Wirtschaft

Saab ist pleite

Aktualisiert am 07.09.2011 5 Kommentare

Die Zukunft des massiv angeschlagenen Autobauers Saab hängt jetzt von Richtern ab: Das Unternehmen hat Gläubigerschutz beantragt. Lehnt das zuständige Gericht ab, gilt eine Insolvenz als unausweichlich.

Eisige Zeiten für den Autohersteller: Ein Saab ausserhalb einer Fabrik in Trollhättan, Schweden. (20. Februar 2011)

Eisige Zeiten für den Autohersteller: Ein Saab ausserhalb einer Fabrik in Trollhättan, Schweden. (20. Februar 2011)
Bild: Keystone

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Das zuständige Gericht in der Kleinstadt Vänersborg vertagte jedoch seine zunächst für Mittwoch angekündigte Entscheidung über den Antrag um einen Tag. Damit setzten die Richter die 3700 Beschäftigten im Stammwerk Trollhättan unter Höchstspannung: Bei einem Nein gilt die Insolvenz als unausweichlich.

Unter Gläubigerschutz - im Schwedischen «Unternehmenssanierung» - wäre Saab ( 17 -23.94%) vor möglichen Insolvenzanträgen geschützt. Das Unternehmen könnte dann versuchen, sich mit dem Zwangsverwalter an der Spitze neu aufzustellen. In dem öffentlich zugänglichen Gerichtsantrag bezifferte Konzern-Chef Victor Muller die kurzfristigen Schulden des Unternehmens auf umgerechnet 6,9 Milliarden Kronen (rund 879 Millionen Franken).

Nur 13'000 Autos verkauft

Saab hat im ersten Halbjahr nach Angaben seiner Eignergesellschaft Swedish Automobile 224 Millionen Euro Verluste eingefahren. Auch der Absatz stagniert. Auch bedingt durch Produktionsausfälle waren nur 13'000 Autos abgesetzt worden. Seit April stehen die Bänder in Trollhättan fast permanent still.

Muller begründete die Hoffnung auf eine Sanierung im Antrag auf Gläubigerschutz vor allem mit Zusagen der chinesischen Auto- Unternehmen Pang Da und Youngman. Diese wollen zusammen 245 Millionen Euro bereitstellen. Durch Kosteneinsparungen ab 2013 könne man auch mit «unter 100'000 verkauften Autos pro Jahr» profitabel werden, hiess es weiter. Es sei beabsichtigt, alle Forderungen von Gläubigern voll zu befriedigen.

Erneuter Antrag

Schon einmal hatte das schwedische Unternehmen als zum Verkauf stehende Tochter des US-Konzerns General Motors 2009 Gläubigerschutz beantragt. Ein vom Gericht eingesetzter Zwangsverwalter führte damals den Autobauer. Anfang 2010 übernahm der kleine niederländische Sportwagenhersteller Spyker Cars (jetzt Swedish Automobile) Saab.

Mit dem erneuten Antrag auf Gläubigerschutz kam Saab auch einem bevorstehenden Insolvenzantrag von Gewerkschaften zuvor. Die in der vergangenen Woche fällig gewordenen Löhne und Gehälter für August hatten nicht ausgezahlt werden können. Mit der Einsetzung eines Zwangsverwalters unter Gläubigerschutz tritt ein staatliches Garantiesystem für Löhne und Gehälter in Kraft.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht für das schwedische Traditionsunternehmen keine Zukunft mehr. «Saab hat keine Chance und wird nun abgewickelt», sagte der Experte. Mit Blick auf den Saab- Antrag auf Gläubigerschutz sagte Dudenhöffer: «Das war nur eine Frage der Zeit.»

Es sei vielmehr «überraschend», dass dies jetzt erst passiere. Saab spiele in einer Liga mit den grossen Oberklasseherstellern BMW, Audi, Daimler oder auch Volvo. Diese hätten aber weitaus grössere Stückzahlen.

In der Schweiz scheint Saab ein Nischenmodell für Liebhaber zu sein. Von Januar bis August 2011 wurden noch 270 neue Saab immatrikuliert, 19,9 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Im August waren es gerade noch 10 Autos. (pbe/sda)

Erstellt: 07.09.2011, 16:23 Uhr

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5 Kommentare

Geri Mouse

07.09.2011, 10:37 Uhr
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Das war mir von Anfang an klar. Wenn ein Grossbetrieb wie GM keine Kohle mehr investieren will, wie soll es den eine kleine noble Autoschmiede mit solch winzigen finanziellen Möglichkeiten schaffen? Ein Witz. Ich denke eher dass der neue Besitzer Roulette gespielt hat und meinte der Staat wird dann zahlen und er in Zukunft die grosse Kohle machen um sich sein eigentliches Hobby leisten zu könen. Antworten


Mirko Babic

07.09.2011, 17:56 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Saab fallen lassen wäre definitiv die falsche Entscheidung, eine neu orientierte Strategie mit strukturiertem Unternehmen sowie eine Verlagerung in die Slowakei oder sonst irgendwo in Osteuropa wäre eine Chance. Die Gelder müssten vom Staat und privaten Gläubigern kommen sowie einst im 2008 / 2009 mit Chrysler in den USA geregelt wurde. Antworten



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