien erhalten.

Solide Finanzbasis

Für die unmittelbare Zukunft der BAZ zeigte sich Publizist Lüönd zuversichtlich: Die Übernahme durch Tettamanti und den Medienanwalt Martin Wagner stelle den Verlag auf eine solide finanzielle Basis. «Das ist wichtig, um im Sturm bestehen zu können.»

Lüönd vermutet zudem, dass hinter Wagner ein potenter Geldgeber steht. Konkret nennt der Publizist den Basler Medienunternehmer Bernhard Burgener, der neu im Verwaltungsrat der Basler Zeitung Medien Einsitz nimmt. Burgener ist Chef der Constantin Medien.

Zukunft ungewiss

Die langfristigen Perspektiven des Basler Verlagshauses bleiben dagegen ungewiss. Es heisse zwar, das Engagement Tettamantis sei langfristig, sagte Lüönd. «Was heisst aber langfristig bei einem Financier, der bald 80 Jahre alt wird?»

Lüönd vermutet, dass Tettamanti bei der BZM gleich vorgehen wird wie schon zuvor beim Jean Frey Verlag: Flicken und Verkaufen. Ein Weiterverkauf stehe zwar kaum unmittelbar bevor. Und wenn es denn soweit sei, rückten wiederum die Grossverlage ins Blickfeld.

Auch Verlegerpräsident Lebrument gab zu bedenken, dass Tettamanti seine Medienbeteiligungen meist rasch wieder abgestossen habe - «bisher aber nicht an einen Zürcher Konzern». Es habe sich aber in der Vergangenheit auch gezeigt, dass Tettamanti die Zeitungsmacher unabhängig arbeiten lasse.

Der Medienwissenschaftler Roger Blum hält dagegen den Verkauf eher nicht für sinnvoll: Er frage sich, was die neuen Eigentümer anders machen wollten als die alten, um mehr Gewinn zu erzielen. In der Medienkrise sei eher zu erwarten, dass Synergien zu einem Konzern gesucht würden. Tettamanti führe aber keinen Medienkonzern.

Als erfreulich bezeichnete der Medienwissenschaftler Stephan Russ- Mohl das Engagement eines privaten Investors bei der «Basler Zeitung». Angesichts des Drucks, der auf den Schweizer Verlagen laste, halte er den Entscheid der beiden Käufer Tettamanti und Wagner für mutig, sagte der Professor für Journalistik und Medienmanagement an der Universität der italienischen Schweiz.

Basler Gewerbeverband erfreut - Comedia besorgt

Auch der Gewerbeverband Basel-Stadt begrüsst die Absicht der neuen Eigner, die Basler Zeitung weiterhin als regionales und unabhängiges Printmedium zu positionieren. «Die Nordwestschweiz braucht und hat Anrecht auf eine Zeitung aus der Region, für die Region und mit Wirkung über die Regionengrenze hinaus,» sagt Gewerbedirektor Peter Malama. «Ausserdem freue ich mich, dass mit Martin Wagner ein Basler Verleger und Herausgeber der Basler Zeitung bleibt».

Die Gewerkschaft Comedia hat sich besorgt gezeigt über die neueste Entwicklung in der Schweizer Medienszene. Es sei irritierend, dass Medienhäuser in der Krise zum Gegenstand spekulativer Aktionen werden könnten. Tito Tettamanti habe sein Vermögen mit undurchsichtigen Finanzmarktgeschäften erworben, er sei kein Garant für demokratische Öffentlichkeit.

Comedia forderte die neuen Eigentümer auf, die Belegschaften der Basler Zeitung Medien AG nicht noch weiter auszupressen und die Redaktionen in politischer Unabhängigkeit arbeiten zu lassen. (amu/sda)

Erstellt: 08.02.2010, 16:25 Uhr

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5 KOMMENTARE

Thomas Fischer

08.02.2010, 17:01 Uhr

Sicher Herr Klingler, jeder sieht es aus seiner eigenen Optik. Umgekehrt lässt besagte Optik wiederum Rückschlüsse auf den Standort des Betrachters zu. Ihren Erfahrungen, das "Zurechtbiegen" betreffend, habe ich nichts entgegenzusetzen.


Peter Schlemihl

08.02.2010, 15:06 Uhr

Offensichtlich scheint einigen in Basel die Unabhängigkeit von Zürich wichtiger zu sein als die politische Unabhängigkeit! Die BaZ ist nun eng mit der Weltwoche verflechtet. Martin Wagner ist Verwaltungsrat der Weltwoche und neu eben Verleger der BaZ. Tettamanti hat bei beiden Blättern die Finger im Spiel. Die Weltwoche ist heute nicht mehr politisch unabhängig, das Gleiche blüht der BaZ!


rene klingler

08.02.2010, 14:50 Uhr

@Thomas Fischer! Gottlob sieht es jeder aus seiner eigenen Optik...und jeder kann es sich auch selber zurechtbiegen...gell...Herr Fischer!


Thomas Fischer

08.02.2010, 13:28 Uhr

Die meist ausgewogene Berichterstattung der BaZ linkslastig zu nennen, ist absurd! Es sei denn, man versieht alles was "links" der Weltwoche daher kommt mit diesem Etikett.


rene klingler

08.02.2010, 12:09 Uhr

Super..., dass Tettamanti die BaZ übernommen hat, es werden keine Wunder geschehen aber es wird massive Veränderungen geben. Dass, das so kommen musste, war ja schon lange vorhersehbar die BaZ hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr linkslastigen Blatt gewandelt! Gespannt darf man sein, ob Gehrig seinen Chefredaktorposten behalten kann?!



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