Wirtschaft
Sawiris' Weg in Andermatt ist weit
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 20.08.2010
Sawiris verlegt Yacht in den Urnersee
In Flüelen wurde Ende Juli die Yacht von Samih Sawiris zu Wasser gelassen. Die dunkelblaue «Sun Odyssey 54 DS» ist ein Segelschiff und rund 20 Tonnen schwer, 17,5 Meter lang und mit Mast etwas mehr als 20 Meter hoch. Für den Transport von Frankreich nach Flüelen brauchte es einen speziellen Tieflader-LKW und mehrere Begleitfahrzeuge, wie die «Neue Luzerner Zeitung» berichtete.
Sawiris Urner Goldgrube
Der ägyptische Investor Samih Sawiris verhilft Andermatt nicht nur zu finanzkräftigen Touristenscharen. Er trägt auch dazu bei, dass die Urner ihre Geschichte in neuem Lichte lesen können. Auf der Baustelle zum neuen Golfplatz haben Archäologen nämlich wertvolle Gegenstände entdeckt: Geräte aus Bergkristall aus der Steinzeit, römische Münzen und Metallgegenstände aus dem Mittelalter. Die Funde aus der Steinzeit sind die ältesten bekannten im Kanton Uri. So ist vielleicht noch nicht gerade Gold geworden, was Sawiris bisher angerührt hat, aber doch schon Kristall und Metall.
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«Meine Käufer suchen Jetset-Orte, wenn ich ihnen Andermatt zeigen würde, die hätten kein Interesse», sagt der Berner Adrian Bratschi, der mit seiner B Real Estate Immobilien an reiche Leute verkauft, darunter auch viele Ausländer. Gleichzeitig aber bewundert er, was Sawiris macht. «Es braucht sehr viel Mut ein solches Projekt an diesem Ort zu lancieren, und es braucht vor allem Zeit», so Bratschi zu baz.ch/Newsnet.
Und die Zeit begann nun zu laufen. Genau gesagt Ende letzten April. Damals nämlich begann man mit dem Verkauf von Wohnungen in Ferienhäusern und Hotels. Insgesamt 490 Wohnungen in 42 Häusern sowie sechs Hotels und 25 Luxusvillen müssen unters Volk, respektive ans gut betuchte Publikum gebracht werden. Zeithorizont unbestimmt. Als erste Marke hat Sawiris seiner Andermatt-Swissalps Verkäufe von 100 Millionen Franken bis Ende dieses Jahres gesetzt.
21 Wohnungen sind vergeben
Nun hat Sawiris' Firma Orascom diese Woche erstmals Zahlen vorgelegt. Reservationen für 27 Millionen waren bis Ende Juni unter Dach. In einem Interview im Juli sagte Sawiris, man habe fast die Hälfte des Jahresziels erreicht. Konkret drückt sich Ursi Ineichen, Sprecherin von Sawiris' Andermatt Swissalps, gegenüber baz.ch/Newsnet aus: «In dreieinhalb Monaten haben wir zehn Wohnungen in Wohnhäusern und elf Wohnungen im Hotel ‹The Chedi› verkauft.» Sie streicht heraus, dass man das nur über persönliche Kontakte sowie ein Maklernetz und ganz ohne Werbung erreicht habe.
Dass jüngst darüber geschrieben wurde, es harze beim Verkauf im Andermatter Projekt, versteht Ineichen nicht. «Wir sind sehr zufrieden, das war für uns ein erster Test im Markt und wird sind auf Kurs.» Ihr recht gab Marco Strittmatter, Analyst der Zürcher Kantonalbank, vor zwei Tagen in der «Neuen Luzerner Zeitung». Er findet das 100-Millionen-Ziel realistisch und glaubt, Sawiris sei in Andermatt auf gutem Weg. «Wenn die Firma das Ausland gut bewirbt, dürfte sie die Zielmarke erreichen.»
Deutschland, Italien und Grossbritannien
Das Ausland ist nach dem Testlauf in der Schweiz auch das nächste Ziel. «Anfang Oktober lancieren wir gezielte Marketingmassnahmen in Deutschland, Italien und Grossbritannien», erklärt Ineichen. Und nicht nur das, auch via Makler-Netzwerke und Messen werden nun Europäer angesprochen. «Im Ausland müssen wir unser Projekt zuerst auf die Landkarte bringen», sagt die Andermatt-Swissalps-Sprecherin.
Ob das Produkt im Ausland funktioniert, wird sich weisen müssen. Bratschi ist skeptisch: «Wollen denn die Leute nach Andermatt? Wir haben ja schon Top-Winterregionen», gibt der Immobilien-Experte zu bedenken. Gleichzeitig sieht er auch Chancen für Sawiris' Projekt: «Wenn die Schweiz im Ausland weiter als Ort der Sicherheit und Stabilität angesteuert wird, dann wird der Platz halt langsam knapp. Und so könnte auch Andermatt zum Mekka werden, wo man hingeht.» Seine ausländischen Kunden aber würden definitiv Orte bevorzugen, die sich nahe von grossen Zentren respektive Städten befinden.
Goldene Zeiten im Immobilienmarkt vorbei
Dass der Verkauf bei einem solchen Projekt keine Triumphfahrt ist, weiss Bratschi aus eigener Erfahrung. «Ob der Verkauf so läuft, wie man sich das vorstellt, weiss man nie. Und die Zeiten, in denen man alles blind verkauft, sind sowieso vorbei. Die Verunsicherung wegen der Finanzkrise ist gross.»
Damit man bei Andermatt-Swissalps nicht auf leeren Häusern sitzenbleibt, wird mit dem Bau der Ferienhäuser auch erst begonnen, wenn die Hälfte der Wohnungen darin verkauft sind. «Wir rechnen damit, dass die ersten beiden Häuser im Winter 2013/14 bezugsbereit sind. Und auch mit dem Hotel ‹The Chedi› sind wir zu diesem Zeitpunkt fertig.» Bei 27 Appartements in den Häusern Hirsch und Steinadler sind zehn verkauft, das erste Ziel scheint erreichbar. Schwieriger sieht es im Hotel The Chedi aus, dort sind erst elf von 119 Wohungen weg. Hier ist der Weg noch weit.
Zeithorizont 2015
Bis wann glaubt man bei Andermatt Swissalps, ist das gesamte Ressort fertig? «Das wollen alle von mir wissen», so Ineichen. «Der Abschluss ist abhängig vom Verkauf.» Aber immerhin so viel: «Die grossen Projekte beenden wir zwischen 2013 und 2015.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.08.2010, 14:08 Uhr
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