Roche-Präsident Humer hört auf

Ein Jahr auf Abschiedstour: Franz Humer tritt im März 2014 als VR-Präsident von Roche zurück. Sein Abgang erfolgt zwei Tage nach Annahme der Minder-Initiative und birgt Zündstoff.

Erhält ein paar Millionen für die Pension: Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer an der heutigen Roche-GV.

Erhält ein paar Millionen für die Pension: Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer an der heutigen Roche-GV. Bild: Keystone

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Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer hört auf: Er stehe 2014 nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung, teilt der Basler Pharma- und Diagnostikkonzern mit. Wer Humers Nachfolger werden soll, will Roche im Herbst 2013 bekannt geben. Bereits habe sich jedoch der Verwaltungsrat dafür entschieden, das Präsidium einem «non-executive Chairman» zu übertragen. Die Aufgabentrennung zwischen Präsident und Konzernchef werde so fortgesetzt.

Wie André Hoffmann, Roche-Vizepräsident an der heutigen Generalversammlung bekannt gab, soll Franz Humer 2014 eine Bonuszahlung erhalten. Die Prämie werde anhand der wirtschaftlichen Entwicklung des Konzerns und anhand von Franz Humers Leistung bestimmt, so der Sprecher der Erbenpools Oeri und Hoffmann. Humer war die letzten 18 Jahre in Diensten des Basler Pharmakonzerns gestanden.

Sonderprämie für abtretenden Präsidenten

Brisanz erhält die Vorankündigung durch die Tatsache, dass erst vor zwei Tagen die Minder-Initiative mit grossem Mehr vom Stimmvolk gutgeheissen wurde. Die Initiative verbietet Abgangsentschädigungen und ähnliche Zahlungen an abtretende Geschäftsleitungs- oder Verwaltungsratsmitglieder. Verlassen Angestellte ein Unternehmen von sich aus, so bezahlen Unternehmen in der Regel keinen Bonus fürs betreffende Jahr.

Laut Roche-Vizepräsident Hoffmann werde die Prämie für Franz Humer weitaus geringere Dimensionen annehmen als die Entschädigung, welche die andere Basler Grossfirma im Pharmabereich, Novartis, ursprünglich für Daniel Vasella vorgesehen hatte. Der abtretende Präsident hätte dort mit total 72 Millionen Franken dafür belohnt werden sollen, dass er während sechs Jahren nicht für die Konkurrenz tätig ist.

Seit 1995 bei Roche

Der 66-jährige Humer prägt seit 27 Jahren die Geschichte von Roche. Angefangen hat der aus Österreich stammende promovierte Jurist 1995 als Pharma-Chef. Bald wurde er Chief Operating Officer und schon 1998 Konzernchef. Von Anfang an gehörte Humer auch dem Verwaltungsrat an. Ab 2001 war er gleichzeitig Verwaltungsratspräsident und CEO. Schon Humers Vorgänger Fritz Gerber hatte den Konzern im Doppelmandat geführt.

Während andere Konzerne wie Novartis wegen des Doppelmandats massiv unter Druck gerieten, überraschte Humer 2008 mit dem Verzicht auf den Posten des CEO. Als seinen Nachfolger präsentierte er den noch heute amtierenden Konzernchef Severin Schwan. Der Rückzug auf das Verwaltungsratspräsidium falle ihm nicht schwer, erklärte Humer damals. Er sei kein Mensch, der an der Macht klebe. Humer erachtete zudem eine klare Gewaltentrennung als wichtig für eine hochstehende Governance.

Auf Distanz zu Vasella

Humer geriet wegen seines Gehalts weniger ins Schussfeld der Kritik als der Basler Rivale respektive dessen jüngst abgetretener Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella – obwohl es sich in einer ähnlichen Grössenordnung bewegte. Unter der Führung Humers führte Roche 2009 erstmals ohne direkten Druck von aussen eine Konsultativabstimmung über den Entschädigungsbericht durch. Zwei Jahre zuvor hatte sich Humer gegen goldene Fallschirme für Top-Kader ausgesprochen. Einen Grund sah er weder für solche noch für mehrjährige Arbeitsverträge. Damit hing Humer klar auf Distanz zu Daniel Vasella.

Auch von Vasellas Idee, Novartis und Roche zu fusionieren, hielt Humer gar nichts. Er erachtete Roche immer als gross genug für den Alleingang. Inzwischen haben sich Roche und Novartis mit sehr unterschiedlichen Strategien zu weltweit führenden Konzernen ihrer Branche entwickelt. Während Novartis als Life Science-Konzern breit aufgestellt ist, hat Humer Roche auf Pharma und Diagnostika fokussiert. Weltweit eine Spitzenposition nimmt Roche namentlich in der Onkologie ein. Mit Krebsmedikamenten erzielte Roche im vergangen Jahr 6 1 Prozent des Pharmaumsatzes von 35,2 Milliarden Franken. Der Gesamtumsatz betrug 45,5 Milliarden Franken, der Konzerngewinn 9,8 Milliarden Franken.

Artikel angereichert mit Material der Nachrichtenagentur SDA. (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.03.2013, 11:30 Uhr)

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Seit 40 Jahren in der Pharmabranche tätig: Franz Humer. (Bild: Keystone )

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